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Babenhausen

27.11.2017

Sozial-Raum-Projekt Babenhausen: Raus aus dem schwarzen Loch

Das gemeinsame Kochen mit Hans Schrott (rechts) vermittelt Dirk und Freddy das Gefühl, nicht allein gelassen zu sein. Die junge Frau will nicht erkannt werden.
Bild: Claudia Bader

Das Ambulant Betreute Wohnen des Dominikus-Ringeisen-Werks hilft Menschen mit psychischen Erkrankungen, neuen Lebensmut zu schöpfen. Zwei Teilnehmer erzählen.

Dirk versucht, die Gefühle in Worte zu fassen: „Es ist, als ob man unter einem schwarzen Tuch liegt. Man möchte nicht aufstehen, hat keinen Durst und keinen Hunger.“ Nur ungern erinnert sich der 44-Jährige an seine depressiven Phasen. Sie beeinträchtigen sein Leben seit mehr als 20 Jahren. Drei stationäre Klinikaufenthalte liegen hinter ihm. Manchmal sei er nahe daran gewesen, sich das Leben zu nehmen, gesteht er. Seit er im Rahmen des Sozial-Raum-Projektes des Dominikus-Ringeisen-Werks im Ambulant Betreuten Wohnen (ABW) in Babenhausen lebt, sieht er wieder Lichtblicke. „Ich fühle mich nicht alleingelassen und kann wieder Freude empfinden“, sagt er.

Genauso geht es Freddy. Wie Dirk will sie ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. Die 22-Jährige ist in einem Kinderheim aufgewachsen. In den zurückliegenden Jahren habe sie ebenfalls einige depressive Phasen durchlitten, in denen sie „ganz unten in einem schwarzen Loch“ gesessen sei, erzählt die gebürtige Slowakin. Über ihre gesetzliche Betreuerin ist sie zum ABW gekommen. Derzeit absolviert die gelernte Floristin einen Integrationskurs. Nach dessen Abschluss möchte sie eventuell noch einen anderen Beruf erlernen, arbeiten und vor allem: wieder mit beiden Beinen im Leben stehen. Ihr Ziel ist es, ihre beiden kleinen Kinder, die derzeit in Pflegefamilien untergebracht sind, irgendwann wieder selbst versorgen zu können.

Die dafür notwendige psychische Stabilität gewinnt sie durch die fachliche Begleitung der ABW-Mitarbeiter. Hans Schrott, Leiter des Sozialraumprojektes in Babenhausen, erklärt: „Wir bieten Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen die Möglichkeit, zu zweit oder zu dritt selbstständig in Wohngemeinschaften zu leben und ganz normal am Leben teilzuhaben.“ Saskia Kastello, Regionalleiterin für ambulante und offene Hilfen im Landkreis Unterallgäu ergänzt: „Mit dem Anmieten von mehreren Wohnungen im Fuggermarkt hat das Dominikus-Ringeisen-Werk im Raum der Verwaltungsgemeinschaft Babenhausen eine Lücke geschlossen.“ Die in den Wohnungen lebenden Menschen sollen nach ihren Worten ein „selbstverständlicher Teil der Gesellschaft“ werden und sowohl in den Bereichen Wohnen, Schule und Arbeit als auch bei Freizeit und dem Erleben von Kultur eingebunden sein.

Seit Dirk selbstständig in Babenhausen wohnt, hat er wieder Lebensmut geschöpft. Dazu tragen auch die Betreuer bei, die ihn viermal in der Woche besuchen und ihm bei der Bewältigung des Alltags zur Seite stehen. Sowohl bei täglichen Arbeiten im Haushalt wie Kochen und Putzen, beim Ausfüllen von Formularen oder Arztbesuchen als auch bei Unternehmungen fühlt er sich nicht mehr allein gelassen. „Wichtig für seine psychische Stabilität sind aber vor allem das Gespräch, das Zuhören und Verstehen“, sagt Schrott.

Seit Dirk in der Hausmeisterei der Babenhauser Jugendbildungsstätte ein Praktikum absolviert hat, strebt der gelernte Trockenbaumonteur dort eine Anstellung als geringfügig Beschäftigter an. „Das wäre mein Traumjob“, schwärmt er. Da Dirk Tiere liebt, hilft er außerdem manchmal in einem Pferdestall mit.

Damit Dirk und Freddy sowie die anderen Menschen, die sich für das ABW entschieden haben, am Leben in Babenhausen teilhaben können, haben Schrott und seine Mitarbeiter sie zum Beispiel zum Besuch der örtlichen Kultur- und Kaufnacht sowie zu einer Aufführung der Theatergruppe Schmiere begleitet. Aber auch ein Ausflug ins Illertisser Freizeitbad Nautilla hat den beiden großen Spaß gemacht, erzählen sie. Als nächste Aktivität wünscht sich Freddy einen Disco-Besuch.

Doch nicht nur Wohngemeinschaften widmet sich das Sozial-Raum-Projekt Babenhausen: „Wir beraten und helfen auch Menschen, die in ihrer eigenen Wohnung leben und Unterstützung benötigen“, sagt Schrott. Die Inklusion solle gelebt werden – in allen Facetten des Lebens.

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