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Ausstellung
19.09.2022

Mehr als nur Privatvergnügen: Die Werkschau von Jean-Claude und Christo

Kunstpalast Düsseldorf zeigt Arbeiten des Künstlerpaars Christo und Jeanne Claude.
Foto: Hans-juergen Bauer, dpa/epd

Noch zu seinen Lebzeiten hat Christo den Segen für diese große Schau in Düsseldorf gegeben. Neben den Großprojekten wird auch die Entwicklung des Künstlerpaars ausgeleuchtet.

Er solle einfach mal aufräumen, die vielen Scheußlichkeiten dieser Welt bitte irgendwie verschwinden lassen. Mit solchen Wünschen hatten sich viele Leute zu Lebzeiten an Christo gewandt, ihm Postkarten von Bunkern, sonderbaren Bauten, Kernkraftwerken geschickt. Nur weg damit, verstecken, unter den Teppich kehren, aus den Augen, aus dem Sinn! Er sollte der Tatortreiniger der Geschichte werden, wohlgemerkt im XXL-Format.

Als Christo 1971 eine Ansichtskarte vom Berliner Reichstag in die Hände fiel, war er gerade mal 36. Darauf erkannte er ein besonders klobiges Bauwerk, verloren im Niemandsland zwischen den Weltmächten. Im Gegensatz zu den anderen Vorschlägen reizte ihn das, ganz allmählich schuf er detaillierte Zeichnungen, mit denen er die Verhüllung des Reichstags visualisierte. Er begann, den monumentalen Kasten im Geiste langsam in ein großes, schimmerndes Nichts zu verwandeln. Ein Nichts, für das er 24 Jahre brauchen sollte. Man schrieb den Juni 1995, als Christo und seine Frau und Muse Jeanne-Claude den Deutschen mit der Verhüllung des Reichstages einen raren Moment von humoriger Selbstreflexion bescherten. Sie verpackten das Parlamentsgebäude, das stellvertretend für die ganze Last der deutschen Geschichte stand, für zwei Wochen in unschuldiges Weiß und öffneten so ein großes Tor vom Deutschland der Nachkriegszeit, der Bonner Republik, in die Moderne Berlins.

Christo und Jean-Claude waren Stars der internationalen Kunstszene

Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren Christo und Jeanne-Claude Stars der internationalen Kunstszene. Jedes ihrer nachfolgenden Projekte galt als spektakuläres Ereignis. Keine Landschaft war Christo zu weit, kein Gebäude zu gewaltig, er umhüllte Brücken, umsäumte Inseln, überfing eine Schlucht, sein Größendrang war nicht zu bändigen. Statt auf der Leinwand eine Welt zu entwerfen, überzog er die Welt mit seiner eigenen Leinwand, mit einem schier endlosen Tuch, das nichts zeigte, nur die Zwanglosigkeit der Kunst, ihre Unbedingtheit, das Nichts ihrer schönen Nutzlosigkeit.

Christo Wladimirow Jawaschew, der wie Jeanne-Claude Denat de Guillebon am 13. Juni 1935 das Licht der Welt erblickte – er im bulgarischen Gabrow, sie im marokkanischen Casablanca – mussten hart kämpfen, oft gegen heftigste Widerstände. Vor allem hier entwickelte Jeanne-Claude ihre besonderen Fähigkeiten. Sie erklärte japanischen Bauern, amerikanischen Ranchern, deutschen Parlamentariern, was sie und Christo vorhatten und wie sie alle Sicherheits- und Naturschutz- und Recyclingvorschriften „natürlich, selbstverständlich, ganz klar“ einhalten würden. Beharrlich kämpften sich die beiden durch einen Wust aus Vorschriften und Regeln. Am Ende aber ließ ihre luftige Kunst, schillernd im Sonnenlicht, tändelnd im Wind, all die Mühen ebenso vergessen wie die ausgefeilte Technik dahinter. Das Schwere ging auf in Leichtigkeit und erschien umso erstaunlicher. Ein Künstlerpaar auf Augenhöhe.

