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Babenhausen

04.10.2019

Ein neuer Mann führt nun durch Babenhausen

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3 Bilder
Sehenswertes Babenhausen: Eine klassische gebogene Straßenführung weist die Stadtgasse auf. Orte wie sie stehen bei den Führungen von Hans Kreuzpointner im Fokus.

Stadtführung durch Babenhausen: Hans Kreuzpointner hat das Amt von Heimatforscher Dieter Spindler übernommen. Wie seine erste Tour verlaufen ist.

Mehrere Jahrzehnte lang hat Heimatforscher Dieter Spindler Fremden und Einheimischen die Geschichte des Fuggermarktes näher gebracht. Seine „historischen Spaziergänge“ waren beliebt. Doch seit seinem 80. Geburtstag ist Schluss damit. Wer sollte die Führungen übernehmen? Mit Hans Kreuzpointner fand sich nun ein Nachfolger. Sein erster offizieller Rundgang fand vor Kurzem statt – mit einer Gruppe von Lehrern. Das beweist Mut: Denn diese Personengruppe kennt sich selbst gut aus.

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Im Fokus steht für Kreuzpointner die Bedeutung des Hauses Fugger für Babenhausen: Die Beziehung zieht sich wie ein roter Faden durch die Historie, von der Besitzurkunde aus dem Jahr 1539 bis hin zum zukünftigen Kindergarten im ehemaligen Ökonomietrakt auf dem Schlossareal. Mit einem Streifzug durch die Geschäfte des Hauses Fugger, festgemacht an Jakob Fugger dem Reichen und dem Kaufmann Anton Fugger, verdeutlichte Kreuzpointner deren Einfluss und Reichtum, „die im Textilgeschäft und Schürfrechten in österreichischen Silberminen begründet lagen“. Doch was macht man mit all dem Geld?, fragte Kreuzpointner. „Zumal die Kredite an Könige und Kaiser nicht eintreibbar sind.“ Die Fugger setzten auf „Grund, Wald und Arbeitskräfte“. Da bot es sich an, die Herrschaft Babenhausen zu erwerben, zumal sich laut Kreuzpointner „die kinderlosen Rechberger in hausinternere Streitigkeiten inklusive Brudermord verstrickten“. Ausgehend von dem heute noch als Rechbergschloss bezeichneten Südflügel wurde das Schloss immer mehr ausgebaut, es entstand das sogenannte Langschloss inklusive Ahnensaal. Der Friedhof wurde schließlich „ausgelagert“. Im mächtigen Zehentstadel wurden die Abgaben der Untergebenen gelagert. Bedeutend war dann die Verbindung der beiden Schlossgebäude im Westen durch einen Arkadengang im Renaissancestil, der aber später zugemauert wurde.

Premiere: Hans Kreuzpointner führt durch Babenhausen.
Bild: Fritz Settele

Und zur Sicherung des Schlosses aus statischen Gründen waren Maßnahmen notwendig. Schließlich war dort praktisch auf Sand gebaut worden, wie Kreuzpointner sagte. Neben Aufschüttungen sei eine „geniale Lösung“ gefunden worden. Durch Gewölbekeller konnte dem statischen Druck standgehalten werden.

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Amtshaus in Babenhausen: "Alle wollten das Monster sehen"

Als Jurist ging Kreuzpointner auf das ehemalige Amtshaus ein, es beherbergt heute die Sparkasse. Dort regierte einst der fürstliche Oberamtmann. So wurde beispielsweise der Wasserdoktor Sebastian Kneipp wegen unerlaubter Heilmaßnahmen zu zwei Gulden Strafe verurteilt – nur um anschließend dem Richter Tipps zur Heilung von dessen „Wehwehchen“ zu geben. Einen riesigen Auflauf gab es, als ein Vatermörder aus dem Umkreis Babenhausens dort inhaftiert wurde und zu einem öffentlichen Termin gebracht werden musste, denn: „Alle wollten das Monster sehen.“

Zu früheren Zeiten waren 90 Prozent der Bevölkerung Analphabeten, hieß es. Fugger gründete unter anderem die Lateinische Schule, die jedoch nur den männlichen Bürgern vorbehalten war. Als Ausgleich erhielten „arme Jungfrauen ein fürstliches Heiratsguat“, sagte Kreuzpointner dazu.

Auch Kirche (und Kirchenmauer) spielen eine Rolle.

Indirekt deuten die Wirtshausschilder auf die Zeit des Analphabetismus zurück: Sie dienten als Orientierungshilfen. Ebenso wie die Hausnamen, die teilweise heute noch Gültigkeit haben. Zwar bekamen die Babenhauser auch ein Rathaus spendiert, „bestimmt haben aber die Fugger“, sagte Kreuzpointner. Die Adelsfamilie hatte neben der Gerichtsbarkeit auch das Patronatsrecht inne, also Mitsprache bei der Bestimmung des Ortspfarrers. Jenes werde heute noch ausgeübt, war zu erfahren.

Und in früheren Jahren gab es eine Vielzahl von Gasthäusern in der Stadtgasse – und die lockten nicht nur die Händler aus der Schranne an. Dort wurden Getreide und Stoffe veräußert. Eine Station des Postverkehrs befand sich hinter dem Gasthaus Bären, heute „Zur Post“. Der Günzkanal lieferte nicht nur Energie für die dort angesiedelten Mühlen, sondern diente auch als Wäscheplatz. Wie das wohl mit den ebenfalls dort entsorgten Fäkalien aus den Haustoiletten zusammenpasste? – das fragte sich nicht nur Kreuzpointner.

Auch über "den Schneck" ging es durch Babenhausen

Weiter ging der historische Spaziergang über „den Schneck“, den Verbindungsbau zwischen unterem Markt und der Kirche. In der Pfarrkirche Sankt Andreas erläuterte Kreuzpointner deren Geschichte bis hin zur Barockisierung. Im Zuge einer Erweiterung seien aus statischen Gründen die Säulen eingebracht worden, die der Stadtführer als Sichtbehinderung einstufte. Ein Anliegen war Kreuzpointner die aus seiner Sicht „grausliche Kirchenmauer“, die aber „Gott sei Dank! Richtung Osten abgenommen worden ist“. Ihre ursprüngliche Höhe kann man heute noch am Westende erkennen.

Über der Ostseite des Fuggerareals mit einem Blick in den Innenhof und auf den Brückenheiligen Nepomuk (der ausnahmsweise nicht an einem Wasser steht), ging es über den Espachplatz zum „Tirol“, dessen Straßennamen den Abschluss einer informativen und mit zahlreichen Anekdoten und Bildern gespickten Führung bildete.

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