Newsticker

Drosten warnt: Corona-Lage könnte sich auch in Deutschland zuspitzen
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Studieren in Zeiten der Baustelle

27.07.2010

Studieren in Zeiten der Baustelle

Annika Litzl sitzt in einem Seminar und versucht, dem Unterricht zu folgen. Der Dozent spricht über das Thema "Hörverstehen", aber selbst in der ersten Reihe versteht die Studentin kaum etwas. Im Seminarraum ist es brütend heiß, aber an ein offenes Fenster ist nicht zu denken, der Baustellenlärm vor dem Fenster würde den Unterricht endgültig unmöglich machen. So wie Annika geht es derzeit vielen Studierenden an der Uni Augsburg. Das Gebäude D, in dem sich die geisteswissenschaftlichen Fakultäten befinden, wird teilweise aufgestockt.

An der Uni herrscht in einigen Bereichen akute Raumnot. Dort wartet man schon dringend auf weitere Kapazitäten. "Im neu entstehenden Teil im fünften Stock sollen Büroräume untergebracht werden, während in den unteren Stockwerken zusätzliche Seminarräume entstehen sollen", erklärt Klaus Prem, Pressesprecher der Universität. Der Ausbau finde vor allem mit Blick auf den doppelten Abiturjahrgang im kommenden Jahr statt.

Momentan befindet sich die Baustelle im Rohbau. Den Baufortschritt beschreibt Annette Bubmann, Abteilungsleiterin für Baumaßnahmen an den Unigebäuden, so: "Die Stahlträgerkonstruktion zur statischen Sicherung wird aufgebaut und dann werden Betonfertigteile auf das Dach gebracht."

Verwirrende Suche nach den Dozenten

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Dass etwas passieren muss, ist allen Betroffenen im Gebäude D klar. Trotzdem fällt es vielen Studierenden schwer, sich mit der Situation zu arrangieren. "Bei derartigen Bedingungen sitzt man einfach da und hofft auf das Ende der Sitzung. Ich verstehe nicht, warum keine Ersatzlösungen gefunden wurden", sagt Annika Litzl. "Das nervt halt einfach", sagt auch Lehramtsstudentin Alexandra Schmid. Sie und ihre Kommilitoninnen Andrea Miller und Juliane Wagner beklagen die fehlenden Ausweichmöglichkeiten.

Für die drei Lehramtsstudentinnen führt die Baustelle darüber hinaus zu einer verwirrenden Suche nach ihren Dozenten. "Durch die Bauarbeiten wurden teilweise deren Büros verlegt. Gerade jetzt, wo das Semester zu Ende geht und wir die Dozenten zur Besprechung der Hausarbeiten bräuchten, findet man keinen", sagt Andrea Miller.

In den Büros im vierten Stock von Gebäude D, auf dem zurzeit gebaut wird, geht der Betrieb indes weiter - wenn auch mit Einschränkungen. "Die Geräuschkulisse ist teilweise so enorm, dass man am Telefon nichts mehr versteht", erzählt Sarah Roth, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Englische Literaturwissenschaft. "Ich habe viel zu Hause gearbeitet, und wenn ich hier bin, hilft Ohropax", ist ihre Strategie.

Sie erzählt auch von abbröckelnden Decken und einem Wasserschaden im Büro einer Kollegin. Die Wasserschäden seien inzwischen behoben, gibt Annette Bubmann Entwarnung. "Wir mussten die Dachabdeckung entfernen und eine provisorische aufbringen, die aber durch die starke Hitze und die Bauarbeiten beschädigt wurde", erklärt sie das eindringende Wasser.

Andere sehen die Baustelle eher gelassen. Etwa José Huisa, peruanischer Stipendiat und Projektmitarbeiter am Lehrstuhl für Angewandte Sprachwissenschaft Romanistik. "Ein kleines Problem war vielleicht, dass wir wegen der Sperrung zwei Wochen zu Hause bleiben mussten", sagt er.

Momentan steht an der Uni erst mal die vorlesungsfreie Zeit bevor. Die Studenten gehen in die Semesterferien. Doch mit der Baustelle werden sich Studierende und Mitarbeiter der Uni noch ein Jahr lang arrangieren müssen.

"Der Betrieb geht weiter, aber mit deutlichen Abstrichen", fasst Mitarbeiter Michael Sauter die Situation zusammen. Blickt man aus seinem Bürofenster, kann man die gesamte Baustelle überblicken. So wird es wohl auch noch eine ganze Weile bleiben, denn die Bauarbeiten sollen bis August 2011 dauern. "Meinung

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren