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Landsberg

14.11.2015

Die Oase in der Blatterngasse

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7 Bilder
Blatterngasse 357, Birgit und Alfred Scheid freuen sich im Herbst über die vielen Äpfel und genießen besonders gerne die wechselnden Jahreszeiten in ihrem Haus.
Bild: Thorsten Jordan

Serie Birgit und Alfred Scheid leben im ehemaligen Haus „Kindlemann“

Wer durch die Landsberger Altstadt bummelt und die bunten Fassaden betrachtet, fragt sich vielleicht, wie es wohl ist, in so einem alten Haus mitten in der Stadt zu wohnen. Wie lebt es sich in den meist denkmalgeschützten Mauern? Das Landsberger Tagblatt stellt in einer Serie Altstadthäuser und ihre Bewohner vor. Hier gewähren sie einen Einblick, wie sich das Wohnen in alten Gebäuden und modernes Leben in Einklang bringen lassen....

Wenn Birgit und Alfred Scheid aus dem Hausflur auf die Straße treten, dann stehen sie in einer kleinen Gasse, zu der gerade einmal vier Häuser gehören. Nämlich die Häuser 357, 358, 359 und 360 in der Blatterngasse. Das Ehepaar Scheid hat vor 33 Jahren das Haus mit der Nummer 357 gekauft, das einst den Hausnamen „Kindlemann“ trug. 1982/83 waren die Räume allerdings in keinem so guten Zustand wie heute. Alfred Scheid erinnert sich: „Das Haus war ziemlich abgewohnt. Ich merkte gleich, dass da eine Menge Arbeit auf uns zukommen würde.“

Weil seine Frau Birgit sich aber so sehr in das 190 Quadratmeter große Haus verliebt hatte, machten sich die beiden zusammen mit Eltern und Schwiegereltern an die Arbeit. Acht Monate dauerten die Renovierungsarbeiten, bevor der Einzug stattfinden konnte. „Wir hatten ganz bewusst ein Haus gesucht, das zentral in der Stadt lag und für unsere Töchter einen sehr kurzen Schulweg bot“, erzählt Birgit Scheid. Längst haben die Scheids auch kein eigenes Auto mehr. „Wir können doch überall zu Fuß oder mit dem Fahrrad hin“, freut sich die Hausherrin. Als die Scheids im August 1983 in die Blatterngasse zogen, war das Erdgeschoss des im späten 18. Jahrhundert gebauten Hauses noch nicht bewohnbar. „Da haben wir dann nach und nach eine Wohnung eingerichtet.“ Schließlich habe es im ersten und zweiten Stock noch genügend Arbeit gegeben. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Landsberg habe man damals die Renovierung vorgenommen. Schließlich sollte alles so authentisch bleiben wie möglich. „Das war zwar nicht immer ganz einfach, aber wir haben uns hier ein gemütliches Reich geschaffen“, freut sich Birgit Scheid. „Es gab kaum eine gerade Wand im Haus und die Raummaße sind so, dass kaum normale Möbelstücke gestellt werden können“, erzählt Alfred Scheid. Vieles hat der Hausherr selbst gemacht. Angefangen von der Treppe, die vom ersten in den zweiten Stock führt über einige sichtbare Holzbalken, zum Beispiel an der Decke des Esszimmers. Oder in der Küche – auch hier konnten die Scheids mit „normalen“ Möbeln nicht viel anfangen.

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Heute ist die Blatterngasse 357 ein echtes Schmuckstück geworden, vor dem Landsbergs Stadtführer mit ihren Gästen immer wieder gerne Halt machen. Vor allem in den Sommermonaten, wenn vor den Fenstern die unterschiedlichsten Tomatensorten reife Früchte tragen oder vor der Haustür der Baum im kleinen Topf reichlich rotleuchtende Äpfel trägt, bleiben Passanten gerne stehen.

Dass das Haus, in dem 1795 der Zimmermann Georg Pechler als erster Besitzer lebte, wie dem Buch „Die Kunstdenkmäler von Bayern, Stadt Landsberg am Lech, Band 3“ vom Deutschen Kunstverlag zu entnehmen ist, 1805 in zwei Besitztümer geteilt wurde, ist längst nicht mehr zu sehen. Seit 1926 ist das „freistehende Wohnhaus mit Walmdach“ nämlich schon wieder eine Einheit.

Pflanzen prägen nicht nur die Fassade, die von den Scheids, wie alles andere auch, aufwendig saniert wurde, sondern das ganze Zuhause der beiden.

Und so verwundert es auch nicht, dass der kleine Freisitz, der sich an einen Wintergarten anschließt und der von der Gasse aus nicht sichtbar ist, über und über mit Kräutern, Blumen und sogar Heidelbeer- und Stachelbeer-Sträuchern geschmückt ist. „Hier sitzen wir gerne, vor allem im Sommer am Abend“, geraten die beiden ins Schwärmen.

Dann sei die Ruhe, die hier mitten in der Stadt herrscht, ganz besonders erholsam.

Geht man vom Hinteren Anger neben der Bäckerei Fischer unter den Torbögen hindurch, öffnet sich die Blatterngasse zu einem kleinen, sehr gepflegten Platz, von dem in nördlicher Richtung die Ledergasse abzweigt. Dass der Platz so gepflegt aussieht, ist seinen Anwohnern zu verdanken. Vor allem Alfred Scheid ist sehr um „seine“ Gasse bemüht. Regelmäßig sammelt er Zigarettenstummel und anderen Müll auf, um die Gasse sauber zu halten. „Wir Anwohner haben uns auch darauf geeinigt, keine Mülltonnen vor den Häusern abzustellen, damit das Bild schön bleibt“, berichtet Scheid stolz Und die kleine Ferienwohnung, die im Erdgeschoss entstanden ist und das Ferienzimmer werden von Feriengästen aus aller Welt gebucht.

Zwar nicht im Haus, aber mit dem Ehepaar Scheid und vor allem mit der Blatterngasse eng verbunden ist ein Brunnen, der am Ende der kleinen Gasse vor sich hin plätschert.

„Diesen Brunnen haben wir gemeinsam mit unserem Nachbarn Günter Edenhofer geplant, der dann die Ausführung übernommen hat“, berichtet Scheid.

1600 Mark hatte der Brunnen, der im Frühjahr 1994 angebracht worden war, gekostet, berichtete seinerzeit das Landsberger Tagblatt. Das Geld stammte aus Spenden der Besuchergruppen, die an den ersten Stadtführungen in Landsberg teilnahmen, erinnern sich Birgit und Alfred Scheid.

„Wir haben damals das Mittelalter im Blatternviertel für die Besuchergruppen dargestellt“, schmunzelt Alfred Scheid, der in diesem Zusammenhang die Rolle des „Blatternvaters“ übernommen hatte. Und der ist er bis heute geblieben.

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