Newsticker
Ämter melden 20.398 Corona-Neuinfektionen und 1013 neue Todesfälle in Deutschland
  1. Startseite
  2. Kultur
  3. "The Undoing": Die Fassade eines perfekten Paars beginnt zu bröckeln

Neue Serie

29.11.2020

"The Undoing": Die Fassade eines perfekten Paars beginnt zu bröckeln

Wer ist der Mann an ihrer Seite wirklich? Nicole Kidman und Hugh Grant in „The Undoing“.
Bild: HBO, Sky

Nicole Kidman und Hugh Grant leben ein sorgenloses Leben in der New Yorker Upper Class. Dann geschieht ein Mord, alles gerät ins Wanken. Und es wird spannend.

„Es gibt einen bestimmten Typ von Mensch, mit dem sie zusammen sein möchten. Und vielleicht sehen Sie diesen Typ zu schnell in den Männern, die Sie treffen, anstatt hinzuschauen, wer eigentlich vor Ihnen steht.“ Die messerscharfe Analyse der Therapeutin hat wieder einmal ins Schwarze getroffen, auch wenn sie der verzweifelten Klientin nicht gefällt. Grace (Nicole Kidman) ist gut in dem, was sie tut, und die Stadtneurotiker-Metropole New York beschert ihr einen steten Fluss an zahlungsfähiger Kundschaft. Ihre Ratschläge gibt die Psychologin aus der Komfortzone absoluter Sicherheit heraus. Sie lebt in einer luxuriösen Wohnung in der Upper East Side. Als Tochter des Multimillionärs Franklin Reinhard (Donald Sutherland) musste sie sich um Geld nie Sorgen machen.

Ehemann Jonathan (Hugh Grant) ist charmant, verfügt über britischen Humor und rettet als Onkologe krebskranken Kindern das Leben. Zu ihrem aufgeweckten Sohn Henry (Noah Jupe) haben die Eltern ein liebevoll, vertrautes Verhältnis. Stinkreich und sorgenfrei könnten die Frasers bis ans Ende ihrer Tage leben. Doch es kommt anders in der HBO-Serie „The Undoing“, in der die Blase der Wohlstandsexistenz schillernd zerspringt.

"The Undoing" beruht auf einer Romanvorlage

Recht frei nach dem Roman „Du hättest es wissen können“ von Jean Hanff Korelitz hat Serienveteran David E. Kelley („Ally McBeal“) den Sechsteiler konzipiert. Als Regisseurin fungiert die dänische Filmemacherin Susanne Bier, die dem Kino eindringliche Dramen wie „Nach der Hochzeit“ und „In einer besseren Welt“ geschenkt hat. Was kann da noch schief gehen? Nichts. „The Undoing“ ist Serienfutter von erlesener Güte – hoch spannend, gut besetzt und auch in visueller Hinsicht anspruchsvoll.

Grace (Nicole Kidman) ist die zentrale Figur der Geschichte. Aber ist dieser Frau eigentlich zu trauen?
Bild: HBO, Sky

Die Handlung entspinnt sich an einem Mordfall im Umfeld einer teuren Eliteschule. Jonathan wird zum Hauptverdächtigen, und Grace muss sich nun selbst fragen, ob sie genau genug hingeschaut hat, wer all die Ehejahre vor ihr stand. Die Handlung wird aus ihrer Perspektive gezeigt. Aber die kriselnde Psychologin ist eine unzuverlässige Erzählerin. Ihrer subjektiven und selektiven Wahrnehmung ist nicht zu trauen, was die subtile Spannung der Serie deutlich erhöht. Zur narrativen Verunsicherung gesellt sich ein wendungsreicher Whodunit-Plot, der in jeder Episode die Verdachtsmomente neu verschiebt. Dabei gräbt sich die Handlung mit unbarmherziger Beobachtungsgabe immer tiefer in die Inkongruenzen zwischen Sein und Schein in der New Yorker Upper Class.

"The Undoing": Eine perfekte Rolle für Nicole Kidman

Gespart wurde hier an nichts. Allein die Ausstattung und die Designer-Kollektion der Morgen- und Ausgehmäntel, die Nicole Kidman um den makellosen Körperbau geschneidert wurden, müssen einen Großteil des Budgets verschlungen haben. Aber all das ist unter Biers konzentrierter Regie kein bloßer Reichtumsporno, sondern Teil der Milieustudie, die effektvoll in Kontrast zu kaltgrauen Impressionen aus den weniger manikürten Ecken Manhattans gesetzt wird.

Das wichtigste Pfund auch in dieser Serie ist jedoch die passgenaue Besetzung bis zur kleinsten Nebenrolle. Kidman wirkt wie hineingegossen in die Rolle dieser privilegierten Psychologin, deren Status als Ehefrau, Mutter, Tochter und Society-Diva grundlegend erschüttert wird. Hugh Grant scheint sein halbes Leben lang in Richard-Curtis-Filmen das Image als unwiderstehlicher, zerknitterter Charmeur aufgebaut zu haben, nur um nun endlich die seelischen Abgründe hinter der smarten Fassade zeigen zu können.

Auf Sky ab 30. November.

Mehr Tipps fürs Streaming:

Wir möchten wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren