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Konzert

26.01.2015

Im Himmel der Musikanten

Als Teil der „Familienmusik Kerber“ begeisterten sie in der Schranne mit einem Programm aus traditioneller Volksmusik und Alpen-Groove: (von links) Andreas, Martin und Jutta Kerber sowie Melanie Hagspiel.
Bild: Wilhelm Schmid

Familienmusik Kerber begeistert in der Schranne mit Volksmusik und Alpen-Groove

Einen „spannenden Abend“ versprach Martin Kerber in seiner Begrüßung – und er sollte recht behalten: Zum Auftakt des Jubiläumsjahres „50 Jahre Familienmusik Kerber“ waren die bekannte Volksmusikberaterin Jutta Kerber mit ihren Söhnen Martin, Markus und Andreas sowie Hansjörg Gehring und Melanie Hagspiel in die Historische Schranne als Gäste des Freundeskreises Kultur im Schloss gekommen. Der Saal war voll besetzt und die zahlreichen Musikfreunde erlebten die ganze Vielfalt dessen, was heute mit vermeintlichen altbekannten Instrumenten von Volks- bis Weltmusik im „Tradimix“-Stil geboten werden kann.

Der erste Teil war ganz dem gewidmet, was Jutta Kerber mit ihrer Familie seit einem halben Jahrhundert bekannt und beliebt gemacht hat: „Überm Wolkenmeer“, die „Spinnstubenweis’“ und eine Reihe weiterer Kompositionen unter dem Motto „Musik aus dem Kerberhof“ ließen die Stimmung auf der Einöde oberhalb vom „Paradies“ bei Oberstaufen aufklingen, wobei insbesondere der Kontrast zwischen romantischen Ländlerweisen und flotten Schottisch-Tanzmelodien beeindruckte. Dazwischen ließ Melanie Hagspiel ihre glockenhelle Sopranstimme mit Liedern wie dem „Spinnrädle“ aus dem donauschwäbischen Kulturraum oder das nette allgäuerische „Ridldidldadldum“ aufklingen.

Interessant war auch die instrumentale Vielfalt: Über allem thronte, wie seit 50 Jahren, Jutta Kerber mit ihrer Harfe. Martin Kerber hatte nicht weniger als fünf Zitherarten mitgebracht und wechselte zwischendurch auf die Trompete und das Alphorn. Markus bot alles an Holzblasinstrumenten auf und ließ Schwegelpfeife, Querflöte, Klarinette sowie Sopran- und Tenorsaxofon erklingen. Andreas war mit Gitarre, Hackbrett, Waldhorn und einem phänomenalen Carbon-Teleskopalphorn zugange. Und Hansjörg Gehring spielte nicht nur als Nachfolger des vor knapp zwei Jahren verstorbenen Familienvaters Ferdl Kerber auf dem Kontrabass, sondern auch auf der Tuba und zwei alten Dudelsackformen.

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Unter anderem mit einem Okarina-Solo und zwei festlichen Bläserweisen ging der erste Teil des Konzertes zu Ende. Allerdings nicht ohne dass Martin Kerber die Freunde traditioneller Volksmusik vor dem zweiten Teil „gewarnt“ hatte: Da ging es fetzig ab in die vielfarbige Welt des Jazz, hier als „Alpen-Groove“ betitelt.

Ganz traditionell riefen die Alphörner das Publikum nach der Pause wieder zusammen: „Lueget vom Bergle ins Tal“ begann richtig romantisch, dann legten Sopransax, Kontrabass und Akkordeon los. Spätestens dann wusste jeder, was mit „Groove“ gemeint ist. Man hätte es nicht geglaubt, wenn es Martin Kerber nicht verraten hätte: Hansjörg Gehring spielte mit seinem Bass heute das erste Mal bei der Gruppe mit und verschaffte, sowohl streichend als auch zupfend, dem Ganzen die nötige rhythmische und harmonische Basis. Immer wieder ging es von romantischen Volksweisen hinüber ins Reich des Jazz und des Groove. Schließlich wagten die „Kerber-Brothers“ gar den Sprung vom österreichischen Volkslied „Kommt scho’ der liachte Tag“ zum mitreißenden ungarischen Czardas.

Die ganze Gruppe bot alles an dem erwähnten Instrumentarium auf. Immer wieder war man erstaunt ob der grandiosen Vielfalt der Klangfarben und der Virtuosität der Ausführenden. Nach begeistertem Applaus gab es ein Gutenachtlied aus dem Donauschwäbischen und eine festliche Bläserweise als Dank.

Mag mancher ob des Kontrastreichtums überrascht gewesen sein. Eines ist sicher: Wenn es einen Musikantenhimmel gibt, dann mögen von dort zwar die altbairischen „Säulenheiligen der Volksmusik“ wohl etwas verwundert herunter geschaut haben. Aber um im Bild zu bleiben: Familienvater Ferdl Kerber freute sich da droben am Samstagabend gewiss bei einem guten Glas Südtiroler Roten und freute sich riesig über alles, was hier geboten wurde. Und diese Freude teilten sowohl die Musikfamilie Kerber auf, als auch das Publikum vor der Bühne.

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