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Islam

07.07.2015

Beim Fasten gilt: „Geben ist seliger als nehmen“

Fastenbrechen im Krumbacher Stadtpark: Imam Zekeriyya Karagöz (im Vordergrund) betreut die Krumbacher DITIB-Gemeinde seit etwa einem Jahr. Zuvor war er für Dingolfing zuständig.
Bild: Marc Hettich

Ramadan-Fastenbrechen im Krumbacher Stadtpark. Am Wochenende wurde das Fest öffentlich gefeiert

Mit tiefer Ehrfurcht in der Stimme rezitiert Imam Zekeriyya Karagöz aus dem Koran und hebt dabei die Gemeinsamkeiten von muslimischem und christlichem Glauben hervor. Die Krumbacher DITIB-Gemeinde (eine türkisch-islamische Religionsgemeinschaft sunnitischer Prägung) hat am Wochenende Muslime und Nicht-Muslime zum abendlichen Fastenbrechen in den Krumbacher Stadtpark geladen.

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Die Erkenntnis, dass Geben seliger ist als Nehmen, ist ein zentrales Element des Ramadan. Man fastet nicht nur körperlich, sondern auch spirituell. Während seiner Ansprache erzählt Aykan Inan (1. Vorstand DITIB Südbayern), dass die lange Anreise aus München ihn aufgrund seiner inneren und äußeren Reinigung kaum belastet habe. Durch eigene Entbehrung versetze man sich in die Lage eines Hungernden. „Während wir nach Sonnenuntergang essen dürfen, müssen andere dauerhaft hungern“, erläutert Çapan Dede Atug. Diese Selbst-Sensibilisierung für die Nöte anderer Menschen stärke das Mitgefühl und mache die Almosen-Pflicht zur Selbstverständlichkeit. Auch für Atug. Viele Krumbacher kennen ihn als Inhaber eines Imbiss- und Feinkost-Ladens in einem großen Supermarkt: „Es ist schwer, wenn man täglich Döner und eingelegte Oliven verkauft – aber selbst nichts essen darf“. Trotzdem bleibt er konsequent.

Auch Serap Kilicaslan hält sich an die Vorgaben. Wem und was man spendet, bleibt jedem selbst überlassen. „Ich gebe Studenten aus meinem Umfeld Geld, um ihnen den Studienalltag zu erleichtern“, erklärt die zweifache Mutter. DITIB-Schriftführer Sukut Yavuz achtet ebenfalls auf die Einhaltung der Regeln. Der 41-Jährige bezeichnet sich selbst schmunzelnd als „bayrisch-türkischer Schwob“.

Beim Fasten gilt: „Geben ist seliger als nehmen“

Ein Mann mit hohem Filzhut und bestickter Weste marschiert in den geräumigen Pavillon, der im Stadtpark aufgebaut ist, und schlägt dabei rhythmisch auf eine große Trommel. Nazim Göze ist nicht nur Leiter der Thannhauser Moschee, sondern auch Ramadan-Trommler. In der Fastenzeit dürfen Muslime nur vor Sonnenauf- und nach Sonnenuntergang essen und trinken. Die Gläubigen rechtzeitig zu wecken, ist Aufgabe des Trommlers. Auch im Stadtpark schlägt er an diesem Abend sein Instrument und bittet in Reimform um Applaus als Lohn.

Selcuk Karakus ist Mitorganisator und Kulturmittler des Landkreises Günzburg. Sein Anliegen: eine Brücke zwischen den Kulturen bauen. Entsprechend groß ist die Freude über die zahlreichen deutschen Besucher. „Vielfalt ist Reichtum“, kommentiert Karakus. „Die Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis funktioniert“. Der Günzburger Integrationsbeauftragte Meinrad Gackowski sprach einen arabischen Segenswunsch.

Kreistagsabgeordneter Kurt Schweizer (Bündnis 90/Grüne) war zum ersten Mal da und freute sich über die ehrliche Gastfreundschaft und die dargebotenen Köstlichkeiten: „Die Türken können feiern“, sagte er. Im Ramadan verschließt Allah die Pforten der Hölle. Die Tore zum Paradies seien weit geöffnet. Ein guter Grund zum Feiern.

Krumbachs Integrationsbeauftragter Achim Fissl hat in seiner Rede eine wichtige Erkenntnis geäußert: „Wir sollten weniger übereinander, aber mehr miteinander reden“. Und miteinander essen, was gemeinsam getan wurde. (het)

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