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29.05.2020

Gustav Landauer

Gustav Landauer wohnte 1917/18 in Krumbach.
Bild: Sammlung Lindenmayr

Nur kurz war er in Krumbach. Doch Krumbach wurde für den Schriftsteller und Revolutionär Gustav Landauer (1870 bis 1919) zu einem Wendepunkt. Eine Kurzdarstellung seines Lebens.

Herkunft:

Gustav Landauer wurde am 7. April 1870 in Karlsruhe als zweiter Sohn jüdischer, aber nicht religiöser Eltern geboren. Sein Vater war Schuhwarenhändler. Als Schriftsteller und Philosoph beschäftigte er sich beispielsweise auch mit der spätmittelalterlich-christlichen Mystik des Meisters Eckart, er gilt als bedeutender Shakespeare-Interpret und Übersetzer.

Studium:

Gustav Landauer

Nach dem Studium der Fächer Germanistik, Philosophie, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte lebte er lange in Berlin. Unter anderem durch seine journalistische Tätigkeit geriet er wiederholt in Konflikt mit der wilhelminischen Staatsmacht, er wurde mehrfach inhaftiert. 1903 heiratete er in zweiter Ehe die in Hürben aufgewachsene jüdische Lyrikerin und Übersetzerin Hedwig Lachmann (geboren 1865), mit der er 1917 nach Krumbach-Hürben zog. Hedwig Lachmann starb dort am 21. Februar 1918 an einer Lungenentzündung.

Revolution:

Landauer engagierte sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der deutschen Niederlage von Krumbach aus in der Folgezeit vehement für eine bayerische Rätedemokratie. Als Kulturbeauftragter des neuen Freistaats Bayern wollte er unter anderem die Prügelstrafe abschaffen. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Räterepublik wurde er am 2. Mai 1919 im Zuchthaus Stadelheim von Freikorps-Soldaten ermordet.

Gustav Landauer wohnte 1917/18 in Krumbach.
Bild: Sammlung Lindenmayr

Kinder und Enkel:

Aus der Ehe mit Hedwig Lachmann waren zwei Töchter hervorgegangen. Brigitte wanderte 1939 in die USA aus, wo sie 1985 starb. Brigittes Sohn Mike Nichols wurde zu einem bekannten Regisseur, er führte unter anderem Regie beim legendären Film „Die Reifeprüfung“ mit Dustin Hoffman (1967). Tochter Gudula überlebte den Holocaust in Berlin. Sie wanderte 1946 in die USA aus – und wurde nach ihrer Ankunft an einer Fußgängerampel überfahren. Julius Lachmann, der musikalisch begabte Bruder Hedwig Lachmanns, wurde 1942 von den Nazis in das vom Deutschen Reich besetzte Polen deportiert und ermordet. (pb)

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