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Ziemetshausen

16.05.2015

Märcheninsel: Jedes Kind entscheidet selbst

Das Kinderhaus "Märcheninsel" in Ziemetshausen feiert am Sonntag mit einem Tag der offenen Tür sein 20-jähriges Bestehen. Unser Bild zeigt bei Bastelarbeiten im Atelier die Kindergartenleiterin Iris Wojatschek mit fleißigen Kindern.
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Das Kinderhaus "Märcheninsel" in Ziemetshausen feiert am Sonntag mit einem Tag der offenen Tür sein 20-jähriges Bestehen. Unser Bild zeigt bei Bastelarbeiten im Atelier die Kindergartenleiterin Iris Wojatschek mit fleißigen Kindern.
Bild: Carolin Mengele

Wie die Kinder im Ziemetshauser Kinderhaus selbstständiges Lernen lernen. 20-jähriges Bestehen wird gefeiert.

„Es war so schön, ich werde Kindergärtnerin“ – so ähnlich, erinnert sich Iris Wojatschek, habe sie sich als Vorschulkind an ihrem letzten Tag im Kindergarten Ziemetshausen von der Kindergartenleiterin Bärbel Meier verabschiedet. Einige Jahrzehnte später, 2007, ist sie zurückgekehrt, als Nachfolgerin von Tante Bärbel. Seit nunmehr acht Jahren liegt die Leitung des Kinderhauses Märcheninsel in ihren Händen. „Es ist ein Geschenk, sein Leben mit Kindern gestalten zu dürfen“, schwärmt sie. Für Iris Wojatschek und ihre Schützlinge steht an diesem Wochenende ein besonderes Ereignis an: Das Ziemetshauser Kinderhaus feiert am Sonntag ab 14 Uhr sein 20-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Außerdem werden die neuen Krippenräume gesegnet.

Rund 100 Kinder von eins bis acht Jahren besuchen die Krippe und den Kindergarten der Märcheninsel zurzeit. 21 Erzieher kümmern sich von 7 bis 16 Uhr um den Nachwuchs aus Ziemetshausen und den Ortsteilen. Iris Wojatschek ist selbst in Ziemetshausen aufgewachsen, im Vergleich zu früher hat sich in „ihrem“ Kindergarten jedoch einiges gewandelt. Nicht nur eine neue Unterkunft hat die Einrichtung gefunden, auch das Konzept ist ein anderes. Das Kinderhaus Märcheninsel ist seit vier Jahren ein teiloffener Kindergarten. „Heutzutage sollen vor allem neue Lernkompetenzen gefördert werden“, erklärt Wojatschek. In Projektarbeit und durch freies Lernen sollen die Kinder selbstbestimmt Wissen und Erfahrungen sammeln.

Die Kindergartenkinder der Märcheninsel sind zwar einer Stammgruppe zugeteilt, vormittags gibt es jedoch stets eine offene Zeit, in der sie für zwei Stunden in allen Räumen der Einrichtung spielen, malen oder musizieren können. „Wenn morgens alle Kinder angekommen sind, kommt jede Stammgruppe zusammen und es wird durchgezählt, gebetet oder gesungen“, berichtet Wojatschek. Anschließend frühstücken die Jungen und Mädchen in der Froschkönig-, Aschenputtel-, Sterntaler- und Schneewittchen-Gruppe noch gemeinsam. „Danach sind unsere Aktionsräume offen“, erklärt sie. Je nachdem, was die Kinder machen möchten, können sie selbstständig in eines der Zimmer gehen und sich dort alleine oder unter der Anleitung einer Erzieherin beschäftigen.

Die Jungen und Mädchen nehmen dieses Angebot gerne wahr. Sie wechseln von Raum zu Raum. Auf den Gängen des Kinderhauses ist es trotzdem ruhig. „Anfangs hatten viele Eltern Bedenken, dass hier bald Halligalli herrschen würde“, sagt Wojatschek. Für alle Kinder, die auch nachmittags in der Einrichtung bleiben, stehen verschiedene Aktionen an. „Jeden Mittwoch gibt es zum Beispiel Tennisunterricht“, erklärt Wojatschek.

In der Krippe ist der Tagesablauf ähnlich, jedoch liegt der Schwerpunkt hier auf dem Erlernen der Dinge des täglichen Lebens. Momentan besuchen 29 Kleinkinder von eins bis drei Jahren die Gruppen „Zwergennest“ und „Wichtelstube“. Auch zehn behinderte und entwicklungsverzögerte Kinder werden im Kinderhaus betreut.

Bevor der Kindergarten 1994 in die Räume neben dem ehemaligen Bahnhof zog, war er lange Zeit im Spitalgebäude, dem einstigen Altersheim, untergebracht. Im Laufe der Jahrzehnte gab es in Ziemetshausen jedoch immer mehr Kinder und der Platz im Spital reichte nicht mehr aus. 1993 begannen deshalb die Bauarbeiten für ein neues Kindergartengebäude, das die acht Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen mit ihren 77 Kindern im September 1994 beziehen konnten. Einen neuen Namen bekam der Kindergarten auch: Er wurde zur „Märcheninsel“.

Am Anfang gab es nur vier Zimmer und einen großen Raum im Obergeschoss. Heute verfügt das Kinderhaus über verschiedenste „Funktionsräume“, wie Wojatschek sagt. Vormittags, während der offenen Zeit, wird das Zimmer der Schneewittchen-Gruppe zum Bauzimmer und der Raum der Aschenputtel-Gruppe zum Atelier, in dem die Kindergartenkinder malen und basteln können. Anstatt einer Puppenecke ist ein ganzes Rollenspielzimmer vorhanden. In der Lernwerkstatt sollen sich vor allem die Vorschulkinder auf das Rechnen und Lesen in der Schule vorbereiten. „Nach Möglichkeit sollen sie sich dabei das Wissen selbst aneignen“, erläutert die Kindergartenleiterin. Daneben gibt es im Ziemetshauser Kindergarten noch eine kleine Turnhalle und ein Lese-/Spiele- und Musikzimmer. Trotz aller Freiheiten haben die Erzieherinnen stets ein Auge darauf, welches ihrer Schützlinge wann und wie lange in den verschiedenen Zimmern war. Kein Kind bleibe ohnehin die ganze Zeit über in der Turnhalle, erklärt Wojatschek. Wenn der Bewegungsdrang erst einmal weg sei, merke das Kind von ganz alleine, dass es nun die Konzentration habe, um zu malen oder ein Brettspiel zu spielen.

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