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Günzburg

11.02.2015

Nach dem Sohn war nun der Vater angeklagt

Ein 49-Jährger musste sich jetzt vor dem Günzburger Amtsgericht verantworten. Er soll Zeugen bedroht haben.
Bild: Bernhard Weizenegger

Weil er Zeugen bedroht haben soll, stand der 49-Jährige vor Gericht. Warum das Verfahren eingestellt wurde

Dieser Tag ist für den Vater bestimmt nicht leicht gewesen: Sein Sohn wurde festgenommen, weil er unter dringendem Verdacht stand, einen 36-Jährigen mit Faustschlägen und Fußtritten brutal misshandelt zu haben. Mittlerweile ist der Sohn verurteilt und sitzt im Gefängnis. Am Montag musste sich nun auch der Vater vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Er soll Zeugen bedroht haben.

Es ging um jenen Tag, an dem der 19-jährige Sohn festgenommen wurde. Da soll der Angeklagte in eine Ichenhauser Gaststätte gekommen sein und einem 57-Jährigen und seinem 22-jährigen Neffen gedroht haben: Wenn jemand gegen seinen Sohn aussage, dann werde Blut fließen, dann werde er alle umbringen. Und später: Wenn sein Sohn länger im Gefängnis bleiben müsse, dann werde es ein Blutbad geben. Diese Drohungen sprachen sich dann schnell in Ichenhausen herum, die Gerüchteküche kochte kurz nach der Tat sowieso – fast alle Beteiligten, Täter, das Opfer und Zeugen sind türkische Staatsbürger oder türkischstämmig.

Vor dem Günzburger Amtsgericht stritt der 49-jährige Angeklagte nun alle Vorwürfe ab: „Das ist ein Komplott gegen mich.“ Er sei zwar in der Gaststätte gewesen, aber er habe sich normal unterhalten. Bei den Zeugen habe er sich später entschuldigt – nicht wegen des Inhalts seiner Worte, sondern weil er laut geworden war, betonte er. Die Frage des Richters, ob er die in der Anklage genannten Drohungen ausgesprochen habe, beantwortete er mit einem klaren „Nein“ – noch bevor die Übersetzerin die Worte ausgesprochen hatte.

Auch die Zeugen konnten sich nicht mehr genau an die Vorfälle und Worte vor einem Jahr erinnern und widersprachen teilweise den Aussagen in den Polizeiprotokollen. Beide Zeugen betonten außerdem, sie hätten keinen Streit mit dem Angeklagten, die Sache sei erledigt. „Wir kennen uns ja schon ewig“, meinte der 57-Jährige. „Das hat er gesagt, weil er sauer war, weil jeder seinen Sohn beschuldigt hat.“ Laut Anklage war der Vater zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass sein Sohn unschuldig war.

Das erwies sich allerdings später als falsch: Der 19-Jährige wurde im Dezember vom Memminger Landgericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt, sein 20-jähriger Komplize bekam 20 Monate auf Bewährung. Richterin Brigitte Grenzstein hatte damals gesagt, die beiden hätten ihr Opfer „brutalst misshandelt“. Sie hatten im Februar 2014 einen 36-Jährigen nach einem Discobesuch in Ichenhausen auf dem Heimweg getroffen und sprachen den Betrunkenen an, der antwortete mit Beleidigungen. In einer dunklen Gasse abseits der Hauptstraße streckte der 19-Jährige den Kontrahenten mit zwei Faustschlägen nieder. Dann legte er seine Jacke ab, gab sie seinem Kumpel, nahm zwei Schritte Anlauf und trat dem am Boden liegenden Opfer mit Wucht ins Gesicht. Danach traten beide Männer weiter auf ihr Opfer ein, das noch heute unter den Verletzungen leidet.

Während des Verfahrens vor dem Landgericht war klar geworden, dass mehrere Zeugen von Familienmitgliedern und Freunden der Angeklagten beeinflusst und bedroht worden waren – das ist strafbar. Für den Vater nahm die Anklage nun aber ein glimpfliches Ende: Das Verfahren wurde gestern wegen Geringfügigkeit eingestellt. Der Handwerker und Vater dreier Kinder muss eine Geldauflage von 1000 Euro zahlen. Oberstaatsanwalt Markus Schroth hatte die Summe zuvor noch hochverhandelt, der Angeklagte erklärte sich nach einer kurzen Bedenkzeit damit einverstanden. Sein Verteidiger meinte dazu: „Sein Sohn ist im Knast, da ist er als Vater genug gestraft.“ Außerdem sei ja niemand zu Schaden gekommen.

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