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01.07.2010

Schräge Töne auf schräger Bühne

Dießen Was sich wohl die Glühwürmchen und Fledermäuse gedacht haben, die am Mittwochabend nach Einbruch der Dunkelheit zuhauf im Dießener Schacky-Park unterwegs waren und sich überraschenderweise von Menschen und Tönen umgeben fühlten? Könnten sie lesen, hätten sie es gewusst: Der Park, um diese Zeit normalerweise sich selbst überlassen, dient noch bis zum Sonntag als luxuriöse Umgebung für eine Reihe von Konzerten.

Männer in Antiklamotten

Zum Auftakt mitten unter der Woche musizierte "Kofelgschroa", ein Oberammergauer Männerquartett in Antiklamotten, das seinem Namen mitunter alle Ehre machte. Martin und Michi, Matthias und Maxi spielen Musik fernab jeden Genres, nicht einmal eine eigene Richtung geben sie sich vor. Dass alle vier von der traditionellen Blasmusik kommen, können sie nicht verheimlichen, wollen sie wahrscheinlich auch nicht. Schließlich sind gerade in der Blasmusikliteratur eine ganze Reihe von Stücken mit diesen vertrackten Rhythmen zu finden, derer sich das Quartett liebend gern annimmt. Sieben, elf, dreizehn Achtel - in solchen unkleidlichen Takten fühlt sich Kofelgschroa offensichtlich wohl, die werden mit Hingabe zelebriert.

Das Instrumentarium ist zumindest ungewöhnlich: Eine um den Hals gehängte Tuba, ein Rhythmus gebendes Akkordeon in bunten Leuchtfarben, Flügel- und Tenorhorn sowie ein wenig Gitarre - nicht zu vergessen der Gesang, schräg und krätzig. Vor allem damit punktet Kofelgschroa im Zelt im SchackyPark, zumal die verqueren oder auch banalen Texte ernsthaft, in bester Karl-Valentin- oder Weiß- Ferdl-Manier vorgetragen werden. Alte Hausnamen kommen im Rappergewand daher, mit harmlosen Volksmusikliedchen wie "Ob er aber über Ober...." scheint Kofelgschroa die Weltmeisterschaft im Schnellsprechen gewinnen zu wollen. Gstanzl und Moritaten werden dargeboten, zum Teil neu, zum Teil auch überliefert.

Schräge Töne auf schräger Bühne

Das Quartett bricht aber immer wieder mit Traditionellem und bringt eigene Vorstellungen ins Spiel. Respektlos wird da ein "Juchizer" durch den Kakao gezogen, werden Melodiefetzen aus Klassik und Romantik ebenso eingebaut wie fremdländische Lieder als bayrische Moritaten daherkommen.

Eine besondere Vorliebe scheinen die Musiker für schottische Dudelsackpfeifer zu haben. Viele ihrer Stücke beginnen mit schlanken Aufwärmtönen, wie sie auch die Highlander spielen (müssen). Das Ende ist meist keins - ist Schluss mit der Musik oder der Lust daran, wird aufgehört - so einfach ist das bei Kofelgschroa.

Sollten sie ab und zu mehr als vorgesehen schräg gespielt haben, dann lag das keinesfalls daran, dass drei der vier Musiker Oberammergauer und derzeit Passionsspieler sind und deshalb kaum Zeit zum Üben haben. "Mia spuinma schräg weil mir schräg dastehn", erklärte der Maxi und spielte damit auf die Schieflage der Bühne und des gesamten Zelt-untergrundes an. Begeisterte Zuhörer erhielten natürlich auch die Beilage, pardon "Zugabe" zum Hauptgang, unter anderem "Kartoffelsalat".

So geht's weiter: Freitag 2. Juli: 18 Uhr Einlass, 20 Beginn: Concerto Italiano, Samstag, 3. Juli: Der Park ist den ganzen Tag geöffnet, 20 Uhr: Riscant. Sonntag, 4. Juli: 11 Uhr: Michael Lutzeier mit der Munich Lounge Lizards Bigband. Die Plätze im Zelt für die Biermösl Blosn (20 Uhr) sind ausverkauft. Wenn es nicht regnet, werden auf der Wiese zusätzliche Plätze angeboten (Kartenverkauf Sonntag ab 16 Uhr). Stühle sind nicht gestattet, die Zuschauer sollten Decken mitbringen.

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