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Mythos Marilyn Monroe
10.05.2022

Ihr Tod, ihr Kleid, ihr Porträt: Wieder Wirbel um Marilyn Monroe

Versteigert: Andy Warhols Porträt von Marilyn Monroe.
Foto: Ted Shaffrey, AP/dpa

Rekord mit einem Marilyn-Porträt, Kim Kardashian im Marilyn-Kleid und Netflix mit einer Marilyn-Dokumentation: Auch 60 Jahre nach dem Tod lebt der Mythos Monroe.

Falls es noch Fragen gegeben haben sollte, wer Gott in der Popkultur ist – zum Abschluss einer mal wieder um den Mythos Marilyn Monroe wirbelnden Wahnsinnswoche ist die Antwort auch in Zahlen gegeben. Wenn nämlich nun ein Porträt jener Ikone aus der Hand von Pop-Art-Messias Andy Warhol für knapp 200 Millionen Dollar versteigert worden ist, dann ist es damit nicht nur das teuerste aus dem 20. Jahrhundert, für das Maler und Modell so stilbildend wirkten. Es gab überhaupt nur ein Gemälde, das je noch profitabler unter den Hammer kam – und das vereint die Göttlichen überhaupt: Es ist Leonardo da Vinci und sein Porträt von Jesus als „Salvator Mundi“.

Marilyn Monroe als Heilige und Hure: eine Ikone der Popmoderne

Wenn Christus darauf in alle Ewigkeit als Weltenretter heilend wirkt – die Monroe garantiert jedenfalls auch bald 60 Jahre nach ihrem Tod am 4. August 1962 noch das, was in der modernen Medienwelt den größten Segen bringt: Aufmerksamkeit. Der fallende Hammer bei Christie’s in New York war ja nur der Zuschlag zum Dritten der mal wieder umfassenden Marilyn-Begaffungen. Denn neben all den Bildern von der jugendlich unverfälschten Norma Jeane Baker bis zur platinblondierten Kunstfigur Marilyn, neben den Inszenierungen aus Filmen von „Niagara“ bis „Das verflixte 7. Jahr“ … – es gibt ja noch viel mehr von ihr zu vermarkten.

Aufgetragen: Kim Kardashian im Monroe-KJeid.
Foto: Evan Agostini, Invision/dpa

Zum Beispiel (mal wieder) die Tragödie ihres Todes. Das macht aktuell Netflix mit der Dokumentation „Mysterium Marilyn Monroe: Die ungehörten Bänder“, die die Umstände klären will, wie MM starb. Jene Bänder sind Mitschnitte von mehr als 650 Interviews, die der irische Journalist Anthony Summers Anfang der 80er geführt hat und die bislang tatsächlich unter Verschluss waren – aber deren Inhalt Summers selbst längst in einem Buch ausgewertet hat. Es kommt also raus, was längst bekannt ist: ein für Suggestionen wunderbar offenes Puzzle aufgrund einiger fehlender Teile.

Da war womöglich ein Treffen der vielfach von „Medikamenten“ abhängigen Marilyn mit dem ihr sehr, nun ja, vertraut gewordenen Bobby Kennedy kurz vor jener Überdosis, die aufgrund ihrer Masse jedenfalls kaum versehentlich selbst eingenommen worden sein kann. Da war womöglich ein Streit, da waren womöglich die Sorgen, dass die als irgendwie links, jedenfalls kritisch (und gar nicht dumm) geltende Marilyn zur Gefahr werden könnte mit all dem, was sie auch von John F. Kennedy aus teils schmerzlichen Erfahrungen am eigenen Leib wusste und etwa über die Atombombe oder Kuba dachte …

Referenzen an die Monroe von Madonna bis Billie Eilish

Dabei steht der eigentliche Befund längst fest und prägte etwa auch den eindrucksvollen Roman „Blond“ von Joyce Carol Oates über das tragische Leben hinter der Ikone. Sie war so oder so das Opfer. Zerrüttet, die Mutter psychisch krank, der Vater unbekannt, viel in Heime abgeschoben, gescheitert mit all ihren Ehen, erschüttert von einer Fehlgeburt – und vor allem in die Falle gegangen. Norma Jean hatte eine „Goldene Prinzessin“ sein wollen, wie es Jean Harlow in ihrer Kindheit war; stattdessen wurde sie Marilyn Monroe, so heißt es bei Oates: „Ich war kein Flittchen und keine Schlampe. Und doch gab es den Wunsch, mich so wahrzunehmen. Denn irgendwie konnte ich auf keine andere Weise verkauft werden. Und ich erkannte, dass ich verkauft werden musste. Denn dann würde ich begehrt, und dann würde ich geliebt.“ Referenzen auf ihr Schicksal, als Mahnmal für Emanzipation im Showbusiness, sie prägen bis ins „MeToo“-Heute die Popkultur: von Madonna über Britney Spears und Miley Cyrus bis zu Billie Eilish.

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Aber man kann es trotz all dem offenbar noch immer machen wie Kim Kardashian, die sich in dieser Marilyn-Woche schlicht deren Aufmerksamkeitssegen holte. Schlüpfte nur für den Gang über den Roten Teppich bei der Met-Gala in New York mit platinblond gefärbtem Haar in genau das Kleid, das der Monroe nur wenige Wochen vor ihrem Tod fürs legendäre Geburtstagsständchen an JFK auf den Leib genäht worden war – und bekannte dann, sie habe extra sieben Kilo abgespeckt, um in das gute Stück zu passen (das eigentlich einer Kuriositäten-Museumskette gehört). Bei MM verschwand der Mensch noch in der Kunstfigur und war dieser auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. KK nun ist „Reality Star“, die Verschmelzung selbst wird Show, die sich alles zunutze macht, was wirkt. Und sei es die Tragödie anderer. So sind dann vielleicht die Heiligen des 21. Jahrhunderts: Nicht selten sehr reich, dabei mitunter ziemlich billig.

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