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Dienhausen

18.11.2019

Drückjagd bei Dienhausen: Die Jäger mit der guten Nase

Anja Schrecke ist mit den Hunden Franzi und Quinny dabei. Sie sollen Wild aufstöbern.
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Anja Schrecke ist mit den Hunden Franzi und Quinny dabei. Sie sollen Wild aufstöbern.
Foto: Stephanie Millonig

Plus Im Wald kommt es nicht nur auf den gezielten Schuss an, sondern auch auf die vierbeinigen Helfer. Was im Sachsenrieder Forst bei Dienhausen die Aufgaben der Hunde sind.

Von Weitem ist ein scharfes Kläffen zu hören. „Das ist Andor“, sagt Anja Schrecke. Die 52-Jährige ist „Durchgeherin“ bei einer Drückjagd und hat drei Hunde dabei, die Wild aufstöbern sollen. Die Drückjagdsaison ist voll im Gange und das LT war im Sachsenrieder Forst mit dabei und hat Anja Schrecke und ihre Hunde begleitet.

Die drei Stöberhunde tragen wohlklingende Namen: Andor vom großen Heuberg ist eine Deutsche Bracke und Franzi von der Bergwiese sowie Quinny von der Obermühle, Anja Schreckes eigener Hund, sind Deutsche Wachtelhunde. Die drei haben mit noch ein paar anderen Hunden einen speziellen Job: Sie stromern durch den Wald, nehmen die Spur eines Wildes auf und verfolgen mit einem spezifischen Jagdlaut diese Spur. Das Wild wird so „bewegt“, das heißt, Reh und Wildschwein fühlen sich gestört, verlassen das Dickicht und werden von einem der Schützen im Idealfall geschossen.

Auch private Jäger sind derzeit im Wald unterwegs

„Das Wild wird nicht gehetzt“, sagt der Leiter des Betriebs Landsberg der Bayrischen Staatsforsten, Robert Bocksberger, dem LT. Die Stöberhunde jagten das Wild nicht auf Sicht, sondern mit der Nase am Boden. Warum müssen Rehe und Wildschweine überhaupt gejagt werden? „Es fehlen die großen Beutegreifer Wolf, Bär und Luchs“, erklärt Bocksberger. So muss der Mensch den Bestand regulieren. Der Forstbetrieb Landsberg richtet die große Drückjagd im Sachsenrieder Forst aus. In diesen Wochen sind im Landkreis auch private Jagdgesellschaften bei Drückjagden unterwegs. Der Kreisvorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins, Georg Duschl, informiert darüber in einer Pressemitteilung. Er bittet darum, dass die Bevölkerung Absperrungen und Warnschilder beachtet und auch das Tempo auf der Straße reduziert, wenn dies wegen einer Drückjagd so angezeigt wird.

Warum die Schützen erhöht stehen müssen

Die Staatsförster haben die Straße zwischen Dienhausen und Osterzell vorsichtshalber sperren lassen, damit keinem Autofahrer ein flüchtendes Reh auf die Kühlerhaube springt. Rund 80 Schützen nehmen in drei Gruppen an der Jagd teil. Bevor es losgeht, werden die Regeln erklärt. Sicherheit ist wichtig, schließlich wird mit Waffen und Munition geschossen, die „mehrere Tausend Meter“ reicht, wie Bocksberger sagt. Das heißt, ein Schütze muss sich immer sicher sein, auf was er zielt – ansprechen heißt dies in der Jägersprache. Um keinen anderen Teilnehmer zu gefährden und damit er nicht ein Tier schießt, das nicht freigegeben ist. Beispielsweise „führende Bachen“, also weibliche Wildschweine, die Junge haben.

2018 tötete eine Kugel einen Autofahrer

Und es muss immer so geschossen werden, dass es einen Kugelfang gibt, „und zwar nur der gewachsene Boden“, wie es bei der Einführung heißt. Das heißt, die Kugel darf nur nach unten geschossen werden, von einem Hochstand oder von speziellen Drückjagdböcken aus. Denn wenn parallel geschossen wird, besteht die Gefahr, dass die Kugel weit fliegt und jemanden trifft. Bei einer Privatjagd auf Wildsauen in einem Maisfeld in der Oberpfalz wurde dies 2018 traurige Realität: Eine Kugel traf ein Wildschwein, flog dann aber weiter Richtung Bundesstraße und tötete einen Mann in einem vorbeifahrenden Auto.

Doch zurück zu den drei Jägern mit der guten Nase. Bevor es losgeht, werden die Hunde mit Warnwesten eingekleidet und bekommen einen Sender umgeschnallt. Anja Schrecke verfolgt auf einem Ortungsgerät, wo sich die Hunde befinden. Und dann geht es ab in den Wald und ins Unterholz. Die Route ist ungefähr vorgegeben, es geht darum, die Hunde in Dickichte zu dirigieren, in denen sich voraussichtlich Rehe oder Wildschweine verstecken.

Anja Schrecke ruft und pfeift immer wieder, vor allem, wenn man sich der Position eines Schützen nähert. Dann weiß dieser, hier kommt die Hundeführerin. Und auch die Hunde wissen, wo sich Anja Schrecke aufhält. Denn sobald ein Reh oder Wildschwein geschossen ist, kehren die Tiere zurück und folgen nach einiger Zeit einer neuen Spur.

Im Notfall flüchtet sie auf einen Baum

Quinny ist lange weg, „ein Wildschwein“, vermutet Schrecke. Vor Wildschweinen gilt es sich in Acht zu nehmen, ihre Eckzähne seien gefährliche Waffen. Anja Schrecke erzählt aber, dass sie trotz ihrer vielen Jagdtermine erst zwei Mal vor einer Sau auf einen Baum geflüchtet sei. „Es genügt ein halber Meter hoch.“ Sie habe noch keinen Jagdhund verloren. Trotzdem trägt sie eine spezielle Schutzhose, und auch die Weste von Hündin Quinny ist verstärkt. Außerdem hat die Försterin, die Mitte der 1990er Jahre im Sachsenrieder Forst Dienst tat, aber mittlerweile im Ministerium arbeitet, ein Repetiergewehr dabei.

Die Ausbeute fällt gering aus

Doch viele Wildschweine werden bei dieser Drückjagd nicht aufgestöbert, und auch bei den Rehen hält sich die Zahl in Grenzen: Acht Rehe und zwei Schweine sind es schlussendlich. Bocksberger hätte sich zwar mehr gewünscht, führt die geringe Ausbeute aber auch darauf zurück, dass die Rehwilddichte nicht so groß ist. Quinny, Andor und Franzi bekommen zum Schluss noch mal Futter und Wasser und die kurzhaarige Bracke ein wärmendes Mäntelchen. Die drei Jagdhelfer haben einiges geleistet, wie das Ortungsgerät verrät: „Andor und Franzi sind heute 14 Kilometer und Quinny 19 Kilometer gelaufen.“

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