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Landsberg

12.12.2020

Landsberg: Klinikchef Gerald Niedermeier pflanzt künftig Bäume

20 Jahre lang leitete Gerald Niedermeier die kbo-Lech-Mangfall-Kliniken des Bezirks Oberbayern, die unter anderem eine Einrichtung in Landsberg betreiben. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Psychiatrie zu regionalisieren, war Gerald Niedermeier ein großes Anliegen. Jetzt geht der langjährige Chef der kbo-Lech-Mangfall-Kliniken in den Ruhestand.

20 Jahre war Gerald Niedermeier Geschäftsführer der kbo-Lech-Mangfall-Kliniken gGmbH. Nun geht er mit 65 Jahren in den Ruhestand. Noch dieses Jahr warten deshalb sonnige Zeiten auf ihn, denn Niedermeier, gebürtiger Münchner und wohnhaft in Garmisch seit 2004, wird seinen Wohnsitz zusammen mit seiner Frau, einer gebürtigen Portugiesin, und seinen zwei Hunden nach Portugal verlegen. Bereits die letzten zehn Jahre hat er dort seine gesamten Urlaube verbracht und sich ein Domizil mit Olivenhain und Meerblick aufgebaut. „Nun freue ich mich darauf, Orangenbäume zu pflanzen“, sagt Niedermeier. Seinen Wohnsitz in Garmisch löst er jedoch nicht gänzlich auf, denn Niedermeier liebt auch die Berge – und das Musizieren. So will er den Ruhestand auch dazu nutzen, wieder vermehrt zur Gitarre zu greifen.

„Das war nicht nur ein Job, da gehörte viel Herzblut dazu“, blickt der 65-Jährige auf seine Zeit als Geschäftsführer zurück. Stets galt es, das Wohl der Patienten, der Mitarbeiter, des Landkreises, aber auch die Wirtschaftlichkeit im Blick zu behalten. Dem studierten Betriebswirt scheint das gut gelungen zu sein, die Kliniken schreiben schwarze Zahlen, „und nur so kann man auch wieder investieren“, sagt Niedermeier, der sich nie als Schreibtischtäter sah, sondern das für die Zukunft Notwendige im Blick hatte und anschob. „Der Erfolg stellte sich jedoch nur ein, da ich auf gute und motivierte Mitarbeiter zählen konnte, die die Ideen aufnahmen und weiterbrachten“, sagt Niedermeier mit Blick auf seine Teams. Ein besonderes Lob spricht er zudem Bezirkstagspräsident Josef Mederer und Martin Spuckti, dem Vorstandsvorsitzenden der kbo, aus. „Sie haben mir freie Hand gelassen, und dafür bin ich den beiden sehr dankbar.“

Gegen das Stigma der Irrenanstalt

Vorrangiges Ziel von Niedermeier waren die Entstigmatisierung der Psychiatrie sowie eine wohnortnahe Behandlung. „Früher fuhren Patienten aus dem Landkreis Landsberg nach Haar, Augsburg oder Kaufbeuren“, blickt er zurück. Da insbesondere Haar das Stigma der Irrenanstalt anhaftete, blieben auch viele Menschen unbehandelt.

Die kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Landsberg hat er 2002 zusammen mit dem damaligen Landrat Erwin Filser und dem kürzlich verstorbenen Walter Eichner, der zu der Zeit Krankenhauschef war, auf den Weg gebracht. „Zuerst waren 54 Betten im vierten Stock des Klinikums geplant. Doch es war uns klar, dass sie nicht ausreichen würden“, erinnert sich Niedermeier, der durchsetzen konnte, dass auch der fünfte Stock, in dem sich damals die Technik befand, mitgenutzt werden konnte. So entstanden 74 Betten.

Fachkräftemangel ist kein Thema

Heute bieten die schon vorhandene Tagesklinik sowie die gegenüber des Klinikums liegende neu gebaute Tagesklinik, die sich die kbo-Lech-Mangfall-Klinik mit der kbo-Heckscher-Klinik teilt, insgesamt 30 Plätze, sodass die als am wirtschaftlichsten geltende Zahl von 100 Betten insgesamt erreicht wird. Nach Inbetriebnahme der kbo-Lech-Mangfall-Klinik galt es für Niedermeier, die Inhalte der Behandlungen aufzubauen. Dazu zählt ein neurophysiologisches Labor, das auch vom Klinikum genutzt werden kann. Überhaupt hätten sich viele Synergieeffekte zwischen den beiden Kliniken in einem Haus ergeben, freut sich Niedermeier. Über Fachkräftemangel wie anderswo im Pflegebereich kann sich der Geschäftsführer nicht beklagen. „Alle Pflegekraft- und Ärztestellen sind besetzt.“ Rund 15 Ärzte und insgesamt 140 Mitarbeiter zählt die kbo-Lech-Mangfall-Klinik in Landsberg, in der unter anderem mit Kunst-, Musik- und Bewegungstherapie behandelt wird.

Die kbo-Lech-Mangfall-Klinik am Klinikum Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Corona habe die kbo weitgehend verschont, blickt Niedermeier auf die aktuelle Situation. Dennoch gab es auch hier einzelne Mitarbeiter und Patienten, die positiv getestet wurden. Niedermeier hat darauf reagiert: Übergreifend für alle kbo-Lech-Mangfall-Kliniken ließ er vor rund zwei Wochen eine Corona-Station in Garmisch einrichten. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, wurde in Landsberg die Bettenbelegung um 15 Prozent reduziert.

Die letzten neuen Projekte

Bis zum Ende seiner Tätigkeit hat Niedermeier neue Projekte angeschoben. „Mein letzter Schachzug war die stationsäquivalente Behandlung, für die wir in Garmisch nun 20 Betten bewilligt bekommen haben“, freut er sich. Das Konzept sieht vor, dass Patienten zu Hause behandelt werden können. Das ist insbesondere für Menschen mit Demenz oder Mütter mit Wochenbettdepression ideal. Angestoßen hat Niedermeier auch noch eine neue Klinik in Wolfratshausen und den Bau einer Tagesklinik am Klinikum Weilheim. Die Weiterführung der Projekte wird nun künftig in den Händen seiner Nachfolgerin Katharina Kopieczny liegen. „Wir sind finanziell und personell gut aufgestellt, so kann sich meine Nachfolgerin in Ruhe und ohne Sorgen eingewöhnen“, so Niedermeier.

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