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Ramsach

23.02.2020

Die Arbeit mit Menschen macht Barbara Wiedmann Spaß

Barbara Wiedmann musste ihr Leben nach einem Hirntumor komplett umkrempeln. Jetzt kümmert sich die 36-Jährige um ein altes Ehepaar und arbeitet mit Schwerstbehinderten.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Ein Schicksalsschlag änderte das Leben von Barbara Wiedmann aus Ramsach grundlegend. Sie entschied sich, künftig anderen Menschen zu helfen.

Barbara Wiedmann aus Ramsach war 29, als sie die Diagnose „Hirntumor“ erhielt. War anfangs eher von einer überschaubaren Operation die Rede, änderte sich das rasch. Nach der neunstündigen Operation verbrachte Wiedmann weitere 30 Tage in der Klinik. Zwar war ihr Leben gerettet, ihr Kurzzeitgedächtnis jedoch verloren. Nach einem Versuch der Wiedereingliederung beim ehemaligen Arbeitgeber war klar: Das klappt nicht mehr. Seitdem ist die inzwischen 36-jährige Bürokauffrau verrentet und gilt als schwerbehindert. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist sie ehrenamtlich tätig.

Seit 2016 leistet sie unter dem Dach des Malteser Hilfsdiensts einen Besuchsdienst bei Senioren. Alle zwei Wochen verbringt sie einen halben Tag bei einem alten Ehepaar in Oberbergen, das zwar noch einigermaßen gut allein zurechtkommt, aber dennoch viel allein ist. Beide sind auf einen Rollator angewiesen. Insbesondere die alte Dame, die das Haus nicht mehr verlassen will, ängstlich ist und depressive Züge hat, freut sich über den regelmäßigen Besuch, der ihrem Leben Struktur und ihr eine Aufgabe gibt.

Beim Rommé verliert sie absichtlich

„Wenn ich komme, hat sie den Tisch schon gedeckt, süße Teilchen und Kaffee sind vorbereitet“, berichtet Wiedmann. „Und immer lächelt sie, wenn ich komme, das freut mich sehr.“ Wiedmann hört ihren Erzählungen zu und meist wird Rommé gespielt. „Da lasse ich sie immer gewinnen“, lächelt Barbara Wiedmann. Nur zum Rausgehen könne sie sie nach wie vor nicht überreden, nicht einmal den Garten will die Seniorin betreten. „Mein Besuch tut ihr gut, und ich gehe gern hin, wir waren uns von Anfang an sympathisch“, sagt die Helferin.

Die Arbeit mit Menschen macht Barbara Wiedmann Spaß

Sie hat mehrere Organisationen angeschrieben

Das Ehrenamt ist inzwischen eine Herzensangelegenheit für sie geworden. Das war nicht immer so. Auf die Idee, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist sie eigentlich gekommen, weil sie nach ihrer Frühverrentung einfach zu viel Zeit hatte. „Ich habe ungefähr acht Organisationen, die auf Ehrenamtliche zurückgreifen, angeschrieben. Ich habe erklärt, dass ich mich ehrenamtlich engagieren will, habe aber auch meine Einschränkungen beschrieben. Es haben sich nur die Malteser bei mir gemeldet“, blickt Wiedmann zurück. Diese möchten sie nun nicht mehr missen. Wie Rosemarie Mayer von den Maltesern sagt, habe sie gleich beim ersten Kennenlernen das Gefühl gehabt, dass Wiedmann sich für Besuchsdienste gut eignen könnte. „Ich bin sehr froh, dass sie uns als Helferin unterstützt, und das alte Ehepaar schätzt sie sehr.“

Ihr Leben hat wieder eine Struktur

Neben ihrem Ehrenamt arbeitet die junge Frau noch auf 450-Euro-Basis mit Schwerstbehinderten in den IWL-Werkstätten in Landsberg. Die Arbeit mit Menschen macht ihr inzwischen so viel Spaß, dass sie sich fragt, warum sie eigentlich damals Bürokauffrau gelernt hat. Seit ihrer Erkrankungen zählen für sie viel mehr als früher die kleinen Dinge im Leben, wenn zum Beispiel der kleine Sohn ihrer Freundin ein Bild für sie gemalt hat. Zu viel Zeit hat Wiedmann schon lange nicht mehr, denn sie hat ihrem Leben Struktur gegeben und es mit vielen Aktivitäten gefüllt. „Ich bin viel draußen und fotografiere. Meine Naturaufnahmen durfte ich auch schon einmal in Landsberg ausstellen“, freut sich Wiedmann, die hofft, dass sich über das Fotografieren ein neuer Weg für sie ergibt.

Geparkt wird immer an der gleichen Ecke

Außerdem kümmert sie sich um ihre vier Katzen, malt gern und hat inzwischen sogar den Mut für eine neue Leidenschaft gefunden: Sie fährt zu Konzerten und Festivals, ausgerüstet mit einem Zelt. Keine leichte Aufgabe für sie, in einer „Zeltstadt“ das ihre wieder zu finden. Das gilt auch für das geparkte Auto. Hier lässt sie ihr Kurzzeitgedächtnis öfters mal im Stich. Da helfen nur Routinen - so parkt Wiedmann ihr Auto am Bahnhof in Geltendorf immer in der gleichen Ecke. Parkt sie auf fremdem Terrain, hilft ihr die App „Find my car“. Ersatz für das Kurzzeitgedächtnis sind bei Wiedmann Zettel und Stift, die sie immer dabei hat und auch während des Gesprächs aus der Tasche zieht. Sie notiert sich sogar ganz alltägliche Dinge. „Sonst kann es passieren, dass ich an einem Tag zwei Mal dusche“, sagt sie und lacht.

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