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Landkreis Günzburg

28.02.2015

Hat er seine Enkelinnen gepflegt oder sexuell missbraucht?

Ein 60-Jähriger steht vor dem Memminger Landgericht, weil er seine Enkelinnen missbraucht haben soll.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Archiv)

Ein 60-Jähriger aus dem Landkreis bestreitet vor Gericht bislang die Vorwürfe. Jetzt droht den Kindern die Aussage.

„Sexueller Missbrauch von Kindern“, lautet die Anklage beim Memminger Landgericht gegen einen 60-jährigen Mann aus dem nördlichen Landkreis. Beim ersten Verhandlungstag wurde die Geschichte in betroffen machender, schockierender Art aufgerollt.

Der Angeklagte ist der Großvater von zwei Mädchen, geboren 2004 und 2007. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in mindestens 32 Fällen sexuelle Handlungen an den beiden vorgenommen zu haben. Die Eltern der Kinder hatten sich 2008 getrennt. Etwa zwei Mal monatlich brachte die Mutter die Mädchen zu ihrem Vater. Der nahm die Kinder wiederum immer mit zu seinen Eltern.

Das ältere Mädchen ist von Geburt an gesundheitlich stark beeinträchtigt und man muss bei ihr besonders gründlich auf die Hygiene achten. So muss sie unter anderem nach jedem Stuhlgang im Intimbereich ausführlich gewaschen werden. Das übernahmen bei den Besuchen die Oma und auch mal der Opa.

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Beim Baden ihrer Kinder zuhause fiel der Mutter im August 2013 auf, dass ihre Töchter Angst vor dem Waschritual äußerten. Auf Nachfrage erfuhr sie dann, dass „es beim Opa immer weh tut, wenn der einen wäscht“. Geistesgegenwärtig hielt die Mutter die Erzählungen ihrer Töchter mit dem Handy auf Video fest. Was dann folgte, war ein Kampf um die Wahrheit, mit der Familie, mit der Entscheidung, was zu tun ist. Auch der mittlerweile verstorbene Vater war schockiert, gab das Video seinen Eltern und Bekannten weiter. Ein Bekannter erstattete schließlich Anzeige.

Gelassen, oft teilnahmslos wirkte der 60-jährige Elektriker während der Verhandlung. Über seinen Verteidiger ließ er mitteilen, er habe die Kinder lediglich gewaschen, sexuelle Hintergründe gäbe es bei ihm nicht. Erst nachdem im Gerichtssaal die Filmaufnahmen mit den Aussagen der Kinder gezeigt wurden, wirkte der Angeklagte bedrückt. An der Glaubwürdigkeit der Aussage des Großvaters kratzte zudem die Erzählung einer Zeugin, einer Freundin der Mutter der Mädchen. Diese berichtete, dass der Angeklagte sie, als sie zwölf Jahre alt war, schon sexuell belästigt habe.

Das gesamte Geschehen hat das Leben der Mutter und der Mädchen negativ beeinflusst. „Meine Kinder haben Angst vor jeglichem Kontakt mit Männern. Selbst wenn sich im Bus einer neben sie setzt, flüchten sie zu mir“, erzählte die Mutter. Auch sie habe mit den Folgen der Tat zu kämpfen. „Ich finde mich selbst nicht mehr“, umschrieb sie ihre persönliche Situation.

Wenn der Angeklagte kein Geständnis ablegt, müssen die Kinder beim nächsten Verhandlungstag vor Gericht selbst aussagen. Die als Zeugin geladene Großmutter sagte, sie hoffe, dass das nicht nötig wird. Zur Aufklärung trug sie jedoch nichts bei. Sie gab vor, von nichts gewusst zu haben.

Parallel zum Prozess gegen den Großvater läuft noch ein Verfahren gegen den Stiefsohn einer Tagesmutter, bei der die beiden betroffenen Mädchen öfters waren. Auch der soll sich an ihnen sexuell vergriffen haben. Die Verhandlung gegen ihn steht noch an, die gegen den 60-Jährigen wird nächsten Mittwoch fortgesetzt.

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