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23.04.2018

Treffen sich Hitler und Trump …

Taboris ,Mein Kampf‘ am Theater Konstanz

So, jetzt mal unaufgeregt. George Taboris „Mein Kampf“ ist ja eigentlich ein großartiges Stück. Das sollte nicht untergehen in der ganzen Debatte um Hakenkreuz und Davidstern, die zu tragen das Konstanzer Theater ursprünglich seinen Besuchern nahelegen wollte. Und wenn auch die Verteilung der Symbole schon zur Inszenierung zählte, so heißt das ja noch nicht, dass alles Weitere keine Beachtung mehr verdient. Wenngleich sich nicht leugnen lässt, dass der skandalträchtige Auftakt moralische und ästhetische Befürchtungen weckte. Hier die Nazis und Schnorrer, da die Davidsternträger und Theaterunterstützer: Sollte, wer den Holocaust so plump vereinfacht, wirklich imstande sein, auf der Bühne das Komplexe zu pflegen?

Bei der Konstanzer Premiere am Freitag sieht es lange Zeit nicht danach aus. In einem großen Rahmen aus goldgestickten Hakenkreuzen und Hunden, wie wir sie von der Krawatte des AfD-Parteichefs Gauland kennen, erblicken wir wechselnde Stadtansichten Wiens, dazu zwei Kioske. Mittendrin steht ein einsames Stockbett (Ausstattung: Damian Hinz). Hier haust der verhinderte Schriftsteller Schlomo Herzl (Thomas Fritz Jung), ein lebenserfahrener Mann mit pragmatischem Blick auf die Welt.

Das kann er von seinen Mitmenschen kaum sagen. Nicht von Mitbewohner Lobkowitz (Andreas Haase), der sich mit Donald-Trump-Frisur und roter Krawatte als göttliches Wesen sieht. Nicht von diesem jungen Besucher namens Adolf Hitler (Peter Posniak), der von einer Künstlerkarriere träumt, aber unkontrolliert brüllend, zuckend, winselnd ein Fall für den Psychiater ist. Dass Herzl ihn beherbergt, berät, aufmuntert, mutet weniger barmherzig als verantwortungslos an: Mit Verhaltensstörungen dieses Ausmaßes wäre professionelle Hilfe vonnöten.

Es geht unberechenbar und aktuell zu in dieser Männer-WG. Hitler schwärmt von seinem Lieblingsgeschichtslehrer: Bernd Höcke. Lobkowitz verbessert ihn, der Mann heiße Björn. Bald verausgabt sich der junge Maler zu Helene Fischers „Atemlos“, ein schwarzer Riesendildo dient ihm als Mikrofon. Sind die Bezüge nicht deutlich genug, wird sprachlich nachgeholfen.

Die Idee, jeden Charakter außer Schlomo und Hitler mit heutigen Politfiguren gleichzusetzen, gerät zu einer fixen Idee. Schlomos Freundin Gretchen (Laura Lippmann) ist Frauke Petry; in der Figur Himmlisch (Tomasz Robak) meinen wir den Rechtspopulisten Geert Wilders zu erkennen; als Frau Tod (Vanessa Radman) steht bald auch Hillary Clinton auf der Bühne. Das erinnert in seiner Plakativität unangenehm an den Haudrauf-Humor der ZDF-heute-show, für die Regisseur Serdar Somuncu tätig ist. Licht und Schatten also bei dieser Produktion. Der Schatten überwiegt: Mit seiner Übertragung komplexer Charaktere in Politikerkarikaturen stellt sich der Regisseur selbst ein Bein.

24., 26., 28. April, 2.,3.,4.,5.,9.,11.,12.,13. Mai

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