Im Spätsommer 2021 vollendete sich das Œuvre von Christo und Jeanne-Claude mit der Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris. Auch dies war, wie der „Wrapped Reichstag“, ein jahrzehntelang vorbereitetes Projekt. Als er 2021 durch weiß-leuchtende Stoffbahnen den Blicken der Gegenwart entzogen wurde, um die Fantasie zu enthüllen, da konnten dies seine Schöpfer selbst nicht mehr miterleben, weil sie 2009 und 2020 gestorben waren.

Noch vor seinem Tod hat Christo den Segen für die Ausstellung gegeben

Wenn nun im Düsseldorfer Kunstpalast bis zum 22. Januar 2023 eine Ausstellung mit rund 70 Werken gezeigt wird, die ein Licht auf die gesamte künstlerische Entwicklung des Paares seit Mitte der 1950er Jahre wirft und den Titel „Paris. New York. Grenzenlos“ trägt, dann geschieht es mit der ausdrücklichen Billigung Christos. Er hatte noch kurz vor seinem Tod im Mai 2020 seinen Segen dazu gegeben. In zehn Themenräumen präsentiert die Schau nun die wichtigsten Projekte, beginnend mit Christos Frühwerk und seinen ersten künstlerischen Arbeiten in Paris, damals noch das Zentrum der internationalen Avantgarde. Im unmittelbaren Vergleich mit Weggefährtinnen und Weggefährten wie Arman, Jean Dubuffet, Lucio Fontana, Yves Klein, Niki de Saint Phalle und anderen lässt sich dabei ein spannender Blick auf die Perspektive und Entwicklung des Künstlerpaares ableiten.

In Düsseldorf gibt es unter anderem Fotos von Wolfgang Volz, des deutschen Fotografen, zu sehen, der fast 50 Jahre lange an der Seite von Christo und Jeanne-Claude stand: die verhüllte Küste in Australien (1968/69), umsäumte Inseln (1983) in Miami/Florida, die verhüllte Pont-Neuf in Paris (1985), die zeitgleich in Japan und den USA installierten Schirme (1991), die Tore im New Yorker Central Park (2005) sowie die schwimmenden Stege im Iseo-See in Italien (2016). Und, was selbst heute noch erstaunt: Subventionen und Spenden lehnten Christo und Jeanne-Claude rundweg ab. Das Ganze sei ja, sagten sie, ihr Privatvergnügen. Der Verkauf von Zeichnungen, Skizzen, Grafiken und Collagen, mit denen Christo die geplanten Projekte visualisierte, geriet stattdessen zur entscheidenden finanziellen Grundlage ihrer Projekte.

Auch eine Information, die bislang eher als Randnotiz vorkam: Seit Ende der 1950er Jahre pflegte Christo intensive Kontakte zu Galerien und Sammlern im Rheinland. Er freundete sich mit Nam June Paik, Joseph Beuys, Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker an. In Köln fand 1961 Christos erste Einzelausstellung überhaupt statt. 1963 präsentierte er in der Düsseldorfer Galerie Schmela verhüllte VW-Käfer, ein Jahr darauf die Werkgruppe „Ladenfronten“. In Studien und Entwürfen präsentiert die Ausstellung außerdem das noch nicht verwirklichte Mastaba-Projekt in Abu Dhabi, das die Dimensionen der Pyramide von Gizeh übersteigen und auf Dauer als Denkmal für die grenzenlose Kreativität des Paares emporragen würde. Es wäre dann auch ein wirkmächtiger Gegenentwurf zum Dauerklischee der „Festspiele der Vergänglichkeit“. Von Christo und Jeanne-Claude werden unter Garantie noch Generationen sprechen.

Die Ausstellung "Christo und Jeanne-Claude Paris. New Yoryk. Grenzenlos" im Kunstpalast in Düsseldorf läuft bis zum 22. Januar 2023.

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