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Landsberg

24.11.2017

Fragen nach veganem Glühwein und vielen Wurstsorten

Bald ist wieder Christkindlmarktzeit in Landsberg. Hier zu sehen: Der Stand vom Fischerwirt.
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Bald ist wieder Christkindlmarktzeit in Landsberg. Hier zu sehen: Der Stand vom Fischerwirt.
Bild: Manfred Weiß

Nächsten Freitag beginnt der Landsberger Christkindlmarkt. Ein paar Marktleute berichten, was sie so alles erleben.

In knapp einer Woche eröffnet in der Altstadt der 39. Landsberger Christkindlmarkt. Die meisten Stände sind schon aufgebaut und teilweise schon mit Tannenzweigen dekoriert. Viele Standbesitzer sind schon jahrelang mit dabei. Manfred Weiß vom Fischerwirt verkauft seit 1999 Crêpes und Glühwein. Auch er ist schon mit dem Aufbau seiner Hütte beschäftigt. Als einer der wenigen, die ihre Hütte noch komplett selbst bauen und keine Fertighütte haben, muss er damit frühzeitig beginnen. „Bis der Stand fertig ist, arbeite ich mit meinen Helfern zwei Wochen lang für drei bis vier Stunden am Tag “, erzählt er. Kaum, dass das erste Brett den Boden zwischen Hellmairplatz und Hauptplatz berührt, wird er oft von Passanten angesprochen: „Ist denn schon wieder Weihnachten?“ oder „Gibt es schon Glühwein?“.

Einige bauen ihre Hütte selbst

Wettertechnisch hat Weiß über die Jahre schon alles erlebt – von Regen bis Sturm. Für diese Saison wünscht er sich keine so niedrigen Temperaturen. Wenn es kalt ist, wird nicht unbedingt mehr Glühwein getrunken. „Da heißt es dann oft ’Schatzi, gehen wir heim’“, meint er. Manfred Weiß baut nicht nur seine Hütte selbst, sondern er steht auch jeden Tag beim Verkauf. Da hat er schon einige lustige Kommentare von Kunden gehört. Auf die Frage „Weiß oder Rot?“ hat sich mal einer gewundert, wo denn da der Unterschied sei.

Ein anderer wollte wissen, ob der Glühwein denn vegan sei. Besonders gefällt Weiß, dass man auf dem Markt viele Bekannte trifft: „Ich bin Wirt, da kenne ich viele Leute.“ Über Terrorgefahr auf dem Christkindlmarkt liest er häufig. Er glaubt aber nicht, dass man Anschläge wirklich verhindern kann. „Vor allem darf man aber deshalb nicht aufhören“, meint er.

Über ein Jahrzehnt hat der Vater von Richard Vogel den Punsch- und den Maronistand betrieben. Nach seinem Tod führt sein Sohn die beiden Stände heuer zum dritten Mal mit dem noch immer gleichen Team weiter. Jedes Jahr ist er vor der Eröffnung des Marktes wieder aufgeregt und hofft, dass alles klappt. Das sei aber Teil des Vergnügens. „Unsere Maroni kaufe ich in der Großmarkthalle in München, die müssen bei mir eine hohe Qualität haben.“ Das Rezept für den Punsch hat Richard Vogels Großvater erfunden, und es bleibt seit Jahren unverändert. „Die eigentliche Chefin hier ist unsere Barbara“, meint Vogel über die Frau, die seit 17 Jahren den traditionellen Punsch herstellt.

Zu viel oder zu wenig Zucker?

Barbara Schad gefällt die besondere Atmosphäre auf dem Markt, gerade, wenn das Christkind auftaucht. Außerdem freut sie sich auf bekannte Gesichter. Denn einige der anderen Budenbesitzer und Kunden trifft sie nur einmal im Jahr um diese Zeit. An ihrem Stand sei der Kinderpunsch sehr gefragt, da viele mit dem Auto unterwegs sind und nicht zu viel Glühwein trinken möchten. Kurios sei, dass Kunden den Punsch manchmal süßer als im vergangenen Jahr empfinden oder noch nach extra Zucker fragen, obwohl das Rezept seit Jahren gleich ist. Vielleicht liegt es am Wein?

