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Landsberg

25.06.2019

Alpenverein feiert Jubiläum: Der frühere Sektionschef blickt zurück

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Skisport anno 1960:  Erwin Stolz mit seiner damaligen Ausrüstung.
Bild: Ursula Stolz

Seit 130 Jahren gibt es eine Alpenvereinssektion in Landsberg. Gefeiert wird am Wochenende und noch einmal im September. Das LT hat sich mit dem langjährigen Vorsitzenden Erwin Stolz unterhalten.

1869 ist in München der Deutsche Alpenverein gegründet worden: „Bildungsbürgerlicher Bergsteigerverein“ nannten die deutschen und österreichischen Bergsteiger ihre Organisation damals. 20 Jahre später entstand auch in Landsberg ein Bergsteigerverein. Zur Gründung hatte der Verein 56 Mitglieder, wie der Chronik zu entnehmen ist, heute zählt die Sektion Landsberg 6652 Mitglieder und feiert ihr 130-jähriges Jubiläum unter andere mit Aktionstagen vom Donnerstag 27. bis Samstag, 29. Juni.

Außerdem ist am 20. bis 22. September ein großes Jubiläumswochenende auf der Landsberger Hütte geplant, diese Unterkunft im Tannheimer Tal gibt es seit 90 Jahren. Das Landsberger Tagblatt hat sich mit einem Bergsteiger unterhalten, der lange Jahre die Sektion in Landsberg prägte: Erwin Stolz. Er war von 1981 bis 2015 Vorsitzender. An dem Gespräch nahm auch Hans-Martin Rummenhohl vom aktuellen Vorstand der Sektion teil.

Erwin Stolz bestieg den Montblanc und war im Himalaja unterwegs

Erwin Stolz ist heute 81 Jahre. In seiner aktiven Zeit als Alpinist bezwang er Berge wie den Montblanc, wovon am 27. Oktober 2001 im LT zu lesen war. Stolz kam 1967 als Banker nach Landsberg und wurde Vorstand des damals noch als Volksbank Landsberg firmierenden Geldinstituts. Der Bank blieb er bis zu seinem Ruhestand 2002 treu. Der junge Mann war sportlich, er hatte Zehnkampf betrieben und war Skiwart des deutschen Skiverbandes. In Landsberg intensivierte Stolz den Bergsport. Der Einstieg war das Skifahren, er schloss sich der Skigruppe in der Sektion Landsberg an.

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Doch es blieb nicht beim Skifahren, Erwin Stolz begann auch mit hochalpinen Touren: Piz Palu, Ortler, Montblanc ... Vier Mal sei er auch im Himalaja gewesen, „da waren 4000er und 5000er dabei.“ Sein höchster Gipfel sei der Island Peak gewesen, mit 6200 Metern über Seehöhe. „Meine Frau Ursula ist bis 6000 Meter Höhe mitgestiegen.“ Die familiäre Leidenschaft für Sport am Berg wurde auch an die nächste Generation weitergegeben: „Alle drei Kinder sind Skilehrer geworden.“

Der Klettersteig an der Lachenspitze wurde 2009 gebaut

Als Vorsitzender der Sektion Landsberg waren ihm natürlich auch die Berge rund um die Landsberger Hütte, die der Sektion gehört, wichtig: Lachenspitze, Steinkarspitze, Rote Spitze. An der Lachenspitze regte Stolz den Bau eines Klettersteigs an: „Er ist 2009 eingeweiht worden, bei strömendem Regen.“

Der Standard auf den Berghütten war früher von Einfachheit, aber großer Solidität geprägt gewesen, erinnert sich Stolz. „Bei den meisten Hütten gab es keine Duschen, nur drei oder vier große Hütten hatten dies.“ Für die körperliche Hygiene standen lange Metalltröge zu Verfügung. Und der Standard bei den Übernachtungen war das Matratzenlager. „60 Zentimeter ist die Standardbreite eines Lagerplatzes.“

Die erste Dusche gab es vor etwa 20 Jahren

Heutzutage wünschten sich viele Zimmer, erläutert Hans-Martin Rummenhohl, doch das sei nicht zu leisten. Eine bestimmte Anzahl an Übernachtungsplätzen müsse gegeben sein, sonst rechne sich eine Hütte wirtschaftlich nicht. Außerdem müssten die Wanderer, die abends eine Hütte erreicht haben, auch untergebracht werden. Auch wenn Gemeinschaftsübernachtung noch Usus ist, bei den sanitären Einrichtungen hat sich einiges getan: „Vor rund 20 Jahren ist die erste Kalt-Dusche eingerichtet worden. Vielleicht ein Jahr später kam der Durchlauferhitzer“, erzählt Stolz.

Wassermangel gibt es in normalen Jahren auf der Landsberger Hütte keinen: Erwin Stolz erläutert, dass 1982 die Brunnenquelle neu gefasst worden sei. „Das war eine der ersten Arbeiten, als ich Vorsitzender der Sektion geworden war. “ In den vergangenen Jahrzehnten hat sich laut Stolz und Rummenhohl die einstige Ursprünglichkeit gewandelt, immer mehr Menschen gehen oder fahren in die Berge.

Das Angebot ist vielseitig geworden

Bei der Sektion Landsberg stehen nach eigenem Bekunden immer noch Bergsteigen und Bergwandern einschließlich klassischer Hochtouren im Mittelpunkt. Daneben bieten Kurse und Touren ein Angebot für Familien, Senioren und Singles. Durch den Bau der Kletterei in Kaufering bekam bei der Sektion Landsberg auch das Indoor-Klettern einen großen Anschub. Daneben gibt es noch Mountainbiker, Wildwasserfahrer und natürlich eine Skischule und das Angebot von Skifahrten und Skitouren.

Generell versteht sich der Alpenverein auch als Mittler. „Wir versuchen zu steuern“, sagt Stolz. Denn die Beliebtheit des Bergsports birgt auch Konfliktpotenziale: angefangen von der Beeinträchtigung der Natur durch den Ski- oder Bergsport bis hin zu den Konflikten untereinander, wenn sich Wanderer durch Mountainbiker belästigt fühlen. Für Stolz ist auf jeden Fall klar, dass keine neuen Liftanlagen mehr gebaut werden, sondern die bestehenden saniert werden sollten. „Was am Grünten passiert ist der Wahnsinn pur.“ Dort sind mehrere neue Bahnen geplant.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Stephanie Millonig: Miteinander reden am Berg!

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