Jubiläum

06.11.2013

Neuburger Fußballgeschichte

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Der 23-jährige Xaver Fendt (gestorben 1960) war im Jahr 1923 Initiator bei der Gründung eines Fußballvereins in Neuburg.
Bild: Sammlung Dieter Jehle

50 Jahre altes Redemanuskript von Hans Weilbach erlaubt Blick in die Gründungszeit des SV

Neuburg Der Sportverein Neuburg feiert heuer sein 90-jähriges Vereinsjubiläum. Es ist schwierig, die Anfangsjahre des traditionsreichen Vereins zu rekonstruieren. Wichtige Unterlagen, wie Protokollbücher, Kassenlisten oder Spieleraufzeichnungen gingen während des Zweiten Weltkrieges verloren. Der Zufall brachte kürzlich ein bedeutendes Schriftstück ans Tageslicht: Die Festrede anlässlich des 40-jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1963, gehalten von Gründungsmitglied Hans Weilbach.

Das Schriftstück hat vier Seiten und ist leicht vergilbt. An ihm haftet ein leichter Modergeruch. Die Rede wurde auf einer mechanischen Schreibmaschine getippt. Der Text ist fortlaufend ohne größeren Zeilenabstand geschrieben. Handschriftlich ist auf der ersten Seite oben rechts „40 Jahre Sportverein“ vermerkt. Diese Handschrift ist Hans Weilbach zuzuordnen.

1963 war der Neuburger Hausarzt Dr. Robert Blume Vorsitzender des Sportvereins. Auf seine Bitte hin hielt Weilbach die Festrede, der die Anfangsjahre miterlebt hatte. Weilbach war im Gründungsjahr 18 Jahre alt. Er sprach bei der Festversammlung von vielen Krisen, tollen Erfolgen, aber auch von einer schwierigen Anfangszeit. Und er beschrieb eine Zeit, die heute nicht mehr vorstellbar ist: „Sportkleidung war nicht vorhanden. Geld natürlich auch nicht, denn dieses war nicht so flüssig wie heute. Gespielt wurde mit Unterhosen und Unterhemden sowie mit gewöhnlichen Schuhen, die zum Teil genagelt waren. Später färbten wir sogar unsere Hemden. Das war schon ein Fortschritt. Nach geraumer Zeit kaufte sich jeder Spieler seine Sportkleidung: Schuhe, Trikots, Hosen und Stutzen.“

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Die Sportplatzfrage bezeichnete Weilbach als eine der schwierigsten in Neuburg. „An der Krumbacher Straße lag eine verwilderte Kiesgrube mit tiefen Furchen und Löchern, mit Brennnesseln und Gestrüpp. (...) An den Abenden und freien Tagen wurde dort geschuftet mit Pickel, Schaufel und Handkarren, denn Maschinen, wie sie heute zur Verfügung stehen, waren nicht vorhanden und vor allem nicht das nötige Kleingeld.“ Eindrucksvoll schilderte Weilbach auch die Beförderung der Spieler zu den Auswärtsspielen: „Das einzige Benzinauto, das uns dortmals zur Verfügung stand, war das Brezenauto von Hugo Konrad, der dortmals eine Bäckerei umtrieb. Also unter der Woche Brezen und Semmeln, an den Sonntagen die Fußballer. Zur Not gingen gerade elf Spieler in den Kasten hinein, wenn gut gedrückt wurde. Bergab lief er am besten, dagegen bergauf musste meistens ausgestiegen und geschoben werden. Dass es da manchmal Verspätung gab, ist doch klar, aber es wurde alles überwunden in guter Kameradschaft.“

Initiator der Vereinsgründung im Jahre 1923 war Xaver Fendt. „Es war ein harter Anfang und wir mussten uns schwer auf unsere eigenen Füße stellen“, so Weilbach. In der Tat, es gab in Neuburg damals bereits einen katholischen Burschenverein mit einer Fußballabteilung. Diese kickten auf einem Grundstück beim Schloss. Unter der Regie des damaligen Pfarrers Max Pfau wurde zunächst die Gründung eines selbstständigen Fußballklubs vehement abgelehnt. Weilbach sprach von einem sportlichen „Zweiparteiensystem“ in Neuburg. Erst Jahre später waren die Wunden der Anfangsjahre geheilt. Pfarrer Peter Herburger führte die Lager wieder zusammen.

Zur Linderung der Geldnot wurde in den Anfangsjahren ein Stopselklub gegründet. Heute würde man von einem Förderverein sprechen. Weilbach: „Es waren so kleine Stehaufmanderl, die jedes Mitglied, ob bei Tag oder Nacht, bei sich tragen musste. Bei der Begegnung, wo immer es war, wurde gegenseitig kontrolliert, mit dem Anruf ,Stopsel raus’. Bei Fehlen des Männleins wurde eine Geldstrafe auferlegt und dieser Betrag floss in die Vereinskasse.“

Die Weichen in der jüngeren Zeit für die erfolgreiche Entwicklung des Sportvereins stellte Heinrich „Zeno“ Hörmann. Er ist seit 34 Jahren Vorsitzender des Vereins. Unter seiner Regie wuchsen die „Schwarzgelben“ zu einem erfolgreichen Sportunternehmen mit den Schwerpunktabteilungen Fußball und Gymnastik. Hörmann brachte die erforderliche Kontinuität in den Verein. Er setzte mit dem Bau der Sportanlage in der Ellerbachstraße in den 90er- Jahren den größten Meilenstein in der Vereinsgeschichte.

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