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Nachruf
30.03.2019

„Ich habe nie Reiche gefilmt“

Regisseurin Agnès Varda, die Freundin der armen Leute, ist 90-jährig in Paris gestorben

Einfache, am Rande der Gesellschaft stehende Menschen und banale Dinge des Alltags: Die Filme von Agnès Varda zeichnen sich durch Neugierde am Alltäglichen und durch Respekt vor dem Menschen aus. Erfolg und Karriere suchte sie nicht. „Ich will die Menschen sensibilisieren, sie ansprechen, sie berühren. Wenn ich das schaffe, bin ich glücklich“, sagte sie einmal. Nun ist die Regie-Ikone und Pionierin des Autorenkinos 90-jährig am frühen Freitagmorgen in Paris gestorben, wie ihre langjährige Produzentin Cécilia Rose bestätigte.

„Ich habe nie Reiche und Wohlhabende gefilmt“, erklärte Varda 2018. So erzählt sie in „Vogelfrei“ (Originaltitel: „Sans toit ni loi“) die Geschichte einer Frau, die als Landstreicherin durch Südfrankreich zieht und den Kältetod stirbt. Dafür wurde Varda 1985 als eine von wenigen Frauen bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

Bewegende Frauenporträts zeigt sie auch in „Die Witwen von Noirmoutier“ („Quelques veuves deNoirmoutier“) – ein Film, der gleichzeitig ihre eigene Witwenschaft spiegelt: Varda hatte 1990 ihren Mann, den Regisseur Jacques Demy, verloren, mit dem sie auf der französischen Atlantikinsel Noirmoutier regelmäßig ihren Urlaub verbracht hatte.

Und „Die Sammler und die Sammlerin“ (Originaltitel: „Les glaneurs et la glaneuse“) handelt von Menschen, die noch heute aus Not nach der Ernte oder nach dem Wochenmarkt Kartoffeln und Äpfel auflesen. Darin stapft die Regisseurin selbst durch Ackerfelder – und entdeckt eine Kartoffel in Herzform. Und weil eine Kartoffel so schön sein kann, schuf sie später „Patatutopia“, eine der Kartoffel gewidmete Installation.

Zu Vardas bekanntesten Werken als Bildende Künstlerin gehören ihre „Cabanes“: Hütten, die teilweise aus Kopien ihrer alten 35-mm-Filme bestehen. Das Konzept dahinter: „So verwerte ich meine Erinnerungen wieder, eine Art Recycling meines Lebens.“

Goldener Löwe, Ehren-César, Ehrenleopard, Palme d’honneur: Agnès Varda ist in ihrer über 60-jährigen Karriere mit Ehrungen und Auszeichnungen überhäuft worden. Zu Kopf gestiegen sind ihr die Trophäen jedoch nicht, auch nicht der Ehren-Oscar im Jahr 2017. Sie sei nur eine kleine Königin am Rande des Kinos, sagte sie einmal in einem Interview. Ehren-Oscars bekämen Leute, die keine Hollywood-Stars und Blockbuster-Filmemacher seien. Dass man sie dennoch wahrgenommen habe, habe sie sehr berührt.

Varda wurde als Tochter eines Griechen und einer Französin in Brüssel geboren, flüchtete jedoch während des Zweiten Weltkriegs mit ihren Eltern nach Sète. In Paris besuchte sie die Pariser Hochschule für Fotografie und arbeitete beim ersten Theaterfestival in Avignon 1947 als Bühnenfotografin. (dpa)

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