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Illertissen

22.10.2018

Hochkarätige Klassik: Junge Preisträger haben in Illertissen den Bogen raus

Das Ensemble Esperanza erfreute in der Festhalle des Illertisser Kollegs mit viel Talent und jugendlichem Schwung.
Bild: Regina Langhans

Das Ensemble Esperanza bringt seine Spielfreude aus Hamburg nach Illertissen mit. Kürzlich war es in der Elbphilharmonie ausgezeichnet worden.

Von Hamburgs berühmter Konzerthalle an der Elbe zum Illertisser Festival „Junge Künstler – Stars von morgen“: Der Auftritt des Ensembles Esperanza unter der Leitung von Chouchane Siranossian in der Kollegsaula war überstrahlt von der Freude über den kürzlich in der Elbphilharmonie erhaltenen Opus-Klassik-Preis für Nachwuchskünstler. Etwa 250 Zuhörer waren in die Aula gekommen – und schon bei den den ersten, mit schwungvollem Bogen, gespielten Takten begeistert.

Äußerlich war das Ensemble eine Schau: Konzertmeisterin und Dirigentin Siranossian, die ein Programm aus Alter und Neuer Musik zusammengestellt hatte, ließ ihre über 20 Musiker bis auf die Cellisten im Stehen spielen. Stilgerecht trugen die Frauen lange farbige Kleider. So hatten sie Bewegungsfreiheit und viel Reichweite für ihren Klang. Ihr Konzert eröffneten sie temporeich mit „Drei Miniaturen“ des Armeniers Komitas Vardapet (1869 bis 1935). Der Komponist gilt als Bewahrer armenischer Volksmusik. Die fast nur aus rasanten, aber lang gezogenen Bogenstrichen bestehenden Stücke erinnerten an wilde Tänze und verrieten viel von dieser Tradition. Dabei bewies das Ensemble beste Koordination und Tonreinheit im Zusammenspiel.

Nicht weniger schwungvoll, nur eben in europäisch-romantischen Harmonien ging es weiter mit Frédéric Chopins zweitem Konzert für Klavier und Orchester in f-Moll von 1830. Nach einem lyrisch anmutenden Auftakt der Geigen betrat auch der Pianist Dmytro Choni die Bühne. Er begann mit auf- und abperlendem Tonleiterspiel in Oktaven, dann griff er die beiden Anfangsthemen der Streicher auf. Chopin ist bekannt für seine Kompositionen aus mehrstimmig nebeneinander laufenden Melodien, wobei sich der Pianist und die Streicher mit Unterstützung von Bläsern in fließenden Übergängen ablösten: Sie warfen sich die Themen zu, wechselten einander in Solopassagen ab, um dann wieder in gemeinsamen Harmonien romantisch zu verschmelzen. Der dritte und abschließende Satz beinhaltet Elemente aus dem Volkstanz und das Ensemble nützte wiederum die Möglichkeit zu feurig-tänzerischen, aber überaus exaktem Spiel.

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Nach so viel gezeigtem Temperament wusste das Streichensemble noch etwas draufzusetzen: Es bot eine Kostprobe aus seinem Bewerbungsprogramm um den Preis: Es trug die sogenannte Abschiedssinfonie in fis-Moll von Joseph Haydn vor, bereitete so zugleich seinen eigenen, bildschön inszenierten Abschied vom Publikum vor. Die Konzertmeisterin erzählte, wie die 1772 entstandene Sinfonie zu ihrem Beinamen gekommen sein soll: Denn Haydn schloss seine Komposition, indem er die Musiker zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufhören und von der Bühne abtreten ließ. Angeblich habe er damit in der Sprache der Musik dem gastgebenden Fürsten Esterhazy signalisieren wollen, dass sein Orchester die Tournee beenden und zu den Familien heimzukehren wünsche.

Vor diesem theaterhaftem Ausklang gab es aber noch große Musik. Das Ensemble hatte Gelegenheit, trotz technischer Herausforderungen wie akkurater Bogenführung vom harten Staccato bis zum feinen Tremolo mit brillantem Zusammenspiel zu glänzen. Von dem vier Sätze umfassenden Opus heißt es, Haydn habe nie wieder derart extreme Musik geschrieben. Sie ist von Intervallsprüngen und Dissonanzen gekennzeichnet und die Konzertmeisterin nützte die Breite der Bühne, um mit ihrer Geige im Ensemble oder dirigierend das Spiel von einem Höhepunkt zum nächsten zu führen – bis zum Finale. Dazu verließ auch sie ihren Platz am Pult, um als Solistin die allerletzten Töne zu spielen.

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