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Amazon Prime

11.12.2020

"The Wilds" ist wie "Herr der Fliegen" aus Frauen-Perspektive

Eine Gruppe junger Mädchen strandet in „The Wilds“ nach einem Flugzeugabsturz auf einer Insel.
Bild: Amazon Prime

Raffiniert vermischt die Serie „The Wilds“ den Überlebenskampf junger Frauen mit Gesellschaftskritik an den Unterdrückungsmechanismen beim Erwachsenwerden.

Im Privatjet zum Sommercamp nach Hawaii. Wellness, Seelenkur und Selbstfindung verspricht das Hochglanzprospekt den neun jugendlichen Mädchen, deren Eltern sie angemeldet haben, weil sie mit ihren Töchtern nicht mehr klargekommen sind. Aber es kommt anders. Nach einem Flugzeugabsturz finden sich die Mädchen auf einer einsamen Insel wieder und sind auf sich allein gestellt. Die Prämisse der neuen Amazon-Prime-Serie „The Wilds“ ist dem Klassiker „Herr der Fliegen“ von William Golding aus dem Jahre 1954 entliehen, nur dass hier nicht männliche, sondern weibliche Jugendliche in den Survival-Modus schalten müssen.

Aber der Überlebenskampf in der Natur ist nicht das eigentliche Thema der Serie von Sarah Streicher, sondern der Blick aus der Inselisolation heraus auf das Leben, das die Mädchen durch den Flugzeugabsturz hinter sich gelassen haben. Anfangs scheinen die Figuren dem Stereotypenkatalog eines High-School-Filmes entsprungen zu sein, aber in der Episodenstruktur werden die Klischees und Vorurteile nacheinander ausgehebelt.

Jede Folge von "The Wilds" auf Amazon ist einer jungen Frau gewidmet

Jede Folge ist einer der jungen Frauen gewidmet, die sich mit schwerem emotionalen Gepäck auf die Reise begeben haben. Da ist Leah (Sara Pidgeon), die eine verhängnisvolle Affäre mit einem älteren Mann hinter sich hat. Die begabte Cellistin Fatin (Sophia Ali) und die Sportlerin Rachel (Reign Edwards) haben Erwartungshaltungen und Leistungsdruck nicht mehr standgehalten. Shelby (Mia Healey) traut sich nicht aus dem moralischen Korsett ihrer christlich-fundamentalistischen Familie auszubrechen.

Aus den Einzelbetrachtungen entsteht ein komplexes Bild der Unterdrückungsmechanismen, denen Mädchen auf dem Weg zum Erwachsenendasein ausgesetzt sind. Aber die Insel wird für die jungen Frauen nicht nur zum Ort der Selbstreflexion und des Überlebenstrainings. Schon bald stellt sich heraus, dass die Gestrandeten über versteckte Kameras beobachtet werden und Teil eines sozialen Experimentes sind. Über zehn Episoden entwickelt Streicher einen tragfähigen Spannungsbogen und eine empathische Nähe zu ihren Figuren, die von dem herausragenden Nachwuchsensemble absolut glaubwürdig verkörpert werden.

Eine Gruppe junger Mädchen strandet in „The Wilds“ nach einem Flugzeugabsturz auf einer Insel.
Bild: Amazon Prime

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