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Landsberg

20.07.2020

Abitur bei Waldorf: Die Reifeprüfung wird zur Lebensprüfung

Die Notenbesten an der Landsberger Waldorfschule: Anna-Sophie Blessing (1,5), Leoni Wischnewski (1,5), Marinus Knierim (1,9) und Jonathan Spieß (2,0).
Bild: Volker Tittel

19 Absolventen haben an der Freien Waldorfschule Landsberg ihr Abiturzeugnis in der Tasche. Warum der Jahrgang 2020 ein besonderer ist.

Nie werde er „die absolut zerstörten Gesichter“ morgens auf seinem Bildschirm vergessen, sagt Jonas Moser auf der Bühne im Festsaal der Freien Waldorfschule. Der Abiturient erzählt von den Prüfungsvorbereitungen zu Coronazeiten. „Den Wecker auf zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn stellen, schnell eine Tasse Kaffee, vielleicht eine Zigarette, dann den Computer hochfahren“, und was er dann zu sehen bekam, ließ bei der Zeugnisverleihung den ganzen Saal lachen.

Trotz aller Einschränkungen, trotz eines – wie er es formuliert – allgemeinen „mental breakdowns“, trotz der emotionalen Achterbahnfahrt, die alle durchgemacht haben von „cool, keine Schule mehr“ bis „shit, keine Schule mehr, wie sollen wir das schaffen“, stehen jetzt 19 Waldorfschülerinnen und -schüler auf der Bühne, erleichtert, strahlend, in Abendrobe, denn alle haben gerade in einer würdevollen, musikalisch umrahmten Zeremonie ihre Abiturzeugnisse erhalten.

Eine neue Dimension in der Erziehung zur Freiheit

Die schwierigen Umstände der Pandemie, so sieht es auch Klassenleiterin Renate Föll, trugen nicht gerade zur Motivation bei. So sei die Reifeprüfung auch zur Lebensprüfung geworden, der Lockdown habe zu mehr Selbstständigkeit geführt und der anthroposophische Anspruch der Erziehung zur Freiheit habe beim Homeschooling eine neue Dimension erfahren, heißt es in einer Mitteilung der Schule. Der Waldorfschule sei es dabei vergleichsweise schnell gelungen, ein Online-Unterrichtskonzept umzusetzen. Jonas Moser dankte namens der Klassengemeinschaft allen Lehrern für ihren Einsatz.

Eine Besonderheit betrifft diesen Abiturjahrgang noch: Die Filmemacherin Maria Knilli hat diese Klasse zwölf Jahre lang im Auftrag des Bayerischen Rundfunks für eine Langzeitdokumentation über das Lernen begleitet. Im Unterricht, auf Festen, Klassenfahrten, bei der Wanderung von Landsberg nach Venedig war sie dabei. Maria Knilli überreichte die gerade erschienene DVD „Reden wir von Leben und Tod – Zwölftklässler einer Waldorfschule im Gespräch“. In dem Film reflektieren die jungen Leute die großen Themen des Lebens: politische Fragen, Fragen an die Zukunft, Fragen an sich selbst. (lt)

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