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Poetry Slam

13.09.2019

Vom gelobten Nass zum „Himmelspisser“

Zuerst lobt er, dann schimpft er: Julius Althoetmar gewinnt mit seinen Reimen aufs Wasser den ersten Landsberger Poetry-Slam nach der Sommerpause.
Bild: Löbhard

Julius Althoetmar gewinnt mit Ode aufs Wasser, die zur Schmähkritik wird

Die Poeten sind nach der Sommerpause zurück auf der Bühne des Landsberger Stadttheaters. Bei dem vom Kreisjugendring organisierten Poetry Slam fand sich wieder ein altersmäßig bunt gemischtes Publikum ein. Denen, die zum ersten Mal dabei waren, erklärte Moderator Ko Bylanzky die Bewertung der Vorträge durch das Publikum mittels Applaus.

Das Aufgebot des ersten Poetry Slams war exzellent. Neun Poeten aus Städten wie Wien, Berlin und München, aber auch aus Waal oder Buchloe traten an. Die Texte drehten sich um Lebenskrisen und die unstillbare Forderung nach immer noch „mehr“ (Sarah Fischer), um unsinnige Lebensweisheiten (Julius Althoetmar) und nicht ruhig zu stellende Zappelphilippe (Aron Boks). Zwischendurch wurde es ein wenig schlüpfrig (Philipp Stroh), es ging um die perfekte „Work Life Balance“ (Sarah Anna Fernbach) und den Mut, jedweden Hass beiseitezuschieben (Selma Wörle). „Ich mach die Welt, wie sie mir gefällt“ – frei nach Pippi Langstrumpf – ist der Traum einer 16-Jährigen (Ramona Leukert) und im Gegenzug die deprimierende Geschichte eines vom Leben Enttäuschten (Theresa Conrady): Die Poeten boten Texte für alle Lebenslagen bis hin zum Genpool mit einem Drachen in der Badewanne: „befriedigend, aber unverhältnismäßig“ (Paul Bokowski).

Nach der ersten Runde standen die Finalisten fest: Julius lag in der Gunst des Publikums ganz vorne. Nach der Pause dann gab es ein Patt: Aron Boks oder Paul Bokowski, die dann beide antreten durften. „Hey“ war der Text von Boks betitelt, in dem es viel um Abdriften mithilfe von Alkohol und sonstiger Suchtmittel („Schneeflocken“) ging. Paul Bokowski hingegen hatte mit seinem Bericht über die Erlebnisse mit dem Staubsaugerroboter schnell die Lacher auf seiner Seite und den Saal hinter sich.

Den Vogel aber schoss Julius Althoetmar ab. Sein Loblied auf das Wasser, in das sich mit zunehmender Dauer Kritik, ja geradezu Hass mischte, war einzigartig in Text, Formulierung und Vortrag. „Du bist herrlich und ehrlich, ich begehr dich.“ Doch was war das: „Du bist überflüssig, du Sandburgenzerstörer, du Himmelspisser...“ Jedes Ding hat halt doch zwei Seiten. Die obligatorische Flasche Sekt jedenfalls war schlussendlich ohne Wenn und Aber die seine. (löbh)

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