1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Meisingerhaus soll zum 450. Geburtstag eine neue Hülle bekommen

Babenhausen

09.04.2019

Meisingerhaus soll zum 450. Geburtstag eine neue Hülle bekommen

Copy%20of%20Meisingerhaus_mit_Fenstern.tif
4 Bilder
In mühevoller Arbeit wurde die teilweise noch vorhandene Lehmkonstruktion von einem Fachmann erhalten beziehungsweise neu aufgebaut. Nun muss die Außenhülle noch verputzt werden.
Bild: Fritz Settele

Viele Besucher kommen zum Tag der offenen Baustelle ins historische Meisingerhaus in Babenhausen – darunter auch ein ehemaliger Bewohner. Wie die Sanierung voranschreitet.

Das „Haus zur Geschichte“ in Babenhausen – im Volksmund immer noch Meisingerhaus genannt – nimmt allmählich Konturen an. Da es in diesem Jahr seinen 450. Geburtstag feiert, hofft der Historische Verein, zumindest noch die Außenhülle fertigstellen zu können. Zwar sind die größten Teile diesbezüglich saniert, jedoch fehlt noch der Verputz – vor allem aber dafür notwendige Spenden. Bei einem Tag der offenen Baustelle hatten Interessierte nun die Möglichkeit, sich das Gebäude anzusehen.

Als besonderen Gast begrüßte Barbara Kreuzpointner, die Vereinsvorsitzende, Franz Meisinger. Der 84-Jährige hatte von Geburt an bis nach seinem Studium in den Haus gewohnt. Und deshalb hatte er auch so manche Anekdote parat – etwa über eine steile Kellertreppe, die man nur rückwärts hinuntergehen durfte, oder eine Klappe im Fußboden, welche für Wärme im Obergeschoss sorgte. Einmal habe ein Besucher gefragt, ob es sich hierbei um ein Plumpsklo handele.

Mit Frau und Tochter kam der 84-jährige Franz Meisinger (Mitte) an den Ort seiner Kindheit und Jugend zurück.
Bild: Fritz Settele

Auch ältere Aufnahmen hatte Meisinger dabei und überreichte sie dem Historischen Verein. Seine ihn begleitende Frau, die aus Herretshofen stammt, lernte er bei einer Bahnfahrt kennen, die ihm unvergesslich geblieben ist. Überrascht und erfreut zeigte sich der 84-Jährige über die Arbeiten und den Erhalt des Gebäudes, in dem seine Mutter nach seinem Auszug und bis zu ihrem Umzug ins Altenheim noch mehrere Jahrzehnte wohnte.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Hans Kreuzpointner weist derweil mit 450 Arbeitsstunden die meiste Zeit auf, die ein Freiwilliger für die Sanierung investierte. Kein Wunder also, dass er nach seinen Worten mittlerweile „mit jedem Stein per Du“ ist. Er erläuterte fachkundig die Historie des Gebäudes und bisherige Sanierungsschritte. Kreuzpointner stufte das Haus als eines der ältesten erhaltenen Handwerkgebäude in Schwaben und als „Juwel“ ein. Es sei schon einiges „für ein schöneres Ortsbild bewegt“ worden.

Da ein Teil des Bauwerks im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut war, musste ein neues Fundament gegründet werden. Scherzhaft merkte Kreuzpointner an, dass man damit die „Westmauer des Fuggerschlosses hält“. Bei der Sanierung eines derart alten Hauses stoße man immer wieder auf „Überraschungen“, die zusätzliche Kosten bedingen.

Dieses Foto zeigt das Meisingerhaus um 1950, also vor dem Anbau im Norden, der inzwischen wieder abgerissen wurde.
Bild: Sammlung Franz Meisinger/Repro: Settele

Der Dachstuhl ist nun stabilisiert, das Dach neu eingedeckt. Zudem wurden der alte Putz entfernt und neue Holzfenster eingesetzt, welche der ursprünglichen Form nachempfunden sind. Die Türen sollen demnächst angebracht werden. Fehlt im Außenbereich nur noch der Kalkputz, damit die darunter liegenden Lehmflächen dauerhaft gesichert sind. Dann könnten die Schutzfolien und das Gerüst abgebaut werden.

Derzeit ist die Baukasse des Vereins leer, wurden doch bisher rund 300000 Euro investiert. Diese stammten aus Zuschüssen und von großzügigen Spendern. Darauf hofft Barbara Kreuzpointner auch in Zukunft, damit das Konzept für das „Haus zur Geschichte“ möglichst bald umgesetzt werden kann. Veranschlagt sind weitere 100000 bis 150000 Euro. Das Spendenkonto besteht weiterhin.

Das Ziel ist es letztlich, ein Heimatmuseum der anderen Art zu schaffen. Nicht alte Dreschflegel sollen dort Einzug halten, sondern vor allem gesellschaftliche Informationen aus vergangenen Jahrhunderten. So soll die Geschichte des Fuggermarkts etwa anhand bekannter Personen oder Überlieferungen wieder lebendig werden.

Zahlen und Fakten zum "Haus zur Geschichte":

  • Das denkmalgeschützte Haus stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Der im Original erhaltene Dachstuhl geht auf die Winterfällung 1569/70 zurück. 1686 wurde das Gebäude nach Osten zum Schlossberg hin mit einem Anbau samt sogenanntem Webergumpen ergänzt.
  • Der Name Meisingerhaus stammt von der letzten dort wohnenden Familie. Das zeitweise als Dreifamilienhaus genutzte Gebäude weist über alle Geschosse eine Grundfläche von 81 Quadratmetern und drei Hausnummern auf.
  • Ende das 20. Jahrhunderts wurden die Grundstücke mit knapp 170 Quadratmetern von der Marktgemeinde mit dem Ziel des Abbruchs zur Straßenerweiterung gekauft.
  • Nach dessen Aufnahme in die Denkmalliste 2001 wurde das Gebäude 2010 vom Historischen Verein erworben. 2016 begannen nach der Zusage von Zuschüssen die ersten Arbeiten zur Rettung dieses im schwäbischen Raum einmaligen Handwerkerhauses.
  • Als „Haus zur Geschichte“ soll es nach der Fertigstellung Infos zur Historie Babenhausens beherbergen. Außerdem soll es laut Verein eine „Hall of fame“ (Ruhmeshalle) für verdiente Babenhauser geben.
Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren