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05.10.2009

Der Revierjäger fiel Wilderern zum Opfer

Igling Mit Spannung wartet man in Igling auf die Ortschronik, die in wenigen Wochen veröffentlicht wird. Unter der Rubrik Verbrechen findet sich das Schicksal von Mathias Weiß. Der Revierjäger des Grafen Spaur auf Schloss Igling wurde auf den Tag genau vor 176 Jahren vermutlich von Wilderern ermordet. Dieses und andere Ereignisse hat der Arbeitskreis Geschichte, der die Ortschronik erstellt hat, in mühevoller Kleinarbeit recherchiert.

Der 5. Oktober 1833 war ein Samstag. Am frühen Morgen machte sich der damals 52-jährige Revierjäger Mathias Weiß auf die Jagd. Eine Pirsch, von der der zweifache Familienvater nicht mehr zurückkehren sollte. Die Bürger von Ober- und Unterigling, damals zwei eigenständige Gemeinden, machten sich deshalb auf die Suche nach ihm - erfolglos. Erst eine Woche später, am 12. Oktober, fanden ihn der Unter-iglinger Ortsvorsteher Ambrosius Osterrieder und der Wirt Andreas Holzmann in den sogenannten "Hinteren Theilen" im Wald auf (später Roßtheile). Mathias Weiß wurde wahrscheinlich von Wilderern ermordet. "Er hatte zwei Schüsse und mehrere Stiche erhalten, die Hirnschale war zerschlagen", heißt es im Sterbe-Register der Pfarrei Unterigling, wie die Arbeitskreismitglieder fast 200 Jahre später herausgefunden haben.

Genaue Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit

In den damaligen Aufzeichnungen wurde auch genau dokumentiert, wie Mathias Weiß seine letzte Ruhe fand. Am Abend des 12. Oktober wurde der Leichnam zunächst nach Unterigling gebracht und von dem Franziskanerpater Joseph Maria Probst, der zur Aushilfe in der Pfarrei Unterigling war, bis an die Grenze nach Oberigling geleitet. Dort nahmen ihn der Ortspfarrer Alois Kopp und die trauernden Pfarrangehörigen in Empfang. Am nächsten Tag wurde er auf dem Oberiglinger Friedhof beigesetzt.

Der Revierjäger fiel Wilderern zum Opfer

Wie der Arbeitskreis Geschichte auf dem Weg zur aktuellen Dorfchronik herausgefunden hat, wurde Mathias Weiß am 3. Oktober 1781 in Steinhausen/Würthemberg geboren und heiratete am 19. Februar 1824 die Gerichtsdienerstochter Afra Mair aus Oberigling. Dort wohnte das Paar und hatte zwei kleine Töchter. "Er war alt 52 Jahre, zwei Tage und hinterließ eine tief betrübte Frau mit zwei Kinder", heißt es im Unteriglinger Sterbe-Register.

Ob die Täter jemals gefunden wurden, ist nicht überliefert. Dafür erinnert bis heute ein kleines Marterl an Mathias Weiß, das heute im Garten der Familie Zink in der Unteriglinger Straße am Zaun steht. Das Marterl stand bis 1938 im Zinkwald (Roßtheile), wo Revierjäger Mathias Weiß ermordet wurde.

Als das NS-Regime 1938 den Wald beschlagnahmte, versetzte Franz Zink das Marterl neben seine Jagdhütte. 1975 wurde eine Sebastianfigur gestohlen und fünf Jahre später von der Polizei wiederentdeckt.

Heute wird es im Haus der Familie Zink aufbewahrt. Nun zeigt das Marterl einen Christus an der Geißelsäule auf Blech.

Das Schicksal von Mathias Weiß und was der von vielen als "Deutscher Robin Hood" bezeichnete "Bayerische Hiasl" mit Igling zu tun hatte, ist unter anderem Teil der neuen Iglinger Dorfchronik. Sie soll im November erscheinen.

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