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Memmingen

25.04.2019

Memminger Klinikum hängt am Tropf

Am Tropf des städtischen Haushalts hängt das Krankenhaus der Stadt.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Das Memminger Krankenhaus rechnet mit einem Defizit von fast neun Millionen Euro. Die Stadt schießt sechs Millionen aus dem Etat zu.

Eine schlechte Nachricht musste Maximilian Mai kürzlich in einer Sitzung des Memminger Stadtrats verkünden: Das Klinikum rechnet heuer mit einem Defizit von 8,9 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren es nach vorläufigen Berechnungen „nur“ 6,3 Millionen Euro Miese. Und 2017 betrug das Minus knapp 3,5 Millionen Euro. Allerdings verwies der neue Verwaltungsleiter gleich im nächsten Atemzug darauf, dass gerade eine umfassende Wirtschaftlichkeitsanalyse durchgeführt und ein Masterplan entwickelt werde, um schnellstmöglich bessere Zahlen zu schreiben.

Die Krankenhäuser in Deutschland leiden seit Jahren darunter, dass die Aufwendungen schneller steigen als die Erträge. Laut Mai gingen in der Vergangenheit zum Beispiel nicht nur die Personalkosten nach oben, sondern es mussten aufgrund von Gesetzesänderungen auch mehr Leute an den Kliniken angestellt werden.

Mit dem angedachten Masterplan soll am Memminger Krankenhaus nun die Effizienz beim operativen Geschäft verbessert werden. So strebt man neben Einsparungen eine Steigerung der Erlöse an. Dies kann zum einen durch höhere Fallzahlen erreicht werden. Zum anderen bekommt ein Krankenhaus für schwierige Behandlungen mehr vergütet als für einfache Eingriffe. Daher plant das Memminger Klinikum ebenfalls eine Steigerung bei den schwierigeren Fällen. Auf die beschriebene Art und Weise wurden nach Mais Worten die Krankenhausleistungen in Memmingen zwischen 2015 und 2018 bereits um neun Prozent nach oben geschraubt.

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Aufgrund des zu erwartenden Defizits schießt die Stadt heuer sechs Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt beim Klinikum zu. Im Vorjahr waren es nur zwei Millionen. Laut Stadtkämmerer Jürgen Hindemit ist das Krankenhaus bis 2014 nahezu ohne kommunale Zuschüsse ausgekommen. Mittlerweile seien die Rücklagen des Klinikums aber aufgebraucht – und zwar durch immer schlechtere Jahresergebnisse beziehungsweise durch nicht geförderte Investitionen.

Wie Mai in der Sitzung weiter berichtete, sollen heuer voraussichtlich 12,7 Millionen Euro in verschiedene Maßnahmen investiert werden – darunter der Bau eines „OP-Würfels“ mit neuem Eingangsbereich sowie eine Erweiterung der Linksherzkathetermessplätze. Zudem schlagen bei der neu angesiedelten Neurochirurgie medizinische Großgeräte zu Buche. Derartige Investitionen werden durch Zuschüsse – etwa vom Freistaat – und durch Darlehen finanziert. Laut Hindemit teilen sich die 12,7 Millionen Euro in 6,5 Millionen Zuschüsse und 6,2 Millionen Kredite auf.

Der Klinikum-Referent des Stadtrats, Helmut Börner (Freie Wähler), dankte zunächst dem Klinik-Personal für die „hervorragende Arbeit“ zum Wohl der Patienten. Gleichzeitig zeigte er sich zuversichtlich, dass das Defizit des Krankenhauses bald kleiner werden wird.

Klaus Holetschek (CSU) fügte mit Blick auf die finanzielle Situation des Memminger Hauses an, dass eine Fusion mit anderen Kliniken weiter angestrebt werden müsse. „Die Krankenhauslandschaft ändert sich“, sagte der Landtagsabgeordnete: „Davor können wir die Augen nicht verschließen und einfach das Pippi-Langstrumpf-Prinzip anwenden: Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

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