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Illertissen

12.04.2015

Rekordverdächtige Frühlingsgefühle

Die Jungviehweide am Samstag von oben.
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Die Jungviehweide am Samstag von oben.
Bild: Jürgen Hartmann

 Zahlreiche Besucher wollten  am Samstag die Gartenausstellung „Kraut und Krempel“ und „Scharfe Sachen“ im Gartenmuseum sehen.

 Zu „Kraut und Krempel“ – erster größerer Treff für Gartenfreunde auf der Jungviehweide – zog es diesmal die Massen. „Mehr Besucher als ein Tag der Illertisser Gartenlust, die ein Wochenende dauert“, freute sich Staudengärtner Dieter Gaißmayer. Zugleich sei es aber eine logistische Herausforderung, da sich auf den Zufahrten die Blechlawinen schlängelten. Allein aus Vorarlberg kamen vier Busse.

Zwischen Gärtnerei und dem Museum der Gartenkultur herrschte ständiges Kommen und Gehen, Geißmayer hatte zuvor von „Frühlingskribbeln“ gesprochen, das sich offenbar auf ein paar tausend Besucher übertragen habe. Jetzt sei Anpflanzzeit und die Leute suchten nach dem „passenden Kraut“. Aber auch beim „Krempel“, in Geißmayers Augen viele edle Stücke wie spezifische Gießkannen oder Gartenzwerge als seine persönlichen Favoriten, sei viel los. Dazu wurde nach alter Handwerkskunst Neues produziert, etwa modische Filztextilien oder Dekoratives aus verzinktem Blech von Flaschner Rudi Ottine.

Um solches zu erleben, haben Ben und seine Eltern aus Ludwigsburg zwei Stunden Anfahrt in Kauf genommen. Neben dem Markttreiben interessiert die Schau „Scharfe Sachen“ mit altem Schneidegerät. „Wir sind zum dritten Mal nach Illertissen gekommen“, sagen sie, „allein schon wegen des Ambientes.“ Andere Kinder wie Emma aus Langenau ließen sich dafür begeistern, mit Conny Kutter vom Museum Glücksklee in Töpfchen zu setzen, um es heimzunehmen und zu beobachten. Zu den Fachreferenten zählte Schwester Birgit vom Franziskanerinnenkloster Reute in Bad Waldsee, die über die besondere Wirkung der Zistrose sprach. Seit Jahrtausenden werde das Kraut gegen Viren, Bakterien oder Pilze eingesetzt.

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Dass sich gärtnerisches Wissen in der Tradition begründet, darüber hatte Wolfgang Hundbiss bei der Führung durch die Ausstellung mit etlichen hundert Schneidewerkzeugen Interessantes zu sagen. Etwa, dass er als passionierter Sammler das einzigartige Arsenal anhand alter Kataloge systematisch ergänze.

Zum Beispiel hat er einen als „chirurgisches Gerät“ bezeichneten Mooskratzer von 1800 ersteigert sowie einen Baumwunden-Auskratzer, dessen gezackte halbrunde Schneide sich auch zum Herausschälen von Butterflöckchen eignete. Oder er erzählte eine Geschichte aus der 1854 von Schwille gegründeten Messerfabrik „Tina“: Ein Rosenveredelungsmesser war vom Besitzer aus Irland, der damit jährlich 40000 Rosen bearbeitete, nach 25 Jahren zurückgeschickt worden mit der Bitte, die Klinge zu erneuern. „Was geschah“, so Hundbiss. „Jedes Stück hat Geschichte, sagte Helmut Ammer, Dingolfing, selbst Experte. „Und es lässt sich nachschleifen – scharfe Sachen eben.“

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