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Günzburg

18.04.2015

Zwei Zähne und die Nase sind kaputt

Das Amtsgericht in Günzburg hatte wieder keinen einfachen Fall zu verhandeln.
Bild: Bernhard Weizenegger

Es gibt widersprüchliche Aussagen über eine Schlägerei beim Stadtfest in Ichenhausen. Deshalb muss das Günzburger Gericht nun weitere Zeugen hören.

So viel stand schon mal fest: „Einen Freispruch wird´s nicht geben“, sagte Richterin Franziska Braun, und ob das Verfahren, wie von Rechtsanwalt Reinhard Dauer vorgeschlagen, eingestellt wird, ist auch noch offen. Die Hauptverhandlung gegen den 56-jährigen Angeklagten, der beim Ichenhauser Stadtfest einen Gast mit einem Faustschlag ins Gesicht blutig geschlagen haben soll, wird Ende April mit der Anhörung weiterer Zeugen fortgesetzt.

Man war schon lange auf dem Stadtfest gesessen und hatte gefeiert, als am frühen Sonntagmorgen die Dinge am Stand eines Ichenhauser Vereins einen unerfreulichen Lauf nahmen. Zum Schluss hatte jedenfalls ein 33-Jähriger zwei Schneidezähne eingebüßt und eine blutige Nase mit geplatzten Innenwänden.

Der Angeklagte soll, so trug es die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beim Günzburger Amtsgericht vor, dem Mann einen gezielten Faustschlag versetzt haben. An der Strafverfolgung bestehe besonderes öffentliches Interesse. Den Strafbefehl mit 90 Tagessätzen à 30 Euro hatte der 56-Jährige nicht akzeptiert, denn er fühlt sich „absolut unschuldig“. Das versicherte er mehrfach vor Gericht.

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Der Geschädigte habe provoziert, sei stark alkoholisiert gewesen, er habe gepöbelt und fremdenfeindliche Bemerkungen über die Asylbewerber gemacht, die ebenfalls beim Stadtfest waren. Er habe jedenfalls den Mann davon abhalten wollen, in die Unterkunft der Asylbewerber einzudringen, sagte der Angeklagte.

Die Asylbewerber hätten „panische Angst gehabt“, sagte ein Großcousin des Angeklagten als Zeuge. Er soll zusammen mit dem Angeklagten versucht haben, den 33-Jährigen am Betreten der Asylbewerberunterkunft zu hindern. Dabei sei es, so berichtete der Angeklagte, hin und her gegangen, der 33-Jährige habe wild gestikuliert und innerhalb weniger Sekunden sei er verletzt gewesen. „Ein gezielter Schlag war es nicht“, sagte der Angeklagte dazu, „aber ich hab ihn getroffen“.

Faustschlag auf dem Weg zum Taxi

Diese Version bestätigte im Wesentlichen der Großcousin des Angeklagten, die anderen vier Zeugen hatten eine andere Erinnerung an den Vorfall. Die Asylbewerber seien ungebeten an den Tisch gekommen, berichtete der 33-Jährige, er habe sie schließlich aufgefordert, heimzugehen, in ihren „Hennaschlag“ (Hühnerstall).

Weil die verbale Aufforderung aber nichts brachte, soll ein anderer Gast, ein 24-jähriger Straßenbauer, einen der Asylbewerber an den Schultern gefasst, von der Bank hochgezogen und Richtung Unterkunft geschoben haben. Dann seien, sagte dessen Ehefrau, zwei Männer vom Verein gekommen und hätten die Gäste als „asoziales Pack“ beschimpft.

Daraufhin habe er mit seiner Frau und dem befreundeten Paar das Fest verlassen wollen, sagte der Geschädigte. Auf dem Weg zum Taxi habe er einen Faustschlag abbekommen, „mit voller Wucht“. Das bestätigte auch die Ehefrau des Geschädigten. Sie habe aber nicht gesehen, welcher der beiden Vereinsmänner zugeschlagen hat, alles sei ganz schnell gegangen.

Auch Alkohol war im Spiel. Fünf Radler à 0,33 Liter hatte der Angeklagte nach eigenen Angaben getrunken, zwischen zwei Radler und „ein paar Bier und gegen Schluss ein paar Schnäpse“ hatten die Zeugen konsumiert. Klarheit über die Geschehnisse am frühen Sonntagmorgen des Ichenhauser Stadtfests 2014 sollen weitere Zeugen bringen, wenn am Mittwoch, 29. April, 11.30 Uhr, die Hauptverhandlung am Günzburger Amtsgericht fortgesetzt wird. Richterin Braun will dazu als Zeugen die Polizei laden, die Ehefrau des Großcousins und einen weiteren Festbesucher.

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