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Landsberg

11.08.2017

Auge in Auge mit einem Puma

Für Extremläuferin Ildiko Wermescher ging es über 100 Meilen durch die Sierra Nevada in Kalifornien. Dabei hatte die Landsbergerin auch eine Begegnung mit einem Puma.
Bild: Robert Bösch

Bei der Ultra-Trail-World-Tour hatte Ildiko Wermescher viele Gegner. Am Ende schafft es die Landsbergerin über die 100 Meilen in Kalifornien unter die besten Zehn.

Gegen Mitternacht bekam es die deutsch-ungarische Ultra Trail-Läuferin Ildiko Wermescher mit der Angst zu tun. Denn aus lediglich fünf Meter Entfernung funkelten ihr in der kalifornischen Sierra Nevada plötzlich die wilden Augen eines Pumas entgegen. Die Wahl-Landsbergerin war zu diesem Zeitpunkt bei der Ultra-Trail-World-Tour unterwegs, einem 100-Meilen-Rennen, das ursprünglich mit Pferden ausgetragen wurde. Heute liefern sich die besten Trail-Runner der Welt über 160 Kilometer und 5000 Höhenmeter spannende Duelle. Auch Ildiko Wermescher war dabei, ausgerüstet unter anderem mit einer Stirnlampe. Genau die sollte der Extremsportlerin in der bedrohlichen Situation mit dem Puma gute Dienste leisten.

Alleine dürfen die Teilnehmer nicht mehr auf die Strecke

„Mir stand wohl ein fürsorglicher Schutzengel zur Seite“, meint die 52-Jährige. „In Panik geriet ich nicht, denn ich bin das Laufen in der Finsternis gewöhnt.“ Nach dem ersten Schock habe sie versucht, ruhig zu bleiben. Vorsichtig habe sie einige Schritte rückwärts gewagt und die Stirnlampe nach hinten gedreht. Mit Erfolg. Jedenfalls habe sie von der gefürchteten Raubkatze nichts mehr gesehen. Stattdessen näherte sich ein anderer Tour-Läufer und dessen Begleiter. Letzterer führte neben der Stirnlampe eine große Handlampe mit sich. Er kannte sich in der wildromantischen Gegend gut aus.

Laut Reglement musste jeder Starter beim „Western States Endurance Run“ ab Meile 62 von einem „Pacer“ begleitet werden. Ildikos Ehemann Otto, 59, übernahm diese Aufgabe. Doch der ehemalige rumänische Meister im Modernen Fünfkampf, der zusammen mit seiner Frau in sieben Tagen schon die „Trans Alpin“ von Garmisch nach Südtirol (250 Kilometer/15000 Höhenmeter) gelaufen ist, musste bei Meile 73 aufgeben. Ihn plagten aufgrund der Hitze Krämpfe im Oberschenkel. Das Thermometer kletterte in Tälern auf über 40 Grad. Kein Wunder, dass von den 81 Läufern, die morgens um 5 Uhr im weltbekannten Wintersportort Squaw Valley gestartet waren, nach 100 Meilen lediglich 46 ins Ziel kamen: total gerädert, abgekämpft, oft mit schmerzenden Blasen an den Füßen, aber überglücklich.

Kurze Strecken sind nichts für sie

Auch Ildiko Wermescher kam an. Trotz des Zwischenfalls mit dem Puma kam die Schulbegleiterin an der Montessori-Schule in Kaufering unter die Top Ten der Weltelite: In 21:50:32 Stunden landete sie auf Rang acht. Das bei einer durchschnittlichen Temperatur von etwa 30 Grad tagsüber. Etwas Abkühlung sollten die Eiswürfel bringen, die an den 21 Verpflegungsstellen aufgenommen werden konnten: „Die habe ich unter der Cap, im BH, und vor allem zwischen dem T-Shirt und dem Hosenbund verteilt“, erzählt die ehemalige Lehrerin. Sie hat in Rumänien und später in Ungarn studiert, und schließlich an einem Gymnasium in Budapest Mathematik und Physik unterrichtet. In der Hauptstadt der Magyaren lernte sie 1996 ihren Mann Otto Wermescher kennen. Die Töchter sind mittlerweile 15 und 26 Jahre.

Die Liebe zum Laufen entdeckte die Wahl-Landsbergerin über das Wandern, Radfahren und Aerobic. Dann kam das Laufen. Sie nahm gleich einen Marathon mit 42,195 Kilometern in Angriff, denn Kurzstrecken waren ihr zu kurz. Zudem absolvierte sie in Ungarn viele Landschaftsläufe. Die gingen über Stock und Stein, auch etwas höher hinauf. Bald sammelte die Athletin die ersten Titel in Ungarn: Über 100 Kilometer und bei mehreren Landschafts-Trials. Seit 2009 läuft sie fast ausschließlich in den Bergen: „Rauf und runter, durch die herrliche Bergwelt. Das macht Spaß, da habe ich meine läuferischen Stärken“, sagt Ildiko. Sie zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten Ultra- Trail-Läuferinnen der Welt und geht seit 2012 für das Mount-International-Team der Mammut Sports Group AG (Schweiz) auf die Strecke: Als „Marken-Botschafterin“ dieses Unternehmens arbeitet sie aktiv an der Entwicklung der Produkte mit und wird finanziell sowie mit Sportbekleidung unterstützt. Vom deutschen Leichtathletikverband (DLV) wurde die Landsbergerin zuletzt schon zweimal für die Ultra-Trail-Weltmeisterschaften nominiert.

Eine Verletzung bremste sie aus

Mit 52 Jahren gehört sie immer noch der internationalen Elite an. Den Mont Blanc-Ultra-Trail mit 170 Kilometern und 10000 Höhenmetern hat sie zweimal gemeistert. Die 212 Kilometer um den Plattensee gewann Wermescher. Besonders liegt ihr auch der Zugspitz-Ultra-Trail. Ihre Erfolgsbilanz wurde aber 2015 durch eine Knöchelverletzung für fünf Monate unterbrochen. Doch Ildiko Wermescher, die im Winter für die Wettkämpfe im Frühjahr und Sommer hart trainiert, ist zurück in den geliebten Bergen. Zuletzt vor wenigen Tagen beim Swiss Alpine Trail, der über 133 Kilometer von St. Moritz nach Davos führt.

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