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Ausstellung

21.06.2012

Vom Dialog der Künste

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3 Bilder
Körperlandschaft und Mobile aus schwerem Stahl von Christian Tobin.

„7 aus Lech-Ammersee“ im Malura-Museum

Oberdießen Mit der 46. Sonderausstellung „7 aus Lech-Ammersee“ hat das Malura-Museum eine neue Ausstellungsreihe ins Leben gerufen, die in lockerer Folge in Zukunft fortgesetzt werden soll. Das Ammersee-Westufer und der nahe Lech haben seit jeher Künstler angezogen. Auch heute stellt sich die Kunstszene hier außerordentlich vielfältig und qualitätsvoll dar. Dass der Lech dabei keine Grenze ist, zeigt die Ausstellung mit den sieben Künstlern, die auf beiden Seiten des Flusses leben. Die Ausstellung verbindet mit bewundernswerter Leichtigkeit die einzelnen Gattungen wie Fotografie, Skulptur und Malerei. Die Themen sind vielfältig, und auch hier entstehen Querverbindungen und Dialoge zwischen den Künsten.

Mittelgroße Holzfiguren lauschen den Reden

Ein großes Thema ist der Mensch. Die unverwechselbaren Figuren von Josef Lang, der 2010 den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Landsberg bekam, sind in Landsberg gut bekannt. Von dort wanderte der rote Sitzende nach Oberdießen und begrüßt den Besucher des Malura-Museums schon von Weitem. Während der Eröffnung mischten sich im Hauptraum ganz selbstverständlich zwei mittelgroße Holzfiguren unter das Publikum und lauschten den Reden. Das ist charakteristisch für die Gestalten aus Bronze oder Holz, die absolut präsent sind und Räume derart beleben, als ob sie schon immer hier waren. Das gilt selbst für die kleinen und dennoch monumental wirkenden Figuren, die miteinander oder mit dem Betrachter kommunizieren.

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In der jetzigen Ausstellung werden sie selbst zum Betrachter und treten zugleich in ihrer Gestik und Farbigkeit in Dialog mit den anderen Kunstwerken. Da korrespondiert zum Beispiel das Rot mit den roten Bildern von Annunciata Foresti, die in ihrer vielfältigen Malerei auch existenzielle Themen darstellt. Die Malerei dieser Bilder gibt keine bestimmten Antworten. Vielmehr vermitteln die verbergenden und wieder aufgerissenen Malflächen Ängste und Schmerzen, Verletzungen und Hoffnungen.

Unter die Haut gehen die Fotoarbeiten von Cornelia Rapp. Mit der Arbeit „Tabu“ wurde sie 2009 mit dem Kunstpreis des Kunstvereins Bad Wörishofen ausgezeichnet. Die fünf vor der Wand schwebenden Fotografien zeigen subtil erotische Ausschnitte. Unschärfe, Schatten und fühlbare Stofflichkeit lassen in Kopf und Bauch des Betrachters viel mehr entstehen, als eigentlich sichtbar ist. Das gilt auch für die Fotoinstallation „Feuerkörper“, die Cornelia Rapp für den Kunstverein Nördlingen zum Thema Hexenverfolgungen schuf. Die lodernden Flammen faszinieren, und erst auf den zweiten Blick wird der weibliche Körper hinter den Flammen sichtbar. Zugleich spiegeln sich Raum und Betrachter in dem Foto und verschmelzen zu einem schmerzhaften Erleben.

Hitze und Licht flimmern

Einen eigenen Raum bekommen die Bilder von Mica Knorr-Borocco, deren abstrakte Landschaften im Kontext der Ausstellung einmal mehr zu Seelenlandschaften werden. Den vier Wasserbildern, die wirkliche Landschaften zu spiegeln scheinen, sind drei Bilder gegenüber gehängt, deren abstrakte Oberflächen vibrieren und Hitze und Licht thematisieren. Am Ende des kleinen Raumes kann sich das Auge in der Fotografie „Überfluss“ von Jörg Kranzfelder ausruhen.

Der Fotograf entlockt auch den banalsten Dingen ihr eigenes Wesen, zeigt hier die Ästhetik eines Wasserüberlaufs oder im Museumscafés die Stärke und Verwundbarkeit eines alten Wandhakens. Spiegelungen oder Lichtreflexe werden durch seine Kamera für die Ewigkeit gebannt. Für die Ewigkeit geschaffen erscheinen auch die Körperlandschaften von Christian Tobin, die mit dem Schweißbrenner aus dickem Stahlblech herausgeschnitten wurden. Reizvoll ist das Nebeneinander von Positiv und Negativ, wenn die Ausschnitte einer Landschaft als Mobile im Raum schweben und ihr Schattenbild auf die Wand zeichnen.

Große Überraschung von Heckelmann

Die große Überraschung dieser Ausstellung ist Ernst Heckelmann gelungen, der neben seinen kraftvoll-gestischen Landschaften eine vierteilige Fotoreihe zeigt. Es sind unscharf verwaschene Bilder von einem alten Bauernhaus. Versucht sich Heckelmann mit diesen auf Leinwand gedruckten Fotos nun als neuer Gerhard Richter? Die Bilderreihe hat einen biografischen und vielleicht auch existenziellen Hintergrund.

Im April dieses Jahres war Heckelmann als „Artist in Residence“ in das Hospiz St. Christoph am Arlberg eingeladen worden. In dieser Gegend verbrachte er als Kind Skiurlaube mit den Eltern. Erinnerungen wurden geweckt, und alte Familienfotos lebten auf. Das Thema Heimat, das in den Berg- und Wasserbildern von Heckelmann hintergründig präsent ist, bekommt hier einen neuen Rahmen, der fotografische Realität und Fiktion verschmelzen lässt. Die existenzielle Thematik, die sich durch die ganze Ausstellung zieht, wurde bei der Eröffnung in faszinierender Weise durch die Musik von Kai Wangler reflektiert.

Denn er entlockte seinem Akkordeon völlig unbekannte Töne, ja ließ das Instrument durch die Kompositionen des Japaners Toshio Hosokawa und des Kanadiers Samy Moussa für kurze Zeit zu einem eigenen, erstaunlichen Lebewesen werden.

Ausstellung „7 aus Lech-Ammersee“ ist bis zum 29. Juli am Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr im Malura-Museum in Oberdießen zu sehen.

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