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Lesung

30.03.2012

Heimspiel für Katja Huber

Katja Huber hatte gewarnt: „Ich werde jetzt sehr, sehr lange lesen“, begrüßte die Ex-Dießenerin das Publikum.

Fesselnder Vortrag der Ex-Dießenerin bei „Letzte Montage“

Dießen Zum Re-Opening der Veranstaltungsreihe der „Letzten Montage“ gab es ein zweifaches Heimspiel. Zum einen kehrten die bunten Kulturabende genau dorthin zurück, wo sie wegen des Wirtewechsels vor einem Dreivierteljahr aufgehört hatten, in den Maurerhansl. Zum Zweiten bestritt eine Verwandte des Veranstalters den Abend: die in Dießen aufgewachsene Katja Huber.

Das T-Shirt mit dem Olympiaturm, der wie ein Mikrofon aus Dampfradiotagen wegknickt: Die Autorin erscheint unprätentiös, quasi im Grunge-Look und geradewegs so, als sei sie erst vorgestern bei der Einschreibung an der Uni gewesen. Katja Huber wirkt auf den ersten Blick sehr jugendlich, und ihr Buch tut es ihr gleich. Ohne Umschweife begann die Lesung am Montag mit der Charakterisierung von David, einem Loser-Typen „mit dem Entwicklungsstand eines Unpubertierten“, der mit seiner „Zwergenmülltonne“ durch New York kurvt und dessen Libido auch nicht mehr so will wie er. So die Geschichte in „Coney Island“.

Allerdings täuscht der erste Blick – zumindest bei Huber. Sie, die da mit hoher, beinah leicht näselnder Stimme ganz jung klingend vorträgt, ist vierzig. Und die Gestalten im Buch haben auch schon einiges erlebt. Das zeigt besonders die Episode von Natasha im zweiten Teil der Lesung. „Immerhin hab ich jetzt keine Tränen mehr“: So endet der x-te Versuch der russischen Immigrantin, in New York mit eigener Arbeit in den grünen Bereich zu kommen.

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Die dabei immer lebendiger werdende Stimme der Autorin hatte einen Grund. „Veranstalter russischer Singleabende habe ich in New York selber kennengelernt“, verrät die in München lebende Hörfunkproduzentin, die zuvor Russisch studiert hatte und zweimal für einige Monate in der Nähe von Coney Island wohnte. Dort habe sie die „düstere, teils trostlose Atmosphäre“ fasziniert.

Auch die emotionale Einfühlung in die Buchfigur der Greisin Selma kommt nicht von ungefähr: „In meiner Münchner WG-Zeit mussten wir Studenten auf eine Seniorin aufpassen.“ Demenz kombiniert mit Witz und dem Spaß am Flirten: Ein Teil dieses Erinnerungssubstrats sei in ihren dritten Roman eingeflossen.

Wortkomik à la Woody Allen

Dass im Publikum, wie Huber lachend von der Bühne verrät, fast durchwegs Bekannte aus alten Dießener Tagen sind, begründet das atemlose Lauschen nicht. Vielmehr sind es die Lebendigkeit der Figuren, deren oft absurde Wortkomik à la Woody Allen und das zunehmende Engagement beim Vortrag, das über 80 Zuhörer in den Bann schlägt, die sich dicht an dicht ins Tonnengewölbe des Maurerhansl drängen.

Autorin und Publikum schienen sich nicht trennen zu wollen

An diesem Montag hat es den Anschein, als ob sich die Autorin und das Publikum gar nicht mehr voneinander trennen wollten. Eine mögliche Stoppstelle um die nächste überspringt Huber, murmelt „nur ein paar Seiten noch“, und setzt souverän noch einen Halbstundenpart auf den ersten Stundenpart auf.

So bot diese Lesung einen packenden Einblick ins neue Buch, obwohl der kriminaltechnische Spannungsbogen – die Suche nach Professor Steinbergs Versteck – noch gar nicht zur Sprache gekommen war. Vielleicht mit Absicht, denn Katja Huber betont: „Im Grunde verbirgt sich in meinem Buch weniger ein Kriminalfall als vielmehr eine Komödie.“

Termin Am Montag, 30.April, um 20 Uhr treffen im Maurerhansl Weltmusiker Roman Bunka („Embryo“) und Lyriker Egon Günther aufeinander. Eine Buchbesprechung zum Roman folgt.

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