1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. „Ein gutes Tier ist das Klavier“

Rathauskonzert

19.04.2012

„Ein gutes Tier ist das Klavier“

Komödiantisches Talent zeigte Alexander Netschajew bei seinen Wortspielereien.
Bild: Thorsten Jordan

Alexander Netschajew spielt mit Worten. Reizvolle musikalische Begleitung

Landsberg Wer kennt „Ottos Mops“ nicht? Vor etwa 40 Jahren geschrieben, gehört es mittlerweile zu den berühmtesten Gedichten der Gegenwart. Es stammt vom großen österreichischen Schriftsteller Ernst Jandl. Bekannt geworden ist er insbesondere durch seine absurd-komischen Lautgedichte. Man denke nur an sein „Laut und Luise“. Hier geht es um Akrobatik mit Worten also. Am Freitagabend trat der frühere Landsberger Theaterchef Alexander Netschajew im Festsaal des Historischen Landsberger Rathauses mit solchen verwegenen „Wort-Spielereien“ – auch von Jandl – auf. Vor vier Jahren ausgedacht, hatte diese Idee nun ihre glanzvolle Premiere. Begeistert klatschte das Publikum, ob der reizvollen Geschichten und der gelungenen musikalischen Arrangements.

Spannende Instrumentenkombination

Begleitet wurde der Vortrag der heiteren, witzigen und geistreichen Sprachspielereien vom virtuosen Klavierspiel Gerhard Johannes’, dem wunderbar samtenen Cello von Franz Lichtenstern und dem weichen Klang der Oboe von Julian Johannes: Cello, Klavier und Oboe – eine interessante, spannende Instrumentenkombination. Gut, dass die Musik einen deutlichen Kontrast zu Netschajews Rezitationen bildete und ihrerseits nicht selbst versuchte, humoristisch oder komisch zu sein.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Tiefe Akkorde auf dem Flügel schufen zu Beginn des Abends eine düstere Stimmung, man war gespannt, was folgte. Doch schnell lösten sich die dunklen Takte des Klaviers in einen heiteren Dreivierteltakt auf, als das Cello von Franz Lichtenstern mit einem warmen Ton dazustieß, und das Stück entpuppte sich als der Walzer „Gold und Silber“ von Franz Lehar. Wie eben Wilhelm Busch sagt: „Ein gutes Tier ist das Klavier“.

So überraschend die Musik hier eine Wendung nahm, so ungewöhnlich waren die Verse. Netschajew spielte und gestikulierte, gurrte und rollte das „R“ bei Jandls Sprachgrenzen sprengenden Lautmalereien und sang – mit einer gefälligen Tenorstimme – etwa das Lied über den unmusikalischen Musikkritiker des Wiener Kabarettisten Georg Kreisler. Ja, wenn man schon nicht richtig singen könne, dann solle man es mal als Kritiker probieren, meint der gehässige Kreisler.

Gedicht reihte sich an Gedicht, Lacher an Lacher. Die Autoren des Abends allesamt Meister des subtilen oder auch verzweifelnden Humors. Besonders gelungen war Netschajews Nachbearbeitung des urkomischen Sketches des unlängst verstorbenen Loriot. Ein Mann hat eine Karte für ein Klavierkonzert gewonnen, findet seinen Platz nicht, bringt die ganze Reihe durcheinander und zerreißt am Ende noch seine Hose. Hier zeigte sich das komö-

diantische Talent von Netschajew, der blitzschnell in die verschiedenen Rollen des abstrusen Kammerspiels schlüpfte.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
leit236762338.jpg
Geltendorf

Geltendorf: Parkplätze am Bahnhof werden gebührenpflichtig

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen