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Dießen

13.11.2018

Flüchtlingsfamilien ziehen in „Drei Rosen“ ein

In der früheren Gaststätte Drei Rosen waren zuletzt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Nun möchte das Landratsamt dort Familien und Alleinerziehenden mit Kindern eine vorübergehende eine Unterkunft bieten.
Bild: Uschi Nagl

Der ehemalige Dießener Gasthof wird wieder als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt. Wird der Mietvertrag zwischen Gemeinde und Landratsamt über das Jahr 2020 hinaus verlängert?

Seit einigen Monaten steht der Gasthof Drei Rosen in Dießen leer. Bis März lebten dort unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die vakante Phase soll nun bald wieder vorüber sein, denn das Landratsamt möchte die Unterkunft wieder nutzen. Dort sollen vorrangig Familien und Alleinerziehende mit Kindern, die sich noch im Asylverfahren befinden, untergebracht werden, wie der Sprecher des Landratsamts, Wolfgang Müller, auf LT-Anfrage bestätigte.

Der Landkreis selbst benötigt die Unterkunft, in der zuletzt unbegleitete minderjährige Asylsuchende untergebracht waren, nicht mehr. Wolfgang Müller: „Die jungen Leute sind inzwischen volljährig geworden.“ Nun übernehme der Freistaat Bayern, der durch das Staatliche Landratsamt vertreten wird, das Objekt als dezentrale Asylunterkunft. Neue Bewohner werden nun Alleinerziehende mit ihren Kindern sein und Familien. Zum Hintergrund: Der Landkreis als kommunale Einrichtung ist nur für die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zuständig. Für alle anderen Personen, so Müller, ist der Freistaat zuständig, der durch das Staatliche Landratsamt vertreten wird.

Einige Familien sind in Bischofsried untergebracht

„Aus Sicht der Gemeinde wäre das sehr wünschenswert“, betont Karl Heinz Springer, Geschäftsstellenleiter im Dießener Rathaus. Schließlich sei es nicht einfach, vor Ort Wohnraum zu finden. Das gelte auch für geflüchtete Familien. Der Markt Dießen hatte das ehemalige Gasthaus im vergangenen Jahr von einem privaten Eigentümer gekauft, der Landkreis trat dort als Mieter zur Unterbringung der unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge im Rahmen der Jugendhilfe auf. Dieser Mietvertrag hat noch bis 2020 Gültigkeit.

Dass dringender Bedarf besteht, betont auch Eva Aviles von der Awo-Asylintegrationsberatung in Dießen. Einige Familien, die noch im Anerkennungsverfahren sind, konnten in Bischofsried untergebracht werden. Die Unterkunft liegt allerdings am Ortsrand und soll Ende 2019, so die Auskunft des Landratsamtes, aufgelöst werden. Dass geeignete Familienunterkünfte dringend benötigt werden, zeige auch ein Blick nach Utting. In der Nachbargemeinde sei die Familienunterkunft am Seefelderhofberg voll belegt.

Die Asylsozialberatung favorisiert Lösungen im Ort

Eine Familienunterkunft im ehemaligen Gasthof Drei Rosen könnte aber auch eine Übergangslösung für anerkannte Flüchtlinge mit Familiennachzug sein, und zwar solange, bis diese eine eigene Wohnung gefunden haben. Besonders für Familien sei das Leben in zentraler Lage im Vergleich zur Ortsrandlage – etwa in der Unterkunft Bischofsried – von Vorteil. „Zum Beispiel eine Mutter mit zwei oder drei Kindern, die hat zwar zweimal am Tag einen Bus, aber sonst sitzt sie oben in Bischofsried eigentlich fest“, sagt Aviles. Sie habe aus Schulen und Kindergärten schon mehrfach die Rückmeldung bekommen, dass die Integration von Familien Fortschritte mache, sobald sie im Ort Wohnung und Arbeit gefunden haben. „Kinder können dann einfach auch mal einen Freund besuchen, oder zum Fußballtraining gehen. Das ist von Bischofsried aus sehr schwierig.“ Die Unterkunft dort ist laut Müller derzeit mit fünf bis sechs kleineren Familienverbänden beziehungsweise Alleinerziehenden mit Kindern belegt. Außerdem sind dort noch 15 alleinstehende Männer untergebracht.

Bald beschäftigt sich der Gemeinderat mit einer möglichen Vertragsverlängerung

In den vergangenen fünf Wochen seien Familienangehörige von drei anerkannten Flüchtlingen nachgeholt worden. Eva Aviles rechne mindestens noch bei vier weiteren Personen mit dem Nachzug von Angehörigen. Konkret steht laut Auskunft des Landratsamtes ein Fall an. Im Gasthof Drei Rosen stünden auf zwei Etagen elf Doppelzimmer zur Verfügung. „Für eine Familie müsste man wohl zwei Zimmer veranschlagen.“ Große Umbau- oder Renovierungsmaßnahmen seien in dem ehemaligen Gasthof erst einmal nicht notwendig, meint Erich Schöpflin.

Der ehemalige Leiter des SOS-Kinderdorfs ist Wohnungsreferent im Gemeinderat und Vorsitzender des Awo-Ortsvereins in Dießen. „Allerdings handelt es sich um Hotelzimmer. Die Räume sind grundsätzlich nicht als Wohnung geschnitten, eben eine Übergangslösung“, meint Schöpflin. Positiv, besonders für Familien mit Kindern, sind seiner Ansicht nach die große Küche und die großzügigen Gemeinschaftsräume.

Schöpflin und Aviles, die auch den ehrenamtlichen Helferkreis koordiniert, wollen sich zudem dafür einsetzen, dass Gemeinde und Landratsamt einen Mietvertrag abschließen, der zugunsten der Flüchtlinge über 2020 hinausgeht. Ein Thema, das in Kürze auch im Gemeinderat beraten werden soll.

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