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03.07.2010

Bürgermeisterlich vereint

Dieses typische schwäbische Bauernhaus bewohnt Waltenhausens Bürgermeister Karl Weiß. Foto: Hans Bosch
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Dieses typische schwäbische Bauernhaus bewohnt Waltenhausens Bürgermeister Karl Weiß. Foto: Hans Bosch
Bild: Hans Bosch

Deisenhausen/Waltenhausen Dass man sich engagieren muss für eine starke Gemeinschaft, lernten sie schon in jungen Jahren. Schließlich war bereits der Vater von Karl und Norbert Weiß Bürgermeister in Hairenbuch. Dass man auch Opfer bringen muss, lernten die Brüder ebenfalls in der Familie.

Als die älteste Schwester Maria, heiratete, hieß es für Karl und Norbert Abschied nehmen von der, Ende der sechziger Jahre unbedingt notwendigen, üppigen Haarpracht. "Der Vater schickte uns zum Haare schneiden", erzählt Karl Weiß, "da gab es kein Pardon." Weil aber der Friseur, wohl aus Mitgefühl, gar zu zurückhaltend Hand angelegt hatte, schickte Vater Weiß seine Jungs ein zweites Mal los. Diesmal war das Ergebnis radikal genug. Karl und Norbert durften mit aufs Hochzeitsfoto.

"Als Bürgermeisterkind stand man auf dem Land natürlich immer im Zentrum der Aufmerksamkeit", erinnert sich Deisenhausens Bürgermeister Norbert Weiß. "Das war später bei meinen eigenen Kindern nicht anders." Abgeschreckt hat das jedoch weder Karl noch Norbert. Im Gegenteil. "Der Vater war uns immer ein Ansporn", sagt Karl Weiß, der 1978, nach der Gebietsreform, der einzige Hairenbucher im Waltenhauser Gemeinderat war.

Und auch Norbert Weiß gab bereits 1984, mit 26 Jahren, sein Debüt als Kommunalpolitiker im Gemeinderat von Deisenhausen. Dort hatte er sich mit seinem Pflasterbaubetrieb niedergelassen als Bruder Karl den Hof in Hairenbuch übernahm. "Da gab es früher nicht viele Diskussionen", stimmen beide überein, "der Älteste musste den Bauer machen, die Nachfolgenden was Gescheites lernen und die Mädchen haben geheiratet."

Bürgermeisterlich vereint

Zwölf Jahre saß Norbert Weiß in Deisenhausen im Gemeinderat, bevor er 1996 das Bürgermeisteramt übernahm. Amtsmüde ist er in der ganzen Zeit nicht einen Tag gewesen. "Es ist schön", resümiert er, "wenn man etwas bewegen kann. In einem Jahr sieht man noch nichts, auch nicht in einer Periode. Da braucht's einen langen Atem." Den hat er wohl und kann so stolz sein auf das Gollmitzerhaus, dem heutigen Rathaus, auf die gelungene Dorferneuerung und auf die alte Schule, die inzwischen als Vereinsheim und Dorfladen dient. "Man darf aber auch nicht die Alltäglichkeiten vergessen", ergänzt Bruder Karl, "Straßenbelag, Beleuchtung, Rasenmähen, der Wasserdruck, die Friedhofsordnung oder Baugenehmigungen. Man muss für alles offen sein und sich gleichzeitig ein dickes Fell zulegen, denn wenn der Landrat weit weg ist, schimpfen d'Leut halt den Bürgermeister." In dem Liegestuhl, den er zum 50sten Geburtstag von der Feuerwehr bekam, ist er "noch kein einziges Mal gelegen". Immer wenn man denkt, heut' kommt nichts mehr, bimmelt das Telefon und dann muss man doch wieder ran."

Genau wissen, was man will, müsse man, da sind sich die Brüder einig, "sonst hört man auf die größten Schreier und verliert seine Ziele aus den Augen". Dabei gäbe es so viel, was eine Gemeinde, auch in Zeiten knapper Kassen erreichen könne, wenn man nur gemeinschaftlich arbeitete. Der Jugendtreff in Waltenhausen zum Beispiel, der Kinderspielplatz und das Feuerwehrhaus. "Das ist alles mit einer großen Bürgerbeteiligung entstanden", erzählt Karl Weiß, "und natürlich ist man dann als Bürgermeister ebenfalls mit von der Partie." Dass diese Aktivitäten sich bis auf das Wochenende oder den Feierabend erstrecken, versteht sich von selbst. In der Früh schaut der eine nach der Landwirtschaft und der andere nach seinem Betrieb.

Ab dem frühen Vormittag findet man beide in ihrer jeweiligen Gemeindekanzlei und nachmittags "muss man eben sehen, was gerade dringlicher ist". Viel Zeit für die Familie bleibt da nicht. Die Ehefrauen könnten ein Lied davon singen. Tun sie aber nicht. Auch sie engagieren sich, jede auf ihre Weise, für eine starke Gemeinschaft.

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