Am 1. Dezember öffnet der Bratwurststand von Lilo Maisch zum 39. Mal. Sie ist Gründungsmitglied und war schon von Anfang an beim Landsberger Christkindlmarkt dabei. Bisher steht der Stand nicht, heute werden aber die Teile angeliefert, ihr Sohn und seine Freunde bauen die Hütte auf. „Seit 1994 haben wir jetzt den großen Stand statt der kleinen Hütte“, erzählt ihr Mann Johann Maisch. Er erinnert sich, dass der Markt im ersten Jahr nur neun Tage dauern sollte, aber wegen des unerwartet großen Erfolgs um einen Tag verlängert wurde. Heute dauert der Christkindlmarkt immer zwischen 23 und 29 Tagen. Im Jahr 1993 wurden einmal fünf zusätzliche Markttage angehängt, da ein Teil der Dreharbeiten für den „Bergdoktor“ auf dem Landsberger Christkindlmarkt stattfanden und der Markt dafür unterbrochen werden musste. Wenn Lilo Maisch heute etwas vermisst, dann, dass der Christkindlmarkt „früher gemütlicher war, mit weniger Ständen“. In seinen Anfängen sei der Markt noch etwas „ganz Besonderes“ gewesen. „Heute gibt es überall Weihnachtsmärkte.“

Junge Besucher mögen es scharf

Der Christkindlmarkt sei im Laufe der Zeit stark gewachsen, immer mehr Stände kamen dazu. „Am Anfang waren es vor allem Geschäftsleute, der Blumenladen, der Feinkostladen oder der Metzger, die das Geld zur Verfügung hatten und so für die Entstehung gesorgt haben“, sagt Maisch. Heute sei der Markt größer, hektischer und es seien mehr Auflagen nötig. „Für junge Leute ist es eine große Party“, sagt sie lachend. Früher hatten sie nur eine einzige Wurstsorte im Angebot. Inzwischen gibt es vier verschiedene Sorten: die klassische Currywurst, die „Fränkische Rostbratwurst“, die aus rechtlichen Gründen nicht Nürnberger heißen darf, die Schweinsbratwurst und die Scharfe Rote. Letztere sei am beliebtesten, besonders bei jungen Kunden. „Die Jungen mögen’s scharf“, meint Lilo Maisch. Das Besondere an ihren Würsten ist, dass sie nach dem Originalrezept ihres Vaters, dem früheren Metzgermeister Ludwig Schamper, zubereitet werden.

Manche bekommen eine Extrawurst

Die Metzgerei Schamper gibt es zwar schon lange nicht mehr, aber ein Meringer Metzger stellt seit Jahren frische Würste nach diesem Rezept her – extra für den Christkindlmarkt. Qualität ist Lilo Maisch besonders wichtig: „Man muss hinter den Produkten stehen, die man verkauft.“ Ein Trend, den sie beobachtet, ist, dass die Kunden mehr darauf achten, wie die Lebensmittel verarbeitet wurden. „Die Leute wollen gesünder essen.“ Obwohl Maisch schon so lange dabei ist, macht ihr der Christkindlmarkt nach wie vor Spaß. „Ich mag es, viele Leute um mich herum zu haben, und kurz vor der Eröffnung kommt immer so ein Fieber“, erzählt sie. Auch sei es schön, Leute auf dem Markt zu treffen, die man sonst nur selten sieht. „Einige konnte ich dort sozusagen aufwachsen sehen. Früher kamen sie mit Mama auf den Markt, später allein oder mit Freunden“, sagt sie und fügt hinzu: „Die bekommen dann auch ab und zu eine Wurst extra.“

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