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20.10.2010

Härter als James Bond

Auf den Nerv traf Christoph Scholder das Publikum bei der Lesung seines Thrillers "Oktoberfest" in der Schlossaula.

Krumbach Wie soll man einen 600-Seiten-Thriller in einer knappen Vorlesestunde dem Publikum zugänglich machen? Christoph Scholder griff bei der Autorenlesung im Schloss drei Szenen aus seinem "Oktoberfest"-Buch heraus: den Auftakt der "Wiesn", die erste Krisensitzung im Kanzleramt und den Einsatz der Eliteeinheit GSG 9.

Die Männer der GSG 9 nähern sich in der Kanalisation dem Oktoberfest. Dort droht eine russische Spezialeinheit, Giftgas in den Bierzelten freizusetzen, wenn ihre erpresserischen Forderungen nicht erfüllt werden. Als die GSG 9 eine Minen-Warnung erhält, ist es bereits zu spät. "Geschnetzeltes" lautet die sarkastisch gemeinte Vokabel, die unter Insidern auf den Begriff bringt, was diese Mine aus den Opfern macht.

Detailverliebt und absolut schonungslos ließ Christoph Scholder den Anführer der GSG 9 schildern, wie er die letzten Sekunden seines Lebens und des Lebens seiner Männer wahrnimmt. Ein Raunen ging durch die Schlossaula, als Scholder endete. So etwas dürfte noch keiner der Anwesenden im Rahmen einer Autorenlesung gehört haben. Und Scholder blickte vom Buch auf, blickte blinzelnd und etwas triumphierend in den Saal, schien es zu genießen, die Zuhörer derart geschockt zu haben und fragte lächelnd: "Noch'n Nachschlag?"

Thriller sind, wie er am Rande der Veranstaltung erzählte, seit jeher seine Leidenschaft. Jetzt hat er nach vier Jahren Recherche selbst einen geschrieben und damit einigen Staub aufgewirbelt. "Autor schürt Angst vor Anschlägen" titelte die Münchener Abendzeitung und machte sich zum Sprachrohr für den Zorn der Wiesnwirte und der Kommunalpolitiker vor Ort.

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Dieses Oktoberfest-Deseaster sei so angelegt, dass im Vergleich dazu "die Johannes-Apokalypse ein Sachbuch" sei, meinte der Kritiker einer großen deutschen Tageszeitung und nahm damit den Autor in Schutz. Wer, wenngleich brillant recherchiert, einen so aberwitzigen Fall erfinde, der sorge für gute Unterhaltung, nicht aber für ein reales Angstszenario.

Nervenkitzel ja, Polit-Provokation nein: Die Welt der Geheimagenten fasziniere ihn, sagte Scholder, einen realen politischen Hintergrund habe er bewusst vermieden. James Bond mag das Vorbild sein, nur eben "härter", wie Scholders Held am Ende des Buchs mit Bezug auf seinen Namen sagt.

Realität kam bei dieser Autorenlesung in ganz unerwartet ins Spiel. Jutta Sprenger begrüßte im Namen des veranstaltenden Kult-Vereins die Gäste in russischer Sprache, schließlich inszenierten russische Soldaten dieses "Oktoberfest". Und die Fachakademie für Sozialpädagogik stellte dem Vorleser ihr Skelett zur Seite. Dem ist wie im Thriller beim Anführer der Russen das Schultergelenk ausgekugelt. (hli)

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