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Landsberg

26.03.2019

Mit und ohne Handicap - Sport verbindet

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2 Bilder
Die Jazz- und Modern-Dance-Gruppe der FT Jahn Landsberg bei ihrem inklusiven Auftritt beim „Sportfest für alle“ von Landratsamt und IWL.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Das „Sportfest für alle“ in Landsberg soll zeigen, wie Menschen mit Behinderung Sport treiben können. So war die diesjährige Premiere im Sportzentrum.

Wie sich das anfühlt, wenn man Barrieren überwinden muss? Man sollte nicht glauben, wie schwer es ist, seinen eigenen Körper ohne Unterstützung der Füße im Rollstuhl sitzend zu bewegen. Es ist unglaublich anstrengend für jemanden, der das noch nie gemacht hat. Schon die Auffahrt auf eine geradezu lächerlich klein wirkende Rampe lässt die Bauchmuskeln verkrampfen – und das nach nicht einmal einem Meter. Wäre nicht Mirella Gutser vom Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern hinter dem Rollstuhl - die kleine Auffahrt im echten Leben hätte durchaus mit einem gefährlichen Sturz enden können.

Die Halle im Sportzentrum war gut gefüllt am ersten von vier Inklusionstagen, die in diesem Jahr im Landkreis stattfinden. Die Zuschauer des inklusiven Sportfests von Landratsamt und IWL (Werkstätten für Menschen mit Behinderung) wurden für ihr Kommen mit Darbietungen und nachdenklich machenden Erfahrungen belohnt.

Es gibt interessante Sportangebote für Menschen mit Handicap

Für die „Aktion Mensch“ bedeutet Inklusion, dass jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört – egal, wie jemand aussieht, welche Sprache er spricht oder ob er eine Behinderung hat. Für diejenigen, die sich nicht tagtäglich damit auseinandersetzen, mutet Inklusion als schwer vorstellbarer und beschreibbarer Prozess an. Erst, wenn man selbst betroffen ist, wird das Thema erleb- und nachvollziehbar. Insofern ist den Veranstaltern genau das gelungen, was sie mit ihrem Motto „Wir sporteln zusammen, wir wachsen zusammen“, beabsichtigten.

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Nicole Vokrouhlik von der Koordinationsstelle Inklusion im Landratsamt: „Das Ziel ist, dass sich Vereine Menschen mit Behinderung öffnen, dass sie sich präsentieren, dass man ausprobieren kann, dass Menschen mit Behinderungen in den Sport integriert werden und gemeinsam mit den Menschen ohne Behinderung Spaß haben. Außerdem wissen viele gar nicht, welche Angebote es überhaupt gibt.“

Fechten im Rollstuhl

Noch steht das Thema Inklusion nach Einschätzung der Behindertenbeauftragten Barbara Juchem auf einem ausbaufähigen Niveau. Seit mehr als 15 Jahren macht sie diese Arbeit ehrenamtlich. Angesichts dieser langen Zeit ist es für sie selbst manchmal kein Wunder, wenn sie die Entwicklung ab und an pessimistischer einstuft, als sie vielleicht tatsächlich stattfindet. In solchen Momenten tue es gut, Lichtblicke wie diese Veranstaltung zu erleben: „Wir haben uns gewundert, wie viele Vereine sich bereit erklärt haben mitzumachen.“ Fußball, Handball, Klettern, Tanz in verschiedensten Variationen, Taekwondo sogar der Golfsport waren vertreten und noch vieles mehr.

Nicht nur der schweißtreibende Rollstuhlparcours war eine Erfahrung wert, auch das Rollstuhl-Fechten hatte es in sich. Es ist Adrenalin pur, das ausgeschüttet wird, im Rollstuhl sitzend zu versuchen, die Angriffe des Gegners abzuwehren und selbst auf schwache Momente des Gegners zu lauern. Der Gegner heißt Thomas Schuler, trainiert vier Mal pro Woche und noch ist einer der wenigen in Bayern, die diesen Sport betreiben.

Trotz Sehbehinderung den Ball treffen

Ein weiterer Höhepunkt des Inklusionstags war „Showdown“. Es ist eine Art Air Hockey für Blinde und Sehbehinderte. Gespielt wird mit Holzschläger und Ball auf einer Spielfläche mit Bande und Tor. Es geht darum, den gegnerischen Ball mittels Schläger abzuwehren und zu versuchen, den eigenen Ball am Torwart vorbei im Tor zu versenken. Damit Chancengleichheit herrscht, setzen sich Spieler ohne Sehbehinderung eine Augenklappe auf. Sie betreten damit eine neue Welt, eine dunkle Welt ohne optische Signale. Lediglich Gehör und Tastsinn stehen zur Verfügung.

Service Das Landsberger Tagblatt bietet einen Extraservice für Blinde: das Hörabo. Wer das Hörabo über den Blindenbund abgeschlossen hat (Kosten: 7,95 Euro im Monat), kann sich seine Heimatzeitung am Telefon von einer elektronischen Stimme vorlesen lassen. Weitere Informationen gibt es beim Blinden- und Sehbehindertenbundes unter Telefon 0821/4554150.

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