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05.11.2009

Akte, Köpfe und Traumlandschaften

Landsberg Auf den ersten Blick wirken die Bilder der seit Juli dieses Jahres in Landsberg lebenden jungen Künstlerin Katharina Schellenberger merkwürdig verstörend.

Ihre Akte, Köpfe und Traumlandschaften scheinen die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt, zwischen Psyche und Körper aufzuheben. Doch gerade in der ruhigen, konzentrierten Darstellung von Stimmungen und Emotionen und dem Erfassen des Wesentlichen liegt die Ästhetik ihrer Seelenlandschaften. Je länger das Auge durch diese Psychogramme streift, umso tiefer dringt es ein, trifft dabei durchaus auch auf Abgründe, ohne jedoch jemals ins Bodenlose zu stürzen.

"Ich möchte mit meinen Bildern erreichen, dass der Betrachter etwas von sich selbst entdeckt," sagt Schellenberger, die ihre kreative Kraft aus der Phantasie ebenso schöpft wie aus durchlebten Ängsten oder Hoffnungen.

Schicht um Schicht

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Mit dem traumwandlerischen Gespür einer Anatomin legt die Malerin in ihren Bildern Schicht um Schicht des menschlichen Seins frei, um das darunter verborgene eigentliche Wesen sichtbar zu machen. Die sichere Hand für das Sezieren von Körper und Seele hat die Künstlerin während eines Studiums der Zahnmedizin sowie der sich anschließenden Promotion über Schizophrenie erworben. Auch Medizin und Psychologie beschäftigen sich mit dem Freilegen von Strukturen und Mustern, sodass Schellenberger, die gleich nach dem Abitur zwei Jahre Malerei an der Accademia di Belle Arti in Rom studiert hat, in der Kunst diesen Weg konsequent weiterverfolgen kann.

Intuitiv arbeiten

Je nach eigener Verfassung wechselt die talentierte Künstlerin dazu zwischen drei Ebenen, um die auf ihren Kern reduzierten Emotionen in Bilder zu übersetzen.

Die erste Ebene bilden die in unterschiedlichsten Techniken entstandenen Akte.

Das Einfangen natürlicher Bewegungen in Acryl mit Kohle, Aquarell, Gouache oder Öl war zuerst eine Herausforderung für Schellenberger. "Vor allem Schnellposen, die nicht länger als zehn Minuten dauern, haben mir gut getan", meint die Künstlerin jetzt, "denn man hat keine Zeit zum Nachdenken und muss intuitiv arbeiten."

Während für die Aktdarstellungen reale Menschen Modell standen, erschafft sie ihre Porträts zum Teil nach Vorlagen, zum Teil jedoch nach eigenen Vorstellungen. "Mich interessiert vor allem, was sich hinter der Maske oberflächlicher Schönheit verbirgt", erklärt Schellenberger.

Die ersten Köpfe entstanden in Öl- und Pastellfarben auf Leinwand, die sie anschließend mit Acrylfarben übermalte. Die leuchtenden Schichten in Öl und Pastell kratzte die experimentierfreudige Künstlerin dann mit Anatomieskalpellen wieder frei.

Mittlerweile hat Schellenberger eine neue Technik für ihre Köpfe gefunden, bei der stark verdünnte Ölfarben auf Leinwand aufgetragen und teilweise wieder ausgerieben werden, sodass ein beinahe aquarellartiger Eindruck entsteht.

Diese Technik entspricht in kongenialer Weise dem freigelegten Bildgehalt. Auf der letzten Ebene schließlich beschäftigt sich die Künstlerin mit Traumlandschaften, sie verlangen die intensivste und tiefste Erforschung der einzelnen Gemütszustände.

"Es geht darum, Gedanken, die in einem, meinem oder dem Kopf des Betrachters entstanden sein können, zu visualisieren", erläutert Schellenberger.

"Gedanken entwickeln ein Eigenleben und lassen dadurch Innenwelten wachsen."

Der gründliche Blick hinter die Fassade entlarvt die Oberfläche als reine Hülle, übrig bleibt eine auf den Kern reduzierte innere Welt, der die Künstlerin mit ihren Farben Gestalt verleiht.

Jetzt wurde Katharina Schellenberger für den Valentine-Rothe-Preis für Nachwuchskünstler nominiert, der im Rahmen der Ende November stattfindenden 19. Kunstmesse des Frauenmuseums in Bonn verliehen wird.

Im Internet

Noch mehr über die 1978 in Schweinfurt geborene Künstlerin Katharina Schellenberger und ihre Arbeit ist unter www.linsenkunst.de zu erfahren.

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