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Netflix-Kritik

22.12.2020

„Midnight Sky“: George Clooney sucht eine neue Bleibe für die Menschheit

Fast nicht zu erkennen: George Clooney als Sternenforscher in seinem Netflix-Film „Midnight Sky“.
Bild: Philippe Antonello/Netflix, dpa

Etwas Unerklärliches rafft die Menschheit in der Netflix-Produktion "Midnight Sky" dahin. Die letzte Chance ruht auf Astronauten, die vom Jupiter zurückkommen.

Grauer Vollbart. Tiefe Ringe unter den Augen. Leerer Blick. Keine Frage, so alt hat George Clooney noch nie ausgesehen. In seiner neuen Regiearbeit spielt er selbst den Sternenforscher Augustine Lofthouse, der sein Leben damit verbracht hat, den Himmel nach einem bewohnbaren Planeten abzusuchen, und das eigene irdische Dasein vernachlässigt hat. Allein hockt er in der Kantine einer verlassenen Forschungsstation jenseits des nördlichen Polarkreises und stochert in einem Fertiggericht herum. Der Mann hat Krebs und weiß, dass er trotz Medikamenten und einer allabendlichen Dialyse nicht mehr lange zu leben hat. Augustine schaut aber nicht nur dem eigenen, sondern auch dem Ende der Welt entgegen.

Ein nicht näher spezifiziertes „Ereignis“ rafft im Jahre 2049 die Menschheit dahin. „Hier ist es so gut wie überall“, sagt er zu einem Kollegen, als die Station evakuiert wird und alle außer ihm im Angesicht des herannahenden Untergangs zu einem Zuhause zurückkehren, das er nicht hat. Der sterbenskranke Forscher bleibt und durchforstet weiter den Himmel. Denn er weiß, irgendwo dort draußen im Sonnensystem ist noch ein Forschungsteam in einem Raumschiff unterwegs zurück von jenem Jupitermond, der eine neue Herberge für die Menschheit sein könnte.

Netflix-Film "Midnight Sky" basiert auf einem Roman

Die „Aether“ hat den Funkkontakt zur NASA verloren und die Besatzung ahnt nicht, dass eine Rückkehr zur Erde unmöglich ist. In seiner siebten Regiearbeit „Midnight Sky“ entwirft George Clooney nach dem Roman von Lily Brooks-Dalton ein postapokalyptisches Zukunftsszenario, das zwischen nordpolarer Naturkulisse und den Weiten des Weltraums oszilliert.

Der Sternenforscher (George Clooney, daneben Caoilinn Springall) ist nicht der einzige, der seine Hoffnungen ins Weltall richtet.
Bild: Netflix

Für den todgeweihten Forscher, der sich mit einem zurückgelassenen Mädchen durch das ewige Eis zu einer Wetterstation mit einer stärkeren Funkantenne kämpft, ist der Untergang der Menschheit eine unerschütterliche Gewissheit. Die Raumfahrtcrew um den Kommandanten Tom (David Oyelowo) und dessen schwangeren Frau Sully (Felicity Jones), die den Jupitermond als rettendes Exil erforscht hat, treibt hingegen voller Optimismus und Sehnsucht durch den Weltraum Richtung Erde. Die Spannung zwischen den beiden Handlungsorten und emotionalen Gegenpolen treibt die Erzählung atmosphärisch an.

Als Schauspieler war Clooney mit Steven Soderberghs „Solaris“ (2002) und Alfonso Cuaróns „Gravity“ (2013) selbst schon im All unterwegs. Die schwerelose Dynamik, mit der Clooney hier die riskanten Außenreparaturen am Raumschiff inszeniert, beweist, dass er sich bei den Regiekollegen einiges abschauen konnte. Trotz seiner visuellen Stärken kann die Netflix-Produktion „Midnight Sky“ jedoch nicht durchgehend überzeugen, weil die beiden Handlungsstränge oft kontraproduktiv gegeneinander geschnitten werden und eine Rückblendenerzählung die Schlusswendung allzu deutlich vorbereitet. Clooney war nie ein begnadetes Regie-Genie, allenfalls ein ordentlicher Filmhandwerker. Aber sein schauspielerisches Charisma hat auch in fortgeschrittenem Alter nichts an seiner Anziehungskraft verloren. Man möchte ihn gerne wieder öfter sehen – und das nicht nur in Kaffeewerbespots.

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