Edelstetten

10.07.2017

Die Mundart lebt!

Marisa Wolff aus Ichenhausen gewann beim Robert-Naegele-Wettbewerb den mit 100 Euro dotierten Capito-Sonderpreis „Layout“.
Bild: Alexander Kaya

Beim Festakt zum Robert-Naegele-Preis lesen Nachwuchsautoren ihre Texte auf Schwäbisch vor.

Immer weniger Menschen in Deutschland sprechen Mundart, die sprachliche Vielfalt ist in Gefahr – davor warnen Sprachwissenschaftler inzwischen. Auch Professor Klaus Wolf von der Universität Augsburg sieht die Mundart auf dem Rückzug.

Umso mehr freute er sich, lebendige Mundart von jungen Menschen, noch dazu im Herzen Schwabens hören und erleben zu dürfen. Im Chinesischen Saal auf Schloss Edelstetten fand die Verleihung des Robert-Naegele-Preises statt. Zu diesem Wettbewerb für Nachwuchs-Mundart-Autoren hatten der Verein „Literaturschloss Edelstetten“ und die Kinderseite „Capito“ unserer Zeitung im Namen von Robert Naegele aufgerufen. Der bekannte schwäbische Schauspieler und Autor hatte verfügt, dass ein Teil seines Erbes zur Mundartförderung verwendet werden soll. Darum kümmert sich nun aktiv der Verein, in dem Professor Klaus Wolf Vorsitzender ist. „Innerhalb des Freistaates Bayern sollten die Schwaben meiner Meinung nach im Gegensatz zu den Altbayern etwa durchaus selbstbewusster ihre jeweilige Mundart nach außen stolz präsentieren“, sagte er.

Das haben 24 Kinder und Jugendliche nun getan, indem sie für den Wettbewerb Geschichten und Gedichte schrieben – allesamt in Mundart, allesamt kreativ und sehr lesenswert. Aus den niedergeschriebenen Wörtern ließen sich sehr gut die regionalen Besonderheiten des Schwäbischen und Altbayerischen heraushören, stellte die Jury fest, in der neben Mitgliedern des „Literaturschloss Edelstetten“ auch Redakteure unserer Zeitung vertreten waren. Dass sich so viele Kinder und Jugendliche an dem Wettbewerb beteiligten, an dem ja „nur“ Mundartsprachler teilnehmen konnten, wertete die Jury zudem als großen Erfolg. Um dieses Engagement der Nachwuchsautoren besonders zu würdigen, wurde eigens ein Festakt auf Schloss Edelstetten veranstaltet.

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An der Preisverleihung nahm auch Hausherrin Ursula Fürstin Esterházy teil und war beeindruckt von den Werken der Kinder und Jugendlichen, die zum Teil humorvoll, fantasievoll aber auch kritisch sind und zum Nachdenken über ernste Themen wie das Altwerden oder die Flüchtlingskrise anregen. Nach der Preisverleihung hielt der Augsburger Bistumshisoriker Thomas Groll noch den Vortrag „Von Gunkelmummen und Klagzipfeln“, in dem er das Leben der Bewohnerinnen des einstigen Damenstifts Edelstetten beleuchtete.

Eigentlich ging es „nur“ um Mundart-Texte, die Kinder und Jugendliche anlässlich des Robert-Naegele-Wettbewerbs schreiben sollten. Doch Marisa Wolff aus Ichenhausen reichte das nicht: Die Zehnjährige schrieb ein ganzes Büchlein über ihre Geschichte von „Hexe Anna“. Sie malte Bilder, gestaltete Kapitelseiten, zeichnete sogar ein Cover – das alles aus einem einfachen Schulheft. Das fand die Jury so herausragend, dass für Marisa ein Extra-Preis ausgelobt wurde: der mit 100 Euro dotierte Capito-Sonderpreis „Layout“. lea

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