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Landsberg

27.01.2020

Kultband "Guru Guru": 271 Jahre rocken das Landsberger Stadttheater

Noch immer on tour mit ihrem spacig-experimentellen Rocksound (von links): Jan Lindqvist (verdeckt), Mani Neumeier, Peter Kühmstedt und Roland Schäffer.
Foto: Julian Leitenstorfer

Plus Die Band "Guru Guru" um Mani Neumeier tourt seit über 50 Jahren. Bei einigen im Publikum werden beim Auftritt in Landsberg ganz besondere Erinnerungen wach.

1968 gegründet und noch immer on tour: Die Krautrocker „Guru Guru“ waren in der Reihe s’Maximilianeum im Foyer des Landsberger Stadttheaters zu erleben, und 250 Gäste waren gekommen, um die Kultband zu sehen. Gespielt hat Guru Guru übrigens schon mal in der Gegend, vor mehr als 40 Jahren auf der Waldbühne beim Iglinger Sommerkeller.

Die Musiker gehen gleich in die Vollen. Schon beim ersten Lied wird es laut und rockig. Zeremonienmeister der Band ist Mani Neumeier, um den sich in den vergangenen 52 Jahren immer wieder andere Musiker scharten. Mit einer Kette wie ein Medizinmann sitzt der bald 80-Jährige hinter seinem Schlagzeug, trommelt am Boden, oder amüsiert das Publikum mit japanischer Verkleidung und schrägem Sprechgesang.

Guru Guru, "50 Years of Legendary" auf der Kleinkunstbühne mit Peter Kühmstedt (Bass, Vocals), Roland Schäffer (Gitarre, Sax, Nadaswaram Vocals), Mani Neumeier (Drums, Perc, Vocals), Jan Lindqvist (Gitarre, Lapsteel-Gitarre, Vocals)
Foto: Julian Leitenstorfer

Den Gesangspart übernimmt zumeist er oder Roland Schäffer (69), aber auch der Gitarrist Jan Lindqvist (55) und Bassgitarrist Peter Kühmstedt (68) treten ans Mikrofon. Spacig-experimentelle Rockmusik, das ist der Sound von Guru Guru, deren Musik auf 33 CDs verewigt ist. Bei „Space Baby“ findet sich der Blick ins All auch in einem Songtext wieder. Als Jazz-Punk wiederum bezeichnet Mani Neumeier den Song „Digital-Analog“ aus der jüngsten CD-Rotate, die 2018 entstand.

Jazz-Punk und Sphärenklänge

Mit dem Kaossilator werden Töne verzerrt und in sphärische Höhen gehoben, eine indische Kegeloboe namens Nadaswaram bringt fernöstliche Klangfarben und mit dem Entenfänger – einer Pfeife für die Entenjagd – quäkt und quengelt Mani Neumeier mit Roland Schäffer in einem dadaistischen Duett. Zumeist liegt ein harter Rockbeat zugrunde, angereichert mit psychodelischen Melodien. Doch auch ein Countrysong gehört in Landsberg zum Repertoire, und auch tanzbarer Funksound.

Apropos Tanzen: Ab dem ersten Lied geht das Publikum – der Großteil Silver Ager im Alter der Musiker – auf der Tanzfläche mit. Mancher wippt nur leicht mit Fuß und Kopf, doch viele bewegen sich mit selbstvergessenem Lächeln in der musikalischen Klangwolke.

Vor über 40 Jahren spielte Guru Guru bereits auf der Waldbühne

Guru Guru, das ist für viele Erinnerung: Womi (Wolfgang Michalke) organisierte damals die Waldbühne beim Sommerkeller, noch bevor dieser 1979 zur Diskothek wurde. Und er ist mit seiner 24-jährigen Tochter Amelie gekommen, die begeistert mittanzt. „Ich finde die Band sehr cool, so was wird heute nicht mehr gemacht“, sagt die junge Frau. Michalke erinnert sich, dass damals auch die amerikanischen Soldaten auf den Sound von Guru Guru gestanden hätten. Die Band sei damals eine Berühmtheit gewesen, sagt Michalke. Für Horst Althammer ist das Konzert im Stadttheater ein besonderes Erlebnis. „Ich war als 18-Jähriger 1970 irgendwo in Oberbayern auf einem Konzert der Band“, erzählt der Landsberger. Damals habe Mani Neumeier seinen Schlagstock in die Menge geworfen, und er habe ihn gefangen. Jetzt lässt er ihn von Mani unterschreiben.

„Heute ist das Publikum so alt wie wir“

Stefan Oertelt und Lothar Hofmann, beide 65, sind vom Ammersee zum Konzert gekommen. „Das ist Musikgeschichte“, sagt Oertelt, der die Band schon mehrfach gesehen hat und auch Anekdoten zu Guru Guru kennt. Mit von der Partie sind Hofmanns 28-jährige Tochter Svea und deren gleichaltriger Freund Patrick Balmerth. Während sich bei Svea die Begeisterung in Grenzen hält, ist Patrick, der selbst Musik macht, fasziniert. Die Musik sei nicht so leicht eingängig und er selbst als Musiker würde sich „das auf der Bühne nicht trauen“.

Was sagen nun die Musiker selbst nach über 50 Jahren on tour? Was hat sich verändert? Früher sei diese Art von Musik nur was für die Jugend gewesen, meint Roland Schäffer, der Gitarre, Kegeloboe und Saxofon spielt (auch einmal beide Blas-Instrumente gleichzeitig). „Heute ist das Publikum so alt wie wir.“ Für dieses Publikum sei es Erinnerung, aber auch Identität. Aber auch die mittlere Generation komme in die Konzerte und auch ganz Junge, die sich speziell für psychodelische Musik interessierten.

Und als Zugabe beim Guru-Guru-Konzert noch ein Auftritt von Mani Neumeier als "Elektrolurch", einem Song von 1974.
Foto: Stephanie Millonig

Wie hält man sich fit für die Tour? „Spielen ist ein gutes Fitnesstraining“, sagt Schäffer. Jan Lindqvist lebt vegan und Mani Neumeier vertraut auf „lange schlafen, gut essen, meditieren und Gymnastik“. Nach einem zweistündigen Konzert lässt Mani Neumeier in der Zugabe noch ein legendäres Lebewesen auferstehen, den „Elektrolurch“ – der in der Lüsterklemme wohnt, „neben dem Hauptzähler“.

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