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Illertissen

28.01.2019

Flinke Finger aus der Hauptstadt

Das Berlin Piano Trio hat in Illertissen haltgemacht (von links): Krysztof Polonek mit Geige, Katarzyna Polonek am Cello und Nikolaus Resa am Flügel.
Bild: Regina Langhans

Wie das Berlin Piano Trio in Illertissen zahlreiche Zuhörer in seinen Bann zieht.

Es war, als lasse man sich in einem Plüschsessel versinken und von seinen Träumen fortziehen – dieses Gefühl konnten die Besucher beim Konzert des Berlin Piano Trios in der Festhalle des Kollegs erleben. Es war einer von fünf Auftritten, welche Nikolaus Resa (Klavier), Katarzyna (Violoncello) und Krysztof Polonek (Violine) auf ihrer einwöchigen Konzertreise von 3000 Kilometern zu spielen hatten. Zu hören gab es dabei schwere Musik von leichter Hand gespielt. Etwa 200 Besucher waren gekommen und zeigten sich von den kammermusikalischen Dialogen berührt.

Es war ein Abend für Kenner und Genießer, und er bestand aus Klaviertrios unterschiedlicher Komponisten. Der Begriff bezeichnet nicht nur kammermusikalische Ensemble, sondern auch das Genre. Gebildet wird das Ensemble aus dem Pianisten, dessen Part kompositorisch im Mittelpunkt steht, einem Geiger und einem Cellisten. Zum Auftakt spielten sie – die Streicher gehören den Berliner Philharmonikern an und Nikolaus Resa ist bei ihnen Gastpianist – das Klaviertrio in G-Dur von Joseph Haydn (1732 bis 1809). Es ist als „Zigeunertrio“ bekannt und die Musiker trugen es konzertant mit großer Klangfülle vor. Danach wurde es mit dem Trio in H-Dur von Johannes Brahms (1833 bis 1897) hochromantisch auf der Bühne. Es ist sein frühestes und zugleich spätestes Werk, da er es nochmals überarbeitet und verdichtet hat. So beginnt der erste Satz mit melodischen Eingebungen des jungen Brahms, die er zu wundervollen Klangmotiven ausgearbeitet hat und die ihn für dieses Werk berühmt gemacht haben. Große Abwechslung in der romantischen Ausdruckswelt schafft dabei das wirklich scherzhaft klingende Scherzo. So hämmerten dafür die Finger des Pianisten auf die Klaviertasten, die der Streicher rasten über die Saiten. Und dem Auf und Ab der Bögen konnte das Auge kaum folgen, so schnell wechselten die Töne. Wobei insbesondere Krysztof Polonek auf seiner Geige glänzen konnte. Bei allem romantischen Ausdruck blieben die Streicher bis in die höchsten Lagen bestechend klar im Ton. Beim finalen Allegro dominierte das Klavier, begleitet von Geigen- und Cellostrichen.

Kontraste waren dann mit dem Klaviertrio „Cinq pièces brèves“ des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinù (1890 bis 1959) geboten: mit böhmischer Volksmusik, modernen Dissonanzen und Taktsprüngen. Martinù war selbst Geiger und hatte für die Streicher allerlei technische Raffinessen eingebaut, welche Nikolaus Resa am Flügel schön zu umspielen wusste.

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Ende mit Antonin Dvorak

Weiterer Höhepunkt und zugleich Ausklang war Antonin Dvoràks (1841 bis 1904) berühmtes Klaviertrio, in e-Moll geschrieben und vom Komponisten selbst „Dumky“ genannt. Es beinhaltet sechs Sätze, welche sich an ukrainischen Tänzen oder „Dumkas“ orientieren. Abwechselnd verkörpern sie einen langsam-schwermütigen und einen schnell-ausgelassenen Charakter. Dabei erhielt Katarzyna Polonek am Cello viel Gelegenheit, solistisch zu brillieren, gestützt von der gleichmäßigen Begleitung auf Klavier und Geige. Für die Zuhörer war es ein Erlebnis puren Klangs. Nicht nur hier erfüllte Resa die ihm zugedachte Rolle am Flügel mit großer Virtuosität: Sei es, um sich als Melodieführer in den Vordergrund zu spielen, oder die Streicher bei ihren Soli konzertant einzubinden. Dass er am Flügel meist hinter dem Geiger und Cellisten stehe, deren Fingerkünste somit besser ins Auge fielen, störe ihn nicht. „Es kommt darauf an, was zu hören ist“, sagt er.

Das Dargebotene war oberste Klasse: Die Klänge schienen wie von einem Instrument herzurühren, so sehr stimmten die Musiker in Intonation und Takt überein. Andererseits waren Tonfarben und Klangcharaktere sehr vielfältig.

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