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St. Ottilien

23.05.2020

Islamisten überfallen afrikanisches Partnerkloster von St. Ottilien

Zur Kongregation von St. Ottilien gehören Benediktinerklöster weltweit. Eines davon wurde in Mosambik Ziel von islamistischen Angreifern.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Plus Das Kloster der Missionsbenediktiner in N’nango in Mosambik wird Ziel eines islamistischen Angriffs. Die dortige Gemeinschaft gehört zur Kongregation von St. Ottilien. Ein Augenzeugenbericht.

Erschütternde Nachrichten erreichten vor wenigen Tagen die Erzabtei St. Ottilien von der Klostergemeinschaft N’nango in Mosambik. Dort hatte eine militante islamistische Gruppe einen schweren Angriff verübt. Der entstandene Schaden ist hoch, zum Glück kamen aber keine Bewohner der Klostergemeinschaft dabei ums Leben. Erst vor einem Jahr ist das neu gegründete Kloster der Missionsbenediktiner eingeweiht worden. Dort entsteht ein medizinisches Zentrum für viele Menschen der Umgebung.

Aus N’nango berichtet Pater Christian Temu: „Am 15. Mai sollte die Gemeinschaft von N’nango eigentlich ihr Patronatsfest, das Fest des heiligen Pachomius, feiern. Leider konnte es nicht stattfinden. Vor drei Tagen, am 12. Mai, kam eine islamistische Gruppe ins Dorf von N’nango und griff einen kleinen Militärposten an. Nachdem sie die Soldaten getötet hatten, blieben sie im Ort. Es war nicht das erste Mal, dass die Gruppe in der Nähe war. Daher setzten die Dorfbewohner ihre Arbeit vorsichtig fort. Unsere Brüder, deren Kloster rund zwei Kilometer vom Zentrum des Dorfes entfernt liegt, wurden über diese ,Neuankömmlinge’ informiert, aber auch sie setzten wie die Übrigen ihr ,Ora et Labora’ fort. Auch in Ndanda hatten wir von der Präsenz der Militanten in N’nango gehört. Ich rief P. Deusdedith, den Oberen des Klosters, an, um mich über ihre Sicherheit zu erkundigen. So wie die anderen Dorfbewohner schienen die ,Neuankömmlinge’ keine direkte Gefahr darzustellen.“

Die Attentäter brennen ein Gebäude nieder

Doch in der Nacht zum 12. Mai näherten sich die islamistischen Angreifer dem Kloster, das zur Kongregation der Missionsbenediktiner von St. Ottilien gehört. Die dort lebenden Brüder hätten glücklicherweise sofort mitbekommen, dass ein Angriff droht, und konnten in den Busch fliehen, heißt es in dem Bericht des Paters. „Drei Brüder flohen gemeinsam. Der vierte Bruder lief in eine andere Richtung und wurde von seinen Mitbrüdern getrennt. Nach einem ganzen Tag wurden sie dank der Hilfe eines treuen Arbeiters wieder vereint. Dieser Arbeiter, Thadeo, ging ins Dorf und kaufte rohes Maniok zum Essen. Zwei Tage lebten und schliefen die Brüder im Wald.“

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Es war kein Kontakt zum Kloster möglich

Pater Christian selbst befand sich zu dieser Zeit in Ndanda, wo er von Freunden und Nachbarn über die Geschehnisse informiert worden war. „Wir waren sehr um die Sicherheit der Mitbrüder besorgt“, denn es habe zunächst keine Möglichkeit bestanden, Kontakt zum Kloster aufzunehmen. Einen der betroffenen Benediktinermönche, Pater Deusdedith, bezeichnet Pater Christian als sehr zähen und positiv denkenden Menschen. „Er ist jemand, der erfolgreich sein will und der nicht aufgibt. Ich wusste, dass er mit seinen Brüdern überleben wird. Wir waren nicht überrascht zu hören, dass sie Imbuho in 50 Kilometern Entfernung erreicht haben. Es wird von der Sicherheitslage auf dem Weg nach Tansania abhängen, wann sie nach Hause kommen. Wir hoffen, dass wir in unsere Mission zurückkehren können, sobald es die Situation erlaubt“, schreibt Pater Christian in seinem Bericht über den Überfall weiter.

Die Benediktiner wollen ihre Arbeit vor Ort fortführen

Bekannt sei mittlerweile, dass ein Gebäude mit Lagerräumen, Wäscherei, Garage und zwei Gästezimmern niedergebrannt seien und wieder aufgebaut werden müssen. Die Angreifer haben wohl auch versucht, das Hauptgebäude anzuzünden. Bei dem Überfall sei auch vieles gestohlen worden: Kleidung der Brüder, Computer und vieles mehr. Auch das Auto im Kloster. Trotz allem ist die Ottilianer-Familie froh, dass bei dem Überfall niemand ums Leben kam. „Allein das zählt“, schreibt Pater Christian in seinem Bericht.

Wenn sich die Sicherheitslage verbessert habe, gehe er davon aus, dass die Mission in Mosambik „so engagiert wie zuvor“ fortgeführt werden kann. „Wir haben diese Mission aufgebaut mit der sorgenden Unterstützung, die wir von unseren Prokuren, Mitbrüdern, Freunden und Wohltätern erhalten haben. Mit eurer Unterstützung sind wir überzeugt, dass wir die Mission von N’nango wiederaufbauen können. Was unseren Mitbrüdern in Nordkorea und Pugu in der Vergangenheit geschehen ist, lehrt uns eine Lektion: Ein Missionsbenediktiner zu sein bedeutet, zäh zu sein.“ (lt)

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