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Illertissen

10.02.2015

Keine Strafe für Notarzt: Rettungskräfte in der Region sind erleichtert

Für Rettungskräfte geht es häufig um wertvolle Minuten.
Bild: Symbolbild: Alexander Kaya

Notärzte aus der Region sehen die Aufhebung des Strafbefehls gegen einen Neuburger Notarzt als positives Zeichen. Von Autofahrern fordern sie mehr Respekt

Wer in brenzligen Situationen schnell handeln müsse, brauche vor allem eines: eine gewisse Rechtssicherheit im Rücken. Auch deshalb gibt die Straßenverkehrsordnung den Rettungsdiensten gewisse Sonderrechte vor. Wollen Rettungskräfte Menschenleben retten, müssen sie sich an gewisse Verkehrsregeln nicht halten – etwa an einen Halt vor roten Ampeln oder an Stoppschildern. Außerdem dürfen sie schneller fahren als erlaubt. „Ansonsten wäre es auch nicht mehr möglich, Einsätze zu fahren“, sagt Schiemann.

Im Falle des Neuburger Notarztes fuhr der Mediziner zu einem erstickenden Kind, das Klebstoff verschluckt hatte. Ein Autofahrer hatte ein angeblich gefährliches Überholmanöver zur Anzeige gebracht. Für Schiemann ist diese Reaktion absolut unverständlich: „Wenn wir andersherum jeden Autofahrer anzeigen würden, der unseren Einsatz behindert, würden wir jeden Tag eine halbe Tonne Papier verarbeiten“, sagt er.

Schiemann ärgert das rücksichtslose Verhalten mancher Autofahrer. „Die ziehen sogar noch raus, wenn sie das Blaulicht schon im Rückspiegel sehen.“ Von der Aufmerksamkeit, die das Strafverfahren gegen den Neuburger Notarzt auf sich gezogen hat, erhofft er sich deshalb vor allem eins: „Dass Autofahrer mehr darüber nachdenken, wie sie sich im Notfall richtig verhalten.“

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Zumindest im Internet hat der Fall des angezeigten Mediziners bereits jetzt eine Grundsatzdebatte ausgelöst: mehr als 200000 Menschen beteiligten sich bis Montag an einer Online-Petition zugunsten des Notarztes. „Es ist schön, dass über das Thema gerade so viel geredet wird“, findet auch Dr. Christian Milz.

Schockierendes Zeichen für Rettungskräfte

Wie Schiemann ist auch Milz in der Region als Notarzt im Einsatz. Zu wissen, dass er während eines Rettungseinsatzes von anderen angezeigt werden könne und im Ernstfall sogar seinen Führerschein loshabe, sei ein komisches Gefühl. „Bei meinen Einsätzen am Wochenende hatte ich schon ab und an ein mulmiges Gefühl im Bauch“, sagt er.

In Sachen Strafverfahren gegen seinen Neuburger Kollegen findet Milz deshalb deutliche Worte: „Es ist eine Schweinerei, dass eine Anzeige in diesem Fall überhaupt möglich gewesen ist.“ Hätte der Neuburger Notarzt wegen Verkehrsgefährdung tatsächlich 4500 Euro zahlen müssen, wäre das, so Milz, ein „schockierendes Zeichen“ für alle Einsatzkräfte gewesen.

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