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Krumbach

18.04.2019

Ein Krumbacher Amt und die ganze Dimension des Lebens

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Thomas Mayer, Leiter des Krumbacher Standesamtes, und seine Stellvertreterin Waltraud Rogg gaben im Gespräch mit den Mittelschwäbischen Nachrichten vielfältige Einblicke in die Tätigkeit eines Standesbeamten. Die Einführung der standesamtlichen Zivilehe geschah im Jahr 1876 in den Anfangsjahren des damaligen deutschen Kaiserreichs.
Bild: Peter Bauer

Thomas Mayer und Waltraud Rogg geben Einblicke in eine Tätigkeit, die auch ein Spiegelbild des rasanten gesellschaftlichen Wandels ist.

Eine „Punkerhochzeit?“ Es gab Zeiten, da hätte wohl kaum jemand die Stadt Krumbach mit einer „Punkerhochzeit“ in Verbindung gebracht. Und auch heute ist eine solche Hochzeit in Krumbach ein wohl eher seltenes Ereignis. „Aber auch das hatten wir hier schon“, erzählt Thomas Mayer, Leiter des Krumbacher Standesamtes, mit einem hintersinnigen Schmunzeln. Der viel zitierte gesellschaftliche Wandel wird auch in der täglichen Arbeit von Behörden und Verwaltungen an vielen Stellen greifbar. Aber vielleicht nirgends so plastisch wie in einem Standesamt. Geburt, Heirat, Tod – es sind gewissermaßen die Eckpfeiler des Lebens, die hier auf eine markante Weise sichtbar werden. Und wenn Thomas Mayer und seine Stellvertreterin Waltraud Rogg über ihre Arbeit Krumbacher Standesamt erzählen, dann ist das auch ein Blick auf die geradezu rasanten Veränderungen unseres täglichen Lebens.

Standesamtliche Trauung? Vor nicht allzu langer Zeit war das für die meisten Paare eine Art Pflichtübung. Das große Fest war in der Regel die kirchliche Trauung. Doch auch auf dem Land haben inzwischen viele Menschen den Kirchen den Rücken gekehrt. So wird die standesamtliche Trauung immer mehr zum Fest.

Im kleinen Krumbacher Sitzungssaal

Waltraud Rogg und Thomas Mayer berichten von großen Hochzeitsgesellschaften, das Brautpaar festlich gekleidet, manchmal gibt es auch noch einen regelrechten Konfettiregen. Bisweilen mussten dann schon Mitarbeiter des Krumbacher Bauhofs zu Reinigungsarbeiten anrücken. Die Heiratsgesellschaften erwarten in der Regel eine festliche Ansprache. Waltraud Rogg (50) und Thomas Mayer (57) stellen sich darauf ein und fragen die Heiratswilligen schon bei der ersten Anmeldung gezielt nach Hobbys und Ähnlichem. Die Ideen für die Ansprache reifen bei Waltraud Rogg, die in Naichen wohnt, oft bei einem Spaziergang oder einer Radtour. Und sie freut sich, wenn bei der rund zehnminütigen Ansprache dann viele Brautpaare positiv überrascht sind. Aber Mayer und Rogg betonen auch: Das Standesamt ist kein Partyservice. Offiziell geheiratet werden kann nur in gewidmeten Räumen. In Krumbach sind dies der kleine Sitzungssaal des Rathauses und der Sitzungssaal des historischen Rathauses in der Innenstadt – aber eben nicht im Stadtgarten oder gar im Freibad.

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Wenn Waltraud Rogg und Thomas Mayer über ihre Arbeit erzählen, dann blitzt immer wieder auch ihr großes Fachwissen in diesem Bereich durch. Standesbeamte gehören in der Regel dem gehobenen Dienst an (sie müssen dabei nicht offiziell Beamte sein). Belegt haben sie ein zweiwöchiges Seminar an einer Niederlassung der Bayerischen Verwaltungsschule mit Prüfung (Thomas Mayer, der in Attenhausen wohnt, im Jahr 1995, Waltraud Rogg 2001). Mayer ist seit 2014 der Leiter des Bereiches Standesamt.

Vor den beiden auf dem Tisch steht ein kleines Tintenfass mit der Aufschrift „Urkunden-Tinte“. Vielen sei nicht bewusst, was es heiße, in einem Standesamt ein Dokument zu unterschreiben, sagen sie. Einigen wird dies offenbar erst gewissermaßen im letzten Moment klar. So gibt es eben auch die Fälle, in denen einen Tag vor der geplanten Trauung im Standesamt das Telefon klingelt: „Die Hochzeit fällt flach“ oder „wir sind uns nicht einig“. Es gibt Brautpaare, die „cool und völlig unaufgeregt“ unterschreiben. Anderen hingegen zittern die Hände. Waltraud Rogg erzählt über eine Braut, die zunächst mit ihrem alten Namen unterschrieben hat.

Worte des Trostes in Todesfällen

Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ist in Deutschland seit 2017 möglich. Thomas Mayer und Waltraud Rogg erinnern sich an bislang einen Fall in Krumbach. Heiraten aber liegt generell wieder im Trend. Die jährliche Zahl der Hochzeiten, die in Krumbach schon bei 45 lag, ist wieder auf 70 gestiegen. Wenn das Stichwort Standesamt fällt, denken viele zunächst an Hochzeiten. Doch hier werden auch Geburts- und Sterbeurkunden ausgestellt. In Sterbefällen ist die einfühlsame Beratung im Standesamt für die Hinterbliebenen eine große Hilfe.

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