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Vöhringen

11.01.2019

Warum ein Zahnarzt aus Illerberg über Sauerkraut schreibt

Beim Sauerkrauteinmanchen stampfen manche das Kraut auch barfuß ein. So hat man das teilweise früher auch gemacht - oder mit einem Stampfer, erinnert sich Gerhard Klaiber aus Illerberg.
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Beim Sauerkrauteinmanchen stampfen manche das Kraut auch barfuß ein. So hat man das teilweise früher auch gemacht - oder mit einem Stampfer, erinnert sich Gerhard Klaiber aus Illerberg.
Bild: Josef Abt (Symbol)

Der Illerberger Gerhard Klaiber hat ein Buch über seine Kindheit verfasst. Darin finden sich allerlei Anekdoten.

Jahrzehntelang hat Gerhard Klaiber als Zahnarzt seinen Patienten wortwörtlich auf den Zahn gefühlt. Jetzt, im Ruhestand hat er den Bohrer gegen den Kugelschreiber getauscht. Er verfasst damit Notizen, aus denen dann nach und nach eigene Geschichten und sogar Bücher entstehen. Zwei Kinderbücher hat er bereits geschrieben (wir berichteten). Jetzt präsentiert er auf 155 Seiten eine neue Lektüre, die sich mit seinen Kindertagen in seiner Heimat befasst. „Erinnerungen an meine Kindheit in Plieningen“ heißt das Buch.

„In Plieningen“, so hieß es in der Stuttgarter Zeitung unlängst, sei die Welt noch weitestgehend in Ordnung. Im Stadtbezirk der schwäbischen Metropole Stuttgart wohnen heute rund 3135 Einwohner. Als Gerhard Klaiber dort aufwuchs, waren es um die 3000 Menschen. Er beschreibt die Landschaft als etwas zugig, denn Plieningen liegt 200 Meter höher als die baden-württembergische Landeshauptstadt. „Wenn in Stuttgart schon die Narzissen blühten, dann lag auf dem Filderplateau noch Schnee und der kalte Wind pfiff durch die laublosen Streuobstwiesen und über die kahlen Krautfelder“, schreibt Klaiber.

Sein neues Buch bezeichnet er als eine Liebeserklärung an die Fünfziger Jahre. 1946 geboren, waren die Jahre zwischen 1953 und 1961 die Zeit seiner Kindheit. Der Autor spricht von einer schönen Zeit. „Es waren ungetrübte Kinderjahre in einem ländlichen Paradies. Im Juni zogen die beladenen Heuwagen, die von Pferden und Kühen gezogen wurden, wie Perlschnüre am Haus vorbei.“ Und wenn die Gäule „äppelten“, dann stürzten sich Erwachsene und Kinder mit Eimern bewaffnet auf den Pferdemist, der als das beste Düngemittel galt. Drei Geschwister hat Klaiber.

Leben in den 1950er-Jahren: Sauerkraut als Hauptspeise

In den Fünfziger Jahren war durchaus noch nicht überall der Wohlstand ausgebrochen. Sparen hieß das Gebot der Stunde – auch im Hause Klaiber. Er nennt ein Beispiel: Wer auf den Fildern wohnte, dessen Hauptspeise war meist Sauerkraut. „Mit einem geliehenen Krauthobel wurden die Köpfe fein geraspelt, das gehobelte Kraut wurde in ein Krautfass eingebracht, mit einem Krautstampfer verdichtet und anschließend mit feinem Speisesalz abgedeckt, Schicht für Schicht.“ Klaiber sagt, wenn man heute Sauerkraut koche, „so ist das Kraut allenfalls zur Beilage degradiert.“ Die Hauptrollen spielen heute das gegarte Rauchfleisch, das Siedfleisch, die Leber- und Griebenwurst. Manchmal habe das Kraut gar keinen Platz mehr auf dem Teller. Früher bestand ein Sauerkraut-Menü nur aus diesem Gemüse und dazu gab es Spätzle. „Fleisch gab es einmal in der Woche, nur am Sonntag.“

So erzählt Klaiber in seinem Buch die Geschichten und Erlebnisse seiner Kindheit, reiht mit treffsicherem Humor Episoden aneinander und berichtet welches Ereignis es war, das Meer zum ersten Mal zu sehen. 1958 fand die erste Weltausstellung nach dem Krieg in Brüssel statt. Für Vater Klaiber samt Familie ein Muss, sich das auch heute noch berühmte Wahrzeichen der Expo – das Atomium – anzuschauen. Aber nur von außen, es innen zu besichtigen war im Familienbudget nicht vorgesehen. Und das Übernachten in Hotels auch nicht. Die Familie zeltete. In Erinnerung geblieben sind Klaiber die vielen Pavillons, vor allem der russische. Dort war in Originalgröße der Sputnik zu sehen, der am 4. Oktober 1957 in 577 Kilometer Höhe die Erde umrundet hatte.

Festessen: Zum ersten Mal gab es eine Vorspeise

Der Autor erzählt auch die Geschichte eines Festessens, „wo wir mit dem Begriff Vorspeise konfrontiert wurden.“ Dass dann noch mehr auf die Teller kam, rief bei den Klaiber-Kindern Erstaunen hervor. „Aber der höchste Genuss war: Wir durften Sinalco trinken“, so Klaiber. Eine Limonade, die es heute noch in verschiedenen Variationen gibt.

Aber wie kommt ein Zahnarzt eigentlich zum Schreiben? „Ganz einfach, ich habe meinen Enkeln Gute-Nachtgeschichten erzählt und angefangen sie aufzuschreiben.“ So entstand das erste Buch „Quak – die abenteuerliche Geschichte eines Starenmädchens.“ Nach einer Weile gab es die Fortsetzung „Quak in Afrika.“ Aber jetzt hat Klaiber das Thema gewechselt. Er erinnert sich gern „an die gute alte Zeit“, in der es noch nicht alles im Überfluss gab und doch alle glücklich waren. Wenn er sich daran machte, ein Buch zu schreiben, war seine vor Kurzem gestorbene Frau Irmgard Klaiber-Bünnigmann die Erste, die die Geschichte lesen durfte. „Das Lektorat haben Brigitte und Peter Kelichhaus übernommen“, sagt Klaiber. Geschrieben hat er das Buch für seine Enkel, aber auch andere Leser werden vieles darin finden, was sie vermutlich an die eigene Kindheit erinnert.

Info: Das Buch kostet 13,70 Euro. Der Buchhändler wird es beim Verlag BoD – Books on Demand bestellen.

Kürzlich spekulierte man in Vöhringen bereits über die nächste Bürgermeisterwahl: Wer könnte in Karl Jansons Fußstapfen treten?

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