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Literatur
27.09.2018

Der Anti-Sarrazin

Tausend Jahre älter als Shakespeare und eine Inspiration für Kleeberg ist das hier dargestellte arabische Liebesepos um „Leila und Madschnun“. <b>Foto: Picture Alliance</b>
Foto: Picture Alliance

Kampf der Kulturen? Michael Kleeberg beleuchtet in „Der Idiot des 21. Jahrhunderts“ das Verhältnis zwischen Orient und Okzident und findet dabei viel mehr als Flucht und Terror

Die einfache, eindeutige und betont aktuelle Antwort steht nun bereits seit drei Wochen auf Platz eins der deutschen Sachbuch-Bestseller-Listen. Sie lautet, unterlegt mit reichlich Statistik: Der Islam ist der Feind von Fortschritt und liberaler Demokratie. Als stecken wir tatsächlich im von Samuel Huntington prophezeiten „Kampf der Kulturen“, als lieferte der Finanzmann Thilo Sarrazin mit „Feindliche Übernahme“ die Aktualisierung von Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“, exakt 100 Jahre danach. Die vielschichtigere, mehrdeutige und unweigerlich geschichtsbewusste Antwort stammt von einem Poeten und ist wohl einer der verwegensten und stärksten deutschen Romane dieses Jahres.

Der bereits reich dekorierte Michael Kleeberg nennt sein Buch „Der Idiot des 21. Jahrhunderts“ nicht Roman, sondern „Ein Divan“ und rekurriert damit freilich auf Goethes 200 Jahre alten „West-östlicher Divan“. Der Titel wiederum ist eine Anlehnung an Dostojewskis von 150 Jahren geschriebenen Roman „Der Idiot“, der dann auch im vorangestellten Zitat befragt wird: „Ist es wahr Fürst, dass Sie einmal gesagt haben, die Welt werde durch Schönheit gerettet?“ So etwas würde angesichts all der großen Probleme doch eben nur ein Idiot sagen, oder? Bloß ist der bei Dostojewski ja auch schon eine Jesus-Figur. Und auch bei Kleeberg schließlich ist eine Hauptfigur ein solcher heiliger Narr und zugleich der männliche Part in einer kulturübergreifenden Liebesgeschichte, die wiederum dem uralten orientalischen Drama „Leila und Madschnun“ nachempfunden ist… Einen solchen zugleich poetischen und politisch aufklärerischen Tauchgang in das Verhältnis zwischen Morgen- und Abendland hat zuletzt der Franzose Mathias Énard mit seinem international gefeierten Roman „Kompass“ gewagt.

Kleeberg legt sein Buch in zwölf Kapiteln an, in denen zentral ein multikultureller Freundeskreis im hessischen Mühlheim steht, der sich zu einem Fest versammelt. Hier wird nicht nur das Liebesdrama von Hermann und der Iranerin Mayram entfaltet, von hier geht es auch in den Libanon und nach Syrien, durch die Ähnlichkeiten und direkten Verwandtschaften der Religions- und Philosophiegeschichte. Aber Kleeberg, eben kein messianischer Idiot, nimmt sich auch die mitunter verwegene Freiheit, den Weg eines jungen Mannes in den Terror aufzuzeigen, auch durch die Instrumentalisierung des Koran, so radikal politisch gelesen wie von Thilo Sarrazin. Und Kleeberg nimmt sich sogar heraus, einen deutschen Armutsflüchtling des 19. Jahrhunderts mit einem heute nach Deutschland Fliehenden ins Gespräch zu bringen.

Dass sich aus all dem kein einfacher Befund ergibt, sondern ein Wechselbad zwischen Nähe und Fremdheit, Verständnis und Misstrauen, Hoffnung und Wut, Liebe und Verzweiflung; und dass Kleeberg auch gar nicht versucht, daraus die eine Botschaft zu formen, außer der, dass wir mit der Vielschichtigkeit dieses Verhältnisses verantwortungsvoll umgehen müssen – eben das macht ihn zu einem Anti-Sarrazin. Manchmal ist gerade die Poesie offener für die Wirklichkeit.

Michael Kleeberg: Der Idiot des 21. Jahrhunderts. Galiani. 464 S., 24 ¤

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