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Krumbach

21.03.2020

Krumbach: Wenn der Biber zum „Ernstfall“ wird

Sie sehen possierlich aus, können aber mit ihren Bauten auch für ordentlich Ärger sorgen: Biber oder Castor Fiber.
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Sie sehen possierlich aus, können aber mit ihren Bauten auch für ordentlich Ärger sorgen: Biber oder Castor Fiber.
Bild: Patrick-Pleul/dpa

Plus Was Biberberater Daniel Sonntag über den Umgang mit dem Nager weiß und wie er situationsbezogen reagiert.

Der Castor Fiber wird bis zu 30 Kilogramm schwer, kann 20 Jahre alt werden und sorgt auch im Landkreis Günzburg für höchst kontroverse Ansichten. Der Biber – lateinisch Castor Fiber – Deutschlands größter Nager, steht unter Naturschutz, ist aber nicht überall willkommen, weil er ziemlich rigoros in die Natur eingreift - wie beispielsweise am Krumbächle. 

„Probleme gibt’s überall“, sagt Daniel Sonntag. Er ist einer von vier Biberberatern im Landkreis und kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Nager zum „Ernstfall“ wird.

Die äußeren Umstände beim Treffen mit Daniel Sonntag am Krumbächle und dem Schnalzgerweiher nahe des Seniorenheims am Südwestrand der Stadt sind alles andere als einladend. Nach intensivem Dauerregen hat der Bach einige Wiesen unter Wasser gesetzt. Ein ideales Revier für den Biber, der dort ziemlich aktiv zu Werke geht. Und solche Reviere stehen dem Nager im wasserreichen Landkreis an fast allen Bach- und Flussläufen zur Verfügung, weiß Sonntag. Biber-Schwerpunkte seien Günz, Kammel, Mindel, Zusam und weitere Kleingewässer.

Krumbach: Wenn der Biber zum „Ernstfall“ wird

Zurück zum Krumbächle: Dort „ist der Biber seit einigen Jahren besonders aktiv mit starkem Dammbau“, erzählt Sonntag. Die Dämme baut er, um Wasser anzustauen, damit der Zugang zu seiner Behausung geschützt unter Wasser liegt. Vor allem im Herbst und im Winter legt der Nager zahlreiche Bäume um und holt sich die Rinde als Nahrung während der kalten Jahreszeit. Das hat Folgen:

Durch die angelegten Dämme staut sich Wasser, es kommt zu „Vernässungsschäden“ und Überschwemmungen. Werden die Dämme jedoch weggespült, können sie an der nächsten Brücke zum Stau führen – und dann wird die Nachbarschaft im Bereich des Krumbächle überflutet. Landwirte aber auch Privatpersonen sind durch solche Auswirkungen nicht gerade gut auf den Nager zu sprechen. Insbesondere der Tunnelbau auf Feldern kann durchaus unangenehm werden, wenn schwere Traktoren oder Landmaschinen dort einbrechen und ramponiert werden.

Er ist Lehrer in Babenhausen

„Betroffene wenden sich ans Landratsamt“, sagt Sonntag, im Normalberuf Lehrer in Babenhausen, Landkreis Unterallgäu. Dann beginnt der Biberberater seinen Einsatz und sucht nach einer Lösung. Möglichst mit Präventivmaßnahmen, klar die beste Alternative.

Selbsthilfe von selbst ernannten Biberjägern ist jedenfalls eindeutig gesetzeswidrig, denn das Tier ist in Europa streng geschützt. Nur in Abstimmung mit dem Biberberater dürfen Abwehrmaßnahmen angewendet werden. Der Fachmann entscheidet dann im Zweifelsfall, ob der Nager an seinem Standort bleiben darf – oder vergrämt wird. Sinnvoll seien beispielsweise Baumgitter, Elektrozäune oder Stahlgitter an Schutzdämmen, die ein Durchgraben verhindern. Nur im äußersten Fall darf der Biber gefangen und umgesiedelt werden – und zwar ziemlich weit, nämlich bis nach Großbritannien, informiert Sonntag. Als fachliche Qualifikation für seinen Ehrenamtsjob besitzt der 43-Jährige einen Jagdschein. Das ist sicher angesagt, denn als allerletzte Möglichkeit kann ein Problembiber gefangen und getötet werden. Stattdessen den Weg der Selbstjustiz zu beschreiten, um den Nager loszuwerden ist dagegen kein Kavaliersdelikt, sondern höchst illegal.

Eine Biberburg wurde zerstört

Einen derartigen Fall kennt Biberberater Sonntag. Im südlichen Landkreis hatte ein Landwirt in Eigenregie eine Biberburg zerstört – er wurde strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Bei den täglichen Kontrollgängen an vom Nager bewohnten Plätzen wurde Sonntag schon „scharf angegangen“ von Personen, die für das geschützte Tier rein gar nichts übrig haben: „Du mit dem Drecksbiber“, musste sich Sonntag dann anhören. Dabei erhalten Landwirte, die durch den Biber beispielsweise Maschinenschäden zu beklagen haben, finanziellen Ausgleich. Solche Vorkommnisse melden die Biberberater ans Landratsamt, wo sie dokumentiert werden.

In der zweiten Amtsperiode

Sonntag übt den Ehrenamtsjob bereits in der zweiten Amtsperiode aus, die noch bis Ende Mai nächsten Jahres dauert. Dafür engagiert er sich zwischen acht und 20 Stunden pro Monat. Alle vier Berater im Kreis stehen im ständigen Austausch und treffen sich alljährlich mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Die Erkenntnis: Die Population im Kreis wächst weiter, denn der Biber hat kaum natürliche Feinde – höchstens Hund oder Wolf. Wesentlich höher ist die Todesrate im Straßenverkehr. Da der Nager gern von einem Revier zum nächsten wandert, kommen so bis zu 20 Tiere um, wie gerade erst im nördlichen Landkreis passiert.

Obwohl einiges Konfliktpotenzial zwischen Biber und Kulturlandschaft vorhanden sei, attestiert der Berater dem Tier „viele positive Eigenschaften“, was seine Berechtigung in Deutschland und im Landkreis durchaus bestätigt.